Promotionspreis 2005
Laudatio
Auch Traditionen haben immer einmal klein angefangen und so wird der 2003 erstmals vergebene Promotionspreis zwar erst zum zweiten Mal verliehen, soll aber auch in Zukunft Anreiz für junge Wisschenschaftler sein, sich mit Strabologie und Neuroophthalmologie intensiv zu befassen.
In der Regel sollen zwei Preise verliehen werden, jeweils dotiert mit 500 EUR. Die Preisträgerin/der Preisträger soll bei Abschluss der Promotion nicht älter als 32 Jahre sein und muss selber nicht Mitglied der Bielschowsky-Gesellschaft sein. Vorschlagsberechtigt sind allerdings ausschließlich Mitglieder der Bielschowsky-Gesellschaft.
In diesem Jahr wurden 3 Arbeiten fristgerecht eingereicht.
Die Vergabe-Kommission besteht aus der Vorsitzenden der Gesellschaft und 4 weiteren Mitgliedern, die vom Vorstand der Bielschowsky-Gesellschaft bestellt werden. Der diesjährigen Preiskommission gehörten in alphabetischer Reihenfolge an: Prof. Dr. Michael Gräf (Gießen), Prof. Dr. med. Joachim Esser (Essen) als federführendes Mitglied, PD Dr. Daniel Mojon (St. Gallen), Prof. Dr. med. Heimo Steffen (Würzburg). Frau Prof. Lorenz als Vorsitzende der Bielschowsky-Gesellschaft, eigentlich „geborenes“ Mitglied der Kommission, schied auf eigenen Wunsch aus.
Zwei Dissertationen wurden als preiswürdig eingestuft. In alphabetischer Reihenfolge handelt es sich um folgende Arbeiten: Untersucher-unabhängige Bestimmung der lokalen stato-kinetischen Dissoziation (SKD) mittels semi-automatisierter Perimetrie, vorgelegt von Herrn Dr. Jan Schiller aus Tübingen sowie die Arbeit: Molekulargenetische Untersuchungen der Fibroblastenwachstumsfaktorrezeptorgene (FGFR) 1-3 bei isolierten und syndromalen Kraniosynostosen, vorgelegt von Frau Dr. Sabine Schindler aus Regensburg. Die Arbeit von Herrn Dr. Schiller wurde von Prof. Schiefer (Tübingen) betreut, die Arbeit von Frau Dr. Schindler von Frau Prof. Lorenz (Regensburg)
Herr Dr. Jan Schiller wurde 1973 in Celle geboren. Nach dem Abitur 1993 hat er in Tübingen Humanmedizin studiert und 2001 die Ärztliche Prüfung abgelegt und 2004 seine Promotionsarbeit publiziert. Seit 2001 ist Herr Dr. Schiller in der Medizischen Klinik III des Bürgerspitals Stuttgart tätig.
Die preisgekrönte Arbeit von Herrn Dr. Schiller ist von großer klinischer Bedeutung und sowohl vom theoretischen Ansatz als auch von der Durchführung her als herausragend zu bezeichnen. Das Ziel seiner Studie war es, eine auch in der klinischen Routine einsetzbarer Methodik zu entwickeln, um die Messung der stato-kinetische Dissoziation (SKD) in den üblichen perimetrischen Untersuchungsablauf zu integrieren. Bei der SKD handelt es sich um das von Riddoch 1917 an Hand von zerebral Kriegsversehrten erstmals beschriebene Phänomen, kinetische Reize in eigentlich blinden Gesichtfeldarealen wahrzunehmen, während dieselben Objekte statisch dargeboten nicht wahrgenommen wurden. Als Ursachen diskutiert Dr. Schiller die unterschiedlichen Einflüsse der magnozellulären (bewegungswahrnehmenden) und der parvozellulären (Konturen erkennenden) visuellen Systeme einerseits und der extrastriären Zuflüsse in die höheren visuellen Zentren andererseits. Es gelang Herrn Dr. Schiller, eine neue Methode zur Bestimmung der individuellen Daten der SKD entlang der Skotom-Grenzen einzuführen, und hiermit Schwellen zu bestimmen, Qualitätsparameter festzulegen und einen Algorithmus zur Definition und Berechnung der exakten SKD entlang der untersuchten Skotomgrenze festzulegen sowie die Methode auf und kommerziell verfügbare Perimeter zu übertragen, sodass in dieser Methode jetzt im klinischen Alltag einer breiten Anzahl von Untersuchern zur Verfügung steht. Hervorzuheben ist auch, dass sich Herr Dr. Schiller neben der Promotion wissenschaftlich und klinisch mit strabologischen Fragestellungen beschäftigt hat. Dies zeigt auch ihre bereits heute recht beachtliche Publikationsliste mit derzeit 2 Arbeiten als Erstautor und 12 Arbeiten als Koautor.
Frau Dr. Sabine Schindler wurde 1976 in Kempten geboren. Nach dem Abitur 1995 hat sie in Regensburg das Studium der Zahnmedizin aufgenommen und wurde 2002 als Zahnärztin approbiert. Sie ist derzeit in Regensburg in einer freien Zahnarztpraxis tätig. Auch die preisgekrönte experimentelle Arbeit von Frau Dr. Schindler ist sowohl vom theoretischen Ansatz als auch von der Durchführung her ebenfalls als herausragend zu bezeichnen und liefert für die Klinik wichtige Impulse. Ziel dieser experimentellen Studie war es, mit Hilfe von Mutations-Analysen aus peripheren Blutzellen und operativ gewonnenem Knochenmaterial bei 32 Patienten mit isolierten (in der Regel nicht genetisch bedingten) und syndromalen Kraniosynostosen den genetische Ursprung des jeweiligen Krankenbildes aufzudecken und die klinische Diagnose mit einer genetischen zu verifizieren. Es wurden Genabschnitte des FGFR 1 - 3 untersucht, da diese als häufigste Positionen für Mutationen bei Kraniosynostosen bekannt sind. In Falle einer Patientin mit isolierter Plagiozephalie konnte sogar eine bisher noch nicht beschriebene Mutation nachgewiesen werden. Als besonders wichtig ist hervorzuheben, das es ihr gelang, sehr mild ausgeprägte, klinisch unauffällige Phänotypen von syndromalen Kraniosynostosen (z. B. Muenke-Syndrom) herauszufiltern und den genetische Hintergrund zu eruieren, um die Familien dann einer humangenetische Beratung zuzuführen. Darüber hinaus konnte sie überzeugend darlegen, dass die Vorschläge für eine neue, genetische determinierte Klassifikation sinnvoll sind, da diese der bisher bestehenden klinischen Klassifizierung überlegen sein könnte. Die Ergebnisse dieser Studie wurden und werden hochrangig wissenschaftlich publiziert.
Im Namen des Preiskomitees und der Bielschowsky-Gesellschaft gratuliere ich den Preisträgern und auch ihren Betreuern recht herzlich.
Prof. Dr. med. Joachim Esser/em>
Federführendes Mitglied der Vergabekommission
|