Bielschowsky-Gesellschaft für Schielforschung und Neuroophthalmologie

Zusammenfassungen der Beiträge

6. Tagung der Bielschowsky-Gesellschaft für Schielforschung, 29.-31. August 1997 in Gießen

siehe auch: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke Verlag.

1 Experimentelle Amblyopieforschung und ihre klinische Anwendung

G.K von Noorden (Longboat Key)

Referat; kein Abstrakt


2 Levodopa- Therapie bei Amblyopie des letzten Auges im Erwachsenenalter

E. Schulz (Hamburg)

Fragestellung: Neuere medikamentös- therapeutische Konzepte der Amblyopie-Therapie folgen den Vorstellungen, die neuronalen Verknüpfungen des amblyopen Auges im Sehsystem zu verbessern durch Gabe von neurotransmitterähnlichen Substanzen. Einzelberichte hegen vor für den klinischen Einsatz von Cytocholine bei Kindern, ebenso über Levodopa. Zu letzterem wird u. a. in einzelnen Fällen und nach sehr kurzfristiger Gabe über Reduktion von Zentralskotomen amblyoper Augen des Erwachsenenalters berichtet. Langzeitergebnisse und kontrollierte prospektive klinische Studien im eigentlichen Sinne liegen nicht vor. Dies rechtfertigt Behandlungsversuche in ausgesuchten Einzelfällen und diesbezügliche Berichte.

Fallbericht: Ein 60jähriger Patient verlor durch einen Zentralarterienverschluß das Sehvermögen seines nicht amblyopen Auges bis zu einer Funktion von Fingerzählen in 1 m. Das andere Auge hatte eine Anisohyperopie- Amblyopie mit exzentrischer Fixation und einer Sehschärfe von 0,2 Einzeloptotypen. Es bestanden hochgradige Trennschwierigkeiten. Der Patient beschrieb alle Phänomene der visuellen Wahrnehmung hochgradig amblyoper Augen wie Kontrastminderung, Farbstörung, Dystorsion und monokulare Konkurrenz unterschiedlicher Bildlokalisation und -qualitäten. Eine 3wöchige pleoptische Übungsbehandlung brachte keinerlei meßbaren oder wesentlich subjektiven Behandlungsgewinn. Nach einem halbjährlichen Intervall wurde auf Wunsch des Patienten eine Levodopa- Therapie eingeleitet für 1 Woche unter klinischen Bedingungen und unter ambulanten Bedingungen und Kontrollen weitere drei Wochen fortgesetzt. Funktionelle Parameter wie Visus, Zentralskotom, Gittersehschärfe, VECP-Latenzen usw. zeigten keine Änderungen unter oder nach der Therapie.

Schlußfolgerung: Mit vergleichbaren Dosen von Levodopa konnten hier im Einzelfall die in der Literatur berichteten positiven Effekte auf die Sehfunktion amblyoper Augen nicht erzielt werden.


3 Die Ausschleichokklusion als zweckmäßige Behandlung der Schielamblyopie

J. Lang (Zürich)

Die Therapie der Wahl bei Schielamblyopie ist Atropinisation und/oder die faziale Okklusion. Das Ziel der Behandlung ist ein seitengleicher Visus und eine gleich gute Lesefähigkeit auf jedem Auge. Dieses Ziel kann erreicht werden durch eine alternierende Ausschleichokklusion mit Sichtfolien auf der Brille während der ersten Schulklassen. Das Wechseln des Sichtokklusivs morgens auf das andere Brillenglas mit gleichzeitiger Reinigung desselben ist für die Mutter weder kompliziert noch aufwendig. Die Eltern verstehen den Sinn dieser Maßnahme gut, der Fortschritt wird durch Abschwächung der Folien über 8 Stufen demonstriert. Das Kind ist funktionell nicht einäugig und der Aspekt ist nicht zu sehr beeinträchtigt. Das Tragen der Folie ist kontrollierbar. Die Behandlung funktioniert nur wenn eine Brille getragen wird, sie ist selbststeuernd und führt zuletzt zu einem Fixationswechsel mit dem Sichtokklusiv von 1,0 als gleichzeitiges Heilungskriterium. Es wird über Erfahrungen mit der Ausschleichokklusion während mehr als 25 Jahren berichtet.


4. Wie gut ist die physiologische Sehschärfe bei 20- bis 30-Jährigen?

W. Haase, S. Hautzinger (Hamburg)

Ziel der Studie war es, die physiologische Sehschärfe, nicht die epidemiologisch mittlere Sehschärfe einer Gruppe junger Erwachsener zu bestimmen. Ein Mittelwert unter Ausschluß aller Probanden mit Augenanomalien oder Erkrankungen kann als Referenzwert der Altersgruppe ( = 100%) dienen.

Methodik und Probanden: Bei 63 Personen im Alter von 20 bis 30 Jahren ohne Erkrankungen auf ophthalmologischem oder neurologischem Gebiet - erlaubt war korrigierte Ametropie bis 5D sphärisch oder sphärisches Äquivalent oder 2D zylindrisch wurde die Sehschärfe in der Ferne (5 m) für Einzel- sowie für Reihenlandoltringe (C-Test 2,6' Separation nach DIN 58220) geprüft.

Ergebnisse: Der geometrische Mittelwert der Sehschärfe für Einzeloptotypen beträgt 1,64 mit einer Standardabweichung (SD) von 0,79 Visusstufen. Der Wert für Reihenlandoltringe beträgt 1,45, die SD 0,89 Stufen. Die Sehschärfe für Einzellandoltringe ist signifikant besser (etwa eine halbe Visusstufe) als die Sehschärfe für Reihenlandoltringe.

Diskussion: Die Bandbreite des Visus reichte bei dieser Gruppe visuell gesunder Personen von 1,0 (1 x) bis Visus 2,5 (2 x) für Einzelsehzeichen und von 0,8 (2 x) bis 2,0 (6 x) für Reihensehzeichen. Man muß diese Verteilung angesichts fehlender erkannter Ursachen für eine Visusminderung als physiologische Streuung akzeptieren, obwohl sie sich über insgesamt 4 Stufen erstreckt! Der Mittelwert für Einzelzeichen ist in guter Übereinstimmung mit demjenigen von Frisen u. Frisen 1981.


5. Visus und Refraktionsentwicklung nach Hartlinsenversorgung bei friihkindlicher Aphakie

M. Klüppel, J. Haußer, R. Sundmacher (Düsseldorf)

Frühkindliche Aphakien erfordern einen optimalen Refraktionsausgleich, um einer Amblyopie entgegenwirken zu können. Die intraokulare Linsenimplantation macht erst in einem Alter Sinn, in dem die wachstumsbedingte Refraktionsentwicklung nicht mehr rapide verläuft. Vor diesem Zeitpunkt bietet eine Kontaktlinsenversorgung die weit bessere, weil flexiblere Korrektur. Meist werden Weichlinsen verwendet, da harte Kontaktlinsen (hKL) als in diesem Alter zu schwierig eingeschätzt werden. Der Vorteil gut angepaßter hKL ist jedoch deren bessere Abbildungsqualität und der geringere auf die Hornhaut ausgeübte metabolische Streß. Unsere Visusergebnisse sollen den Stellenwert der Hartlinsenversorgung bei Aphakien Neugeborener und Kleinkinder aufzeigen. Ferner soll die Refraktionsentwicklung in den ersten Lebensjahren dargestellt werden.

Patienten: 41 Kinder wurden seit 1987 mit einer hKL versorgt. Sie wurden je nach Prognose in verschiedene Gruppen eingeteilt: Die Gruppe I mit der besten Prognose bestand aus 14 bilateral aphaken Patienten ohne zusätzliche Augenerkrankungen. In Gruppe 11 waren 9 Patienten mit "früh" operierter monolateraler Aphakie. Zu Gruppe III gehörten 7 monolaterale Aphakien mit "später" Operation nach dem ersten Lebensjahr. 11 Patienten mit zusätzlichen Augenerkrankungen bildeten Gruppe IV mit der schlechtesten Prognose. Visusergebnisse und Refraktionsentwicklung wurden ausgewertet.

Ergebnisse: Die hKL wurden sehr gut vertragen. In Gruppe I wurden mit Sehschärfen bis 0,9 wie erwartet die besten Visusergebnisse erzielt. Bei einseitiger Aphakie erreichte die Sehschärfe bei "frühzeitiger" Operation bisher maximal 0,5 (Gruppe II), bei "später" Operation lediglich 0,3 (Gruppe III). In Gruppe IV limitierten Mikrophthalmus, PHPV und ROP die Visusergebnisse auf maximal 0,1. Die Refraktionsentwicklung zeigte eine steile asymptotische Abnahme der Hyperopie innerhalb der ersten drei Lebensjahre, so daß die hKL sehr häufig neu angepaßt werden mußten.

Schlußfolgerung: hKL bieten eine optimale Aphakiekorrektur bei Neugeborenen und Kleinkindern. "Späte" Operation mit bereits ausgebildeter Amblyopie und zusätzliche Augenerkrankungen limitieren die Visusergebnisse. Der steile Rückgang der Hyperopie in den ersten drei Lebensjahren ist ein wichtiges Argument gegen eine primäre Linsenimplantation in dieser Lebensperiode.


6. Wiedergewinnung der fovealen Fixation nach submakulärer Chirurgie durch Schulungsbehandlung

U. Eckardt, G. Rabetge, C Eckardt (Frankfurt Hoechst)

Einleitung: Die chirurgische Behandlung der altersbedingten feuchten Makuladegeneration wird in den letzten Jahren zunehmend häufiger durchgeführt. Trotz der guten anatomischen Ergebnisse sind die Visusergebnisse häufig enttäuschend. Zumeist kommt es nicht zu einem spontanen Wiedergewinn der Lesefähigkeit und der visuellen Orientierung. Ziel der vorliegenden Arbeit war es zu zeigen, daß es, mit Hilfe einer Schulungsmethode möglich ist, intakte zentrale Netzhautfunktionen nach submakulärer Chirurgie wieder physiologisch nutzbar zu machen.

Material und Methode: Eingang in die Studie fanden insgesamt 38 Patienten (Alter: 57 bis 85 Jahre) mit ursprünglich beidseitiger feuchter Makuladegeneration. Bei allen Patienten wurde die Vitrektomie mit Entfernung der submakulären Membran am zuletzt betroffenen Auge durchgeführt. Bei einem Patienten wurde zusätzlich zur Membranentfernung eine Makularotation um ca. 50' nach oben durchgeführt. Sechzehn Patienten nahmen an der Schulung teil und 22 Patienten wurden lediglich kontrolliert. Der Zeitraum der Schulung war unterschiedlich und erstreckte sich in der Regel über 1 Jahr. Geschult wurde zunächst nur monokular das operierte Auge. Das andere, häufig schon seit Jahren schlechtere Auge wurde in der Regel okkuldiert, um binokularen Wettstreit zu verhindern. Die Übungen gliederten sich in zwei Abschnitte: 1. Wiedererlangung visueller Orientierung (Fovea als Bezugsort für Blickzielbewegungen). 2. Wiedergewinn gleitender Folgebewegungen als Voraussetzungen zum Lesen. Ergebnisse: Vor Schulung lag der Fern- und Nahvisus bis auf eine Ausnahme zwischen 1/50 und 0,3 für Reihen. Nach mehr als jeweils 30 Übungsbehandlungen für Nähe und Ferne zeigte sich bei 11 von 15 Patienten ein sicherer Wiedergewinn der visuellen Orientierung mit zentraler Ausrichtung des Auges bei Fixationsanforderung. Der Femvisus in 5 m verbesserte sich nach Schulung für Einzeloptotypen im Mittel um 2 Visusstufen auf bis zu 0,8 und für Reihen auf bis zu 0,5. Sechs der 15 Patienten konnten mit normaler Nahaddition selbst kleine Zeitungsschrift lesen, die übrigen 8 Patienten immerhin Bücher in Großdruckschrift. Allein der Patient, bei dem eine Makularotation durchgeführt worden war, erzielte bereits nach 2 Wochen Schulung einen Nahvisus von 0,8 und konnte in 1 Meter fließend bis zu 1,0 Zahlenreihe lesen. Bei den 22 nicht geschulten Patienten besserte sich innerhalb des Untersuchungszeitraums weder der Fern- noch der Nahvisus und betrug in der Mehrzahl 0,1 bis 0,2 exzentrisch. Nur 3 Patienten waren in der Lage Zeitungsschrift oder Bücher in Großdruck ohne vergrößernde Sehhilfen zu lesen. Schlußfolgerung: Unsere Ergebnisse zeigen, daß es durch gezielte Schulung nach submakulärer Chirurgie möglich ist, die zentrale Fixation trotz organisch bedingter Netzhautschäden und funktioneller Skotome wieder nutzbar zu machen. Damit verbunden ist nicht nur der Wiedergewinn eines Lesesehens, sondern auch die im Alltag so wichtige visuelle Orientierung für Ferne wie Nähe.


7. Fixationsverbessernde einseitige Fadenoperation am M. rect. med. des amblyopen Auges

E. Dannheim-de Decker, W. de Decker (Kiel)

Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke Verlag.


8. Sehschärfeprüfung nach europäischer Norm: wissenschaftliche Grundlagen und Möglichkeiten der automatischen Messung

Bach, G. Kommerell (Freiburg)

Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke Verlag.


9. Objektive Schätzung der Mindestsehschärfe durch Suppression des optokinetischen Nystagmus

M. Gräf (Gießen)

Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke Verlag.


10. Folgebewegungen zur Sehschärfenbestimmung bei Neugeborenen

D. Lengyel, I. Gottlob (St. Gallen)

Einleitung: Das Ziel dieser Studie war, den mit Folgebewegungen und mit Preferential Looking ermittelten Visus von Kindern zu vergleichen.

Methode: Wir untersuchten 69 gesunde Säuglinge im Alter von einem Tag bis 20 Wochen. Der Visus der Kinder wurde an demselben Tag mit zwei Methoden getestet. Die eine erfolgte mittels Aufzeichnung von Folgebewegungen mit einer Infrarot- Kamera. Als Stimulus wählten wir ein Quadrat mit vertikalen Streifen (0,1, 0,2, 0,4, 0,8 und 1,6 Zyklen pro Grad). Der Stimulus bewegte sich horizontal in einer konstanten Geschwindigkeit auf einer grauen Fläche gleicher Helligkeit. Außerdem wurde der Visus durch einen zweiten Untersucher mittels Preferential Looking erhoben. Hierbei verwendeten wir Tafeln mit Streifen (0,1, 0,2, 0,4, 0,8, 1,6 und 3,2 Zyklen pro Grad).

Ergebnisse: Im Vergleich der beiden Methoden zeigte sich eine hohe Korrelation (p < 0,005). Der mit Folgebewegungen ermittelte Visus liegt unter den mit Preferential Looking ermittelten Werten.

Konklusion: Unsere Studie zeigt, daß Folgebewegungen sich zur Visusbestimmung bei Kindern eignen. Die dabei länger notwendige Aufmerksamkeit könnte die geringer ausfallenden Visuswerte im Vergleich zu Preferential Looking erklären.


11. Objektive Sehschärfenschätzung mit Hilfe der visuell evozierten kortikalen Potentiale durch schnelle Reizmustersequenzen unterschiedlicher Ortsfrequenz

E. Zrenner, L Isensee, S. Heine (Tübingen)

Es werden Beispiele von Patienten mit unterschiedlicher Genese einer Visusminderung präsentiert, die mit der von Hajek und Zrenner entwickelten verbesserten objektiven Visusschätzung mit Hilfe der visuell evozierten kortikalen Potentiale (VEP) untersucht wurden (Fortschr Ophthalmol 1988; 85:550-554). Diese Methode wurde inzwischen von Rüther und Zrenner weiter entwickelt und mit einem Evaluationsalgorithmus versehen. Auf einem Bildschirm (20 x 30 cm) werden in drei verschiedenen Abständen (60-70 cm, 120-160 cm, 200-240 cm) Schachbrettmuster präsentiert, die von einem Mustergenerator in schneller Sequenz (300 msec Intervall) mit verschiedenen Ortsfrequenzen (8 - 0,5 Perioden pro Grad) aus einem äquiluminanten Hintergrund 40 msec lang aufleuchten (90% Kontrast). Das VEP wird bei OZ abgeleitet, 10000fach verstärkt und gefiltert und mit dem Beginn der Sequenz reizsynchron aufsummiert (Nicolet Spirit). Es ergibt sich eine spindelförmige VEP-Antwort, die die Kontrastübertragungsfunktion wiederspiegelt. Die erhaltenen Punkte werden mit einer mathematischen Funktion beschrieben. Aus der Schnittlinie dieser Funktion mit der Abszisse (Raumfrequenz) kann der Visus abgeschätzt werden. Der Abstand des Betrachters vom Monitor wird so gewählt, daß das kleinste Muster möglichst gerade noch eine kleine Antwort hervorruft.
Es werden Ergebnisse an Patienten präsentiert, die Visusminderungen durch folgende Ursachen aufwiesen: Aggravation/Simulation, Refraktionsanomalien, Z.n. Zentralvenenverschluß, Z.n. okulärem Trauma, rechtsseitige Optikusneuropathie, V.a. auf okuläre Intoxikation, Bulbusperforation, Zapfendystrophie, periphere retinale Degeneration, Glaukom, AION.


12. Stereosehen: Psychophysik und Elektrophysiologie; Grundlagen und klinische Anwendungen

W. Skrandies (Gießen)

Horizontale Querdisparität wird im visuellen Kortex in räumliche Tiefe umgerechnet. Wir untersuchten mit Hilfe von dynamischen Zufallspunktmuster- Stereogrammen wie hirnelektrische Aktivität durch Variation der Querdisparität in unterschiedlichen Teilen des Gesichtsfeldes beeinflußt wird. In mehreren unabhängigen Studien mit mehr als 75 gesunden Versuchspersonen wurde die stereoskopisch evozierte Hirnaktivität in bis zu 30 Kanälen registriert. Komponenten der evozierten Potentiale wurden in Hinsicht auf Latenz, Amplitude und Topographie bewertet. Stereoskopische Schachbrettmuster wurden auf einem Monitor dargeboten, wobei die zeitliche Variation der Querdisparität zur Wahrnehmung der Bewegung des Musters in der Tiefe führte. Als Vergleichsreiz dienten Schachbrettmuster mit Kontrastkanten mit identischen physikalischen Reizeigenschaften. Ähnliche Untersuchungen wurden an Patienten mit selektiver Störung des Stereosehens durchgeführt.

Bei allen gesunden Versuchspersonen konnten wir über den okzipitalen Hirnarealen reizkorrelierte Potentialfelder registrieren, die sich jedoch hinsichtlich ihrer Stärke und Topographie von kontrast- evozierter Aktivität signifikant unterscheiden. Außerdem wurden deutliche Effekte von Disparität und des gereizten Gesichtsfeldbereichs nachgewiesen. Dies illustriert, daß durch stereoskopische Reize andere Neuronenverbände aktiviert werden als wenn Kontrastinformation verarbeitet wird. Außerdem führt stereoskopische Information in verschiedenen Gesichtsfeldbereichen zu unterschiedlichen neuronalen Prozessen. Die bei Patienten gewonnenen elektrophysiologischen Daten zeigten signifikante Korrelationen mit psychophysischen Schwellen. Diese Ergebnisse waren in Übereinstimmung mit den klinischen Befunden.

Skrandies W. Depth perception and evoked brain activity: The influence of horizontal disparity and visual location. Visual Neurosci 1997; 14:527-532

Teilweise unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG Sk 26/5-2


13. Voraussagekraft des Teller-Acuity-Card-Tests bei Frühgeborenen mit und ohne Retinopathia praematurorum

A. A. Zubcov-Iwantscheff, M. Koch, N. Stärk (Frankfurt/Main)

Bei normalen Probanden sowie bei Patienten mit organischen Augenkrankheiten stimmt, anders als bei Patienten mit Schielamblyopien, die Gittersehschärfe gut mit der Optotypensehschärfe überein (Mohn und van Hof-van Duin, 1986; Katz und Sireteanu, 1990; Neu und Sireteanu 1997). Ziel unserer Studie war, die Voraussagekraft des Teller-Acuity-Card-Tests (TAC) bezüglich des Sehvermögens bei frühgeborenen Kindern mit und ohne Retinopathia praematurorum (ROP) zu untersuchen.

Material und Methodik: Bei 20 Frühgeborenen mit günstigem morphologischen Verlauf (Gruppe A) und 20 Frühgeborenen mit ungünstigem Verlauf nach abgelaufener ROP (Gruppe B) wurde die Entwicklung des Sehvermögens über 4 Jahre beobachtet. 6 Monate nach errechnetem Geburtstermin und weiterhin alle 6 Monate wurde die Gittersehschärfe mit dem TAC-Test geprüft. Mit 4 Jahren wurden am gleichen Tag die Gittersehschärfe mit dem TAC-Test und die Optotypensehschärfe mit dem Sheridan-Gardiner-Test (SGT) geprüft. Verglichen wurden die Ergebnisse der ersten TAC-Untersuchung mit denen der letzten TAC-Untersuchung sowie die Ergebnisse des TAC-Testes mit denen des SGT-Testes.

Ergebnisse: In der Gruppe A fand sich beim Vergleich zwischen der Gitter- und Optotypensehschärfe ein Korrelationskoeffizient von r = 0,75, p = 0,008. In der Gruppe B mit Kindern mit fortgeschrittenem ROP-Verlauf war der Korrelationskoeffizient r = 0,57, p = 0,08.

Zusammenfassung: Unsere Studie konnte eine gute Korrelation zwischen Gittersehschärfe und Optotypensehschärfe bei Frühgeborenen feststellen. Dabei war die Korrelation um so besser, je höher die Gittersehschärfe war.


14. Validierung der Skiaskopie in Miosis als Screening-Methode für Refraktionsanomalien im Kindesalter

W. Rüssmann, A. Neugebauer, A. Hohmann (Köln)

Die Skiaskopie in Miosis ist zeitlich und apparativ wenig aufwendig. Da ferner eine Medikamentengabe nicht erforderlich ist, bietet sich die Methode zum Screening auf Refraktionsanomalien im Kindesalter an.
Wir führten eine Untersuchung zur Validität der Methode mit folgenden Fragestellungen durch: 1. Wie ist die Übereinstimmung zwischen den durch Skiaskopie in Miosis und den objektiv in Zykloplegie ermittelten Refraktionswerten? 2. In welchem Maß lassen sich Refraktionsanomalien aufdecken, die einer Brillenversorgung zugeführt werden müssen?
In einer Pilotstudie untersuchten wir 25 Kinder im Alter von 2-10 Jahren. Der Vergleich der skiaskopisch in Miosis ermittelten Werte mit den durch Autorefraktometer (Topcon) in Zyklolatzykloplegie ermittelten Werten ergab:

  • Der sphärische Wert wird in Miosis im Mittel um 0,55 (0,72) D unterschätzt, die Standardabweichung beträgt 0,96 (1,09) D. Die Differenzen zwischen in Zykloplegie und in Miosis gemessenen Werte streuen von - 1,0 ( - 1,0) D bis 3,5 (3,0) D.
  • Der zylindrische Wert wird in Miosis im Mittel um 0,02 (0,08) D überschätzt, die Standardabweichung beträgt 0,47 (0,73) D. Die Differenzen zwischen in Zykloplegie und in Miosis gemessenen Werte streuen von - 0,75 ( - 1,5) D bis 0,75 (1,5) D.
  • Der Wert des sphärischen Äquivalentes wird in Miosis im Mittel um 0,52 (0,68) D unterschätzt, die Standardabweichung beträgt 0,98 (1,14) D. Die Differenzen zwischen in Zykloplegie und in Miosis gemessenen Werte streuen von - 0,63 1,13) D bis 3,38 (3,75) D.

(Die erstgenannten Werte geben die Ergebnisse für das rechte Auge, die Daten in Klammern die Ergebnisse für das linke Auge an.) Zum Wert der Methode im Screening für die Erforderlichkeit einer Brillenverordnung ergab sich, daß alle versorgungsbedürftigen Befunde aufgedeckt wurden. Lediglich zwei Kinder wurden als eventuell versorgungsbedürftig eingestuft, bei denen nach Zykloplegie keine Verordnung erforderlich war.


15. Videorefraktion als koordiniertes Screening-Programm für Kleinkinder in sechs europäischen Ländern

R. Sireteanu, L Bachert1, A. Castanera de Molina2, 0. Alves da Silva, E Pinto, L. Dias3, F. Vital-Durand4, G. Pinzaru5, M. Angi6, S. Atkinson7, J. Atkinson, 0. Braddick, S. Anker, D. Ehrlich, J. King, T. Hartley8 (1 Frankfrurt, 2 Barcelona, 3 Lissabon, 4 Bron, 5 Lyon, 6 Padua, 7 London, 8 London)

Zielsetzung: In sechs europäischen Ländern wird mit Hilfe eines standardisierten Screening-Verfahrens die Refraktion und Orthoptik bei Kleinkindern von acht bis zehn Monaten untersucht. Die Ziele sind: a) eine gemeinsame Datenbank aufzustellen; b) das Auftreten von amblyogenen Faktoren im ersten Lebensjahr in verschiedenen Ländern zu vergleichen; c) einen Vergleich zwischen zwei Videorefraktortypen (VPR I und VIVA) durchzufahren; d) eine Kosten-Nutzen-Analyse dieses Screenings im Vergleich zu den bestehenden Vorsorgeuntersuchungen im Kontext der verschiedenen nationalen Gesundheitssysteme aufzustellen.

Methode: Jedes Zentrum führt das Screening an einer geographisch determinierten Population (N=500-5000 pro Zentrum) mit Hilfe der Videorefraktion ohne Zykloplegie und einer orthoptischen Untersuchung durch. Die Gruppe der gefährdeten Kinder wird durch folgende Kriterien festgelegt: Manifester Strabismus, Hyperopie >= +1,5 D (Minderakkommodation), Myopie >= -2 D, Anisometropie >= 1,5 D. Bei diesen Kindern wurden eine Skiaskopie unter Zykloplegie und eine ophthalmologische Untersuchung durchgeführt, ebenso wie bei einer Kontrollgruppe aus derselben Screening-Population. Auffällig bei der Skiaskopie galten Kinder, deren Werte für die Hyperopie bei >= +3,5 D, für die Myopie bei >= -2 D, für die Anisometropie bei >= 1,5 D lagen. Die Datenerhebung wird bis Oktober 1997 abgeschlossen und anschließend zentral in London ausgewertet.

Ergebnisse: Vorläufige Ergebnisse zeigen, daß auffällige Befunde in der Videorefraktometrie zu rund 75% durch die Skiaskopie bestätigt wurden; 5% im Bereich der Hyperopie, l% als Myopie und < l% durch einen manifesten Strabismus im ersten Lebensjahr. Der Einfluß der strukturellen Unterschiede der nationalen Gesundheitssysteme auf die Vorsorgeuntersuchungen wie auch auf die Screening-Population und insbesondere im Hinblick auf eine Kosten-Nutzen-Analyse kann erst nach vollständiger Auswertung der Daten erfaßt werden.

Dieses Progranun wird unterstützt als Concertierte Aktion der Europäischen Gemeinschaft.


16. Untersuchungen zur globalen Stereopsis bei Patienten mit Binokularstörungen

A. Neugebauer, H. Kühner, W. Konen (Köln)

Wir stellen einen computergestützten Stereotest zur Analyse überschwelliger Untersuchungsparameter vor.

Der Test basiert auf dem Random-dot-Prinzip, die Bildtrennung erfolgt mittels Anaglyphenverfahren.

Verschiedene Testfiguren sind in je nach Testaufgabe durch den Untersucher oder durch den Probanden wählbarer Querdisparation präsentierbar.

Die von uns entwickelte Testreihe untersucht folgende Parameter:

  1. Vergleich der Tiefeneinschätzung der virtuellen Stimuli mit der anderer virtueller oder realer Objekte.
  2. Antwortzeit bei der Präsentation der Random-dot-Stimuli.
  3. Schwellenfrequenz des Bildwechsels bei der monokularen, alternierenden Präsentation der Random-dot-Halbbilder.
  4. Untersuchung eventueller Vergenzbewegungen bei der Präsentation von Stereostimuli durch simultane Augenbewegungsregistrierung.

Der Test soll darüber Aufschluß geben, inwieweit sich bei Binokularstörungen unterschiedlicher Ätiologie aufgrund einer eventuell unterschiedlichen Pathophysiologie hinsichtlich der genannten Parameter differentialdiagnostisch verwertbare Unterschiede ergeben und inwieweit individuelle Ausprägungsmerkmale, wie z. B. Schielwinkelgröße oder Ausmaß einer Anisometropie von Bedeutung sind. Diese Befunde könnten auch für die weitere Theoriebildung zur Pathophysiologie einzelner Krankheitsbilder aufschlußreich sein.
Wir demonstrieren die Befunde im Normkollektiv und bei Patienten mit Binokularstörungen, wie z. B. Mikrostrabismus, Anisometropie, Strabismus divergens intermittens und Heterophorie.


17. Prüfung des Sehvermögens bei mehrfachbehinderten Kindern

L. Hyvärinen (Espoo)

Bei Kindern mit sensorischen, motorischen und/oder kognitiven Entwicklungsstörungen ist häufig auch das Sehvermögen beeinträchtigt. Die Art der visuellen Beeinträchtigung ist bei vielen Erkrankungen gut bekannt, so daß eine gezielte Suche möglich ist, wenn wir die primäre Diagnose der übrigen Beeinträchtigungen kennen.

Bei Kindern mit Hörverschlechterung ist die Prävalenz der Retinopathia pigmentosa (RP) so hoch, daß in jedem Fall einer primären Schwerhörigkeit bei einem Kind normalhörender Eltern der Verdacht auf RP besteht. Die RP macht sich früh durch eine Störung des Dämmerungssehens bemerkbar, so daß die Dunkeladaptationsprüfung in Spielsituationen bei hörbehinderten Kindern besonders wichtig ist. Eine Gesichtsfeldprüfung ist im Alter von 4-5 Jahren möglich und sollte sowohl im freien Raum als auch mit dem Goldmann-Perimeter zu Beginn jedes Schuljahres durchgeführt werden, auch um die Lehrer zu informieren.

Bei angeborener Taubblindheit durch Röteln oder CHARGE- Assoziation ist eine sorgfältige Prüfung des Sehvermögens im Hinblick auf die Kommunikationsfähigkeit und die motorische Entwicklung erforderlich.

Kinder mit motorischen Problemen haben oft Hirnläsionen, die eine Hemiplegie und eine Halbseitenbeeinträchtigung der visuellen Aufmerksamkeit zur funktionsbeeinträchtigten Seite hin verursachen. Oft ist die Akkommodation herabgesetzt oder fehlt und daher ist eine frühzeitige Nahkorrektion erforderlich. Visuelle Frühförderung im Rahmen der frühen physiotherapeutischen Therapie begünstigt die Entwicklung motorischer Funktionen und der Kommunikationsfähigkeit. Bei älteren Kindern mit motorischer Behinderung sind häufig okulomotorische Funktionen gestört, insbesondere Lesesakkaden, was gegebenenfalls spezielle Lesetechniken erfordert.

Bei geistig behinderten Kindern und Kleinkindern sind zahlreiche Sehstörungen anzutreffen. Beim Down-Syndrom bestehen vor allem hohe Refraktionsfehler, Akkommodationsstörungen und Katarakte, wonach in jedem Einzelfall zu fahnden ist.

Sehstörungen beeinträchtigen die Eltern-Kind-Beziehung und werden oft mehr gefürchtet als motorische Entwicklungsstörungen. Daher sind die frühzeitige Prüfung des Sehvermögens, entsprechende therapeutische Maßnahmen und eine entsprechende Beratung essentiell in der Betreuung mehrfachbehinderter Kinder.


18. Blindsehen

P. Stoerig (Düsseldorf)

Eine Läsion, die die primäre Sehrinde zerstört oder deafferentiert, verursacht einen homonymen Gesichtsfeldausfall, dessen Größe, Position im Gesichtsfeld und Dichte die Eigenschaften der Läsion widerspiegelt. In einem relativen Skotom sind reduzierte, qualitativ veränderte, aber bewußte Restwahmehmungen möglich; in absoluten Skotomen gezeigte Sehreize können dagegen nur dann eine bewußte Wahrnehmung auslösen, wenn ihre Leuchtdichte über der Streulicht-Entdeckungsschwelle liegt. Trotzdem lassen sich auch in absoluten Skotomen visuelle Restfunktionen nachweisen, die neuroendokrine und reflexive Reaktionen, aber auch die für Rindenblindheit spezifischen Entdeckungs-, Lokalisations- und Unterscheidungsleistungen umfassen. Während neuroendokrine und reflexive Funktionen sich auch bei komatösen Patienten messen lassen und weder eine bewußte Wahrnehmung noch einen bewußten Patienten voraussetzen, können die höheren Blindsehleistungen nur bei Bewußtsein befindlichen, willkürlicher Handlungen fähigen Patienten gezeigt werden. Sie werden mit direkten oder indirekten Paradigmen nachgewiesen. Im 1. Fall muß der Patient "raten", wo ein Reiz dargeboten wurde, ob er dargeboten wurde oder welcher dargeboten wurde. Im 2. Fall reagiert der Patient dagegen auf einen im normalen Gesichtsfeldanteil dargebotenen Reiz, und es wird gemessen, ob diese Reaktion durch zusätzliche Stimulation innerhalb des Ausfalls beeinflußt wird. Reflexive, indirekte und direkte Methoden sind auch bei Affen mit abgetragener Sehrinde erfolgreich eingesetzt worden. Beide Spezies können unter geeigneten Reizbedingungen bis zu 100% korrekte Leistungen und im Vergleich zur korrespondierenden Position im normalen Halbfeld einen Empfindlichkeitsverlust von nur 0,5-1,5 log Einheiten zeigen; die Streulichtempfindlichkeit liegt dagegen 2-3 log Einheiten unter dem entsprechenden normalen Wert. Trotz dieses hohen Niveaus werden die Sehreize nicht bewußt abgebildet; die Patienten bestehen darauf, daß sie nichts sehen, und die Affen verhalten sich in geeigneten Versuchen so, daß derselbe Schluß nahegelegt wird. Die Untersuchung des Blindsehens erlaubt demnach ein Abstecken der Funktionen und der visuell gesteuerten Verhaltensweisen, die auch ohne bewußte Reizrepräsentation möglich sind.

Störig P,Cowey A. Blindsight in man and monkey. Brain 1997; 120:535-559

Unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.


19. Alfred Bielschowsky (1871-1940) in Leipzig

S. Fahrenbach (Leipzig)

Es wird über die Zeit berichtet, in der A. Bielschowsky in Leipzig wirkte. Dabei soll ein Bild des Lebens an der "Heilanstalt für Augenkranke zu Leipzig, Stiftung bei der Universität" entworfen und die Rolle von Bielschowsky nachgezeichnet werden, wobei hier sowohl die wissenschaftsorganisatorische wie die wissenschaftliche Seite Aufmerksamkeit findet. Seine Tätigkeit von 1895 bis 1912 fiel in jene Epoche, die zu den bedeutendsten der Augenheilkunde in Leipzig gehörte; unter dem Direktorat von Hubert Sattler (1844 bis 1928) waren hier Gelehrte versammelt, die in den folgenden Jahren und Jahrzehnten die deutsche Augenheilkunde maßgeblich geprägt haben.


20. Obliquus-inferior-Pseudoparese nach wiederholter M. rectus externus-Resektion

B. Arens, H. Mühlendyck (Göttingen)

Bei einer Nystagmus-Patientin mit Kopfzwangshaltung und Blockierung in der Nähe wurde eine kombinierte artefizielle Divergenz-OP durchgeführt. Zur weiteren Verbesserung der Kopfzwangshaltung und des Visus waren jedoch postoperativ erneut Prismen Basis außen erforderlich. Wir entschlossen uns deshalb zu einem weiteren operativen Eingriff. Es wurde dabei nur die M. rectus externus Resektion verstärkt.

Postoperativ kam es zu vertikalen Doppelbildern mit einer Einschränkung der Hebung in Adduktion. Bei der operativen Revision zeigte sich, daß dies durch nicht dehnbare Anteile des verbliebenen, unter dem Muskel gelegenen, Anteils der Muskelscheide des M. rectus externus bedingt war. Die Motilitätsstörung konnte durch Resektion dieser Anteile weitgehend behoben werden.

Diese Ursache für eine mechanisch bedingte konsekutive Motilitätsstörung ist u. W. bisher noch nicht beschrieben worden. Um diese zu vermeiden empfiehlt es sich, bei ausgedehnter Resektion gezielt die unter dem Muskel gelegenen Scheidenanteile zu entfernen.


21. Akkommodativer Konvergenzexzeß - Langzeitverlauf bei konservativer Behandlung

A. Eckstein, M. Fischer, J. Esser (Essen)

Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke Verlag.


22. Motorische Langzeitergebnisse und Häufigkeit von Revisionsoperationen bei frühkindlicher Esotropie

Th. Krzizok, A. Keller, H. Kaufmann (Gießen)

Zur Häufigkeit von Revisionsoperationen bei kongenitaler Esotropie gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben zwischen ll% (Helveston 1983) und 45% (Krug 1983). Angaben zur Variabilität von Augenmuskel-Operationen erlauben keine Aussage über die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Operation und die langfristige motorische Augenstellung.

Patienten und Methoden: Von 400 Patienten, die vor mindestens 10 Jahren wegen frühkindlicher Esotropie operiert wurden, konnten 100 nachuntersucht werden. Außerdem konnten aus der Operationsdatei unserer Klinik (n = 3850) die Standardabweichungen der Effekte und die 3 Monate postoperativ gemessenen Schielwinkel ausgewertet werden.

Ergebnisse: Die Standardabweichung der meistens durchgeführten kombinierten Konvergenz-Operationen lag bei etwa 4'°. Der Prozentsatz der langfristig unbefriedigenden Angenstellung (Eso- oder Exotropie > 9°) lag unter 15% und ist damit nicht höher als 3 Monate postoperativ. Um dieses Ergebnis zu erzielen, waren nur in 5% zwei Augenmuskel-Operationen nötig.

Schlußfolgerung: Den in der Literatur beschriebenen hohen Anteil schlechter motorischer Ergebnisse können wir nicht bestätigen. Diese bleiben langfristig auch bei schlechten Binokularfunktionen relativ stabil. Da die Schielwinkel und Operationseffekte nicht normal verteilt sind, sollte die Standardabweichung durch weitere Lageparameter ergänzt werden.


23. Entwicklung des kongenitalen Nystagmus im ersten Lebensjahr- Dokumentation mittels Augenbewegungsableitungen

L Gottlob (St. Gallen)

Ein vier Wochen altes Mädchen wurde als Probandin im Rahmen einer Studie über normale visuelle Entwicklung untersucht. Die Augenbewegungen wurden im Alter zwischen einem und zwölf Monaten mehrmals photookulographisch und elektro-okulographisch registriert. Während im Alter von 5 Wochen noch keine pathologischen Augenbewegungen abgeleitet wurden, traten im Alter von 7 Wochen Gegenrucke (square-wave-jerks) auf. Mit 8 Wochen wurde ein feiner Pendelnystagmus registriert, welcher sich mit 10 Wochen zu einem Rucknystagmus mit zu- und abnehmender Geschwindigkeit der langsamen Phase entwickelte. Mit 14 Wochen wurde ein feiner Pendelnystagmus registriert. Im Alter von 7 und 12 Monaten wurde eine für kongenitalen Nystagmus typische pendelförmige, konjugierte Wellenform abgeleitet. Der ophthalmologische Organbefund, die Entwicklung der Sehschärfe mit Preferential Looking und die allgemeine Entwicklung der Patientin lagen im Normbereich.

Unsere Studie zeigt, daß zumindestens bei einigen Nystaginusformen bei der Geburt noch keine pathologischen Augenbewegungen vorhanden sind. Vor der Entwicklung des typischen kongenitalen Nystagmus wurden sakkadische Störungen und untypische Wellenformen mit abnehmender Geschwindigkeit der langsamen Phase registriert.

Gottlob I. Infantile nystagmus: development documented by eye movement recordings. Invest Ophthalmol & Vis Sci 1997; 38:767-773


24. Fixatiosdisparation am Pola-Zeigertest: nicht repräsentativ für die Augenstellung unter natürlichen Sehbedingungen

J. Gerlin, M. Ball, T Bömer, G. Kommerell (Freiburg)

Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke Verlag.


25. Zur Untersuchung des dissoziierten Höhenschielens im freien Raum

H. Steffen, A. Heil, A. Klingemann, R. Schmidt, G. Kolling (Heidelberg)

Bielschowsky beschreibt Patienten, die ein fixationsabhängiges Höhenschielen haben und auf die Verdunklungsprobe in typischer Weise nicht reagieren. Trotzdem ordnet er sie unter die Überschrift "Dissoziiertes Höhenschielen" ein. Vorstellen der originalen Untersuchungsmethode und der Untersuchung am Synoptophor (Fixations-Wechsel-Test = FWT). Vergleich dieser Meßergebnisse bei Patienten mit dem hier leicht modifizierten Test im freien Raum: 1. Beidseits sehr helle Beleuchtung der Augen, besonders des fixierenden Auges und Abdecken des schielenden Auges mit Prismen und Abdeckscheibe, Messen des Höhenschielens mit dem einseitigen Abdecktest. 2. Sehr helle Beleuchtung des nicht fixierenden Auges mit einer Schreibtischlampe, Offenlassen dieses Auges, wenn das fixierende Auge durch ein möglichst großes Dunkelrotglas abgedeckt ist und das Fixierlicht ansieht (Pat. hält das Dunkelrotglas). Vorgabe eines Vertikal- und Seitenprismas vor das freie Auge und Messen der Höhenabweichungen mit dem einseitigen Abdecktest. Die Messung ist auch von einer Orthoptistin alleine bei einem kooperativen Patienten durchführbar, ist schneller als der FWT am Synoptophor und ergibt nicht weniger Höhenschielen. Bemerkenswert ist die große Streubreite bei aufeinanderfolgenden Messungen. Bei Seitwärtsblick kann das dissoziierte Höhenschielen ebenso gemessen werden, um zwischen dissoziiertem und nicht dissoziiertem Anteil eines Höhenschielens in Adduktion zu unterscheiden. Auf die relativ geringe Bedeutung des exakten Ausmaßes des dissoziierten Höhenschielanteils wird hingewiesen. Wichtiger ist die V- oder A- Inkomitanz bei der Operationsindikation an den Mm. obliqui.


26. Der Helmholtz- Schirm - ein neues Untersuchungsgerät zur Messung von Horizontal- und Vertikaldeviationen

G. Kolling (Heidelberg)

Vorstellung der Helmholtz- Koordinaten, Beschreibung der Vorteile gegenüber den unphysiologischen, aber historisch eingeführten Heß- Koordinaten. Vorstellen des Untersuchungsgerätes von Herrn Kollegen Löw aus Völklingen. Darstellen des teilweise automatisierten Registrierablaufes an Einzelbeispielen, Erklären des neuen, besseren Registrierschemas. Besonderes: Ablesbarkeit der Schielwinkel mit einer Genauigkeit von 1/2', Exzentrizitäten bis zu 50'. Summe: exzellentes Gerät für die Praxis: schnell, einfach und doch sehr genau. Nachteil: fehlende Zyklodeviation, fehlender Kopfneige-Test, relativ naher Testabstand von 50 cm. Summe: nichts für die operativ tätigen Augenkliniken.


27. Unilaterale orbitale Fibrose assoziiert mit einem seltenen ipsilateralem frontobasalen Tumor

M. Andrassi, P. Held, 0. W. Ullrich, F Hofstädter, B. Lorenz (Regensburg)

Wir berichten über ein 3jähriges Kind, das wir erstmals im Alter von 2 Monaten wegen eines linksseitigen Enophthalmus mit auch im Forced-Duction-Test fixiertem Bulbus untersuchten. Das NMR (3D-Datensatz, Gadolinium) im Alter von 5 Monaten zeigte eine Adhäsion zwischen dem Musculus rectus lateralis und der Orbitawand, eine Verschmächtigung aller extraokularen Muskeln sowie Veränderungen des orbitalen Fettgewebes im Sinne einer Bindegewebserkrankung. Überraschenderweise zeigte sich darüber hinaus intrakraniell ein ipsilateraler frontobasaler Tumor ohne Anzeichen einer direkten Verbindung mit der linken Orbita. Der Tumor konnte mittels einer linksfrontalen Kraniotomie vollständig entfernt werden. Auch intraoperativ wurde keine Verbindung mit der linken Orbita gesehen. Bei den kernspintomographischen Kontrolluntersuchungen fand sich bisher kein Anhalt für ein Tumorrezidiv. Histologisch fanden sich multiple ovoide Zellen, mehrkernige Riesenzellen, alte Hämorrhagien sowie Osteolysen, am ehesten mit einem ossären Riesenzelltumor vereinbar. Solche Tumoren werden meist in den langen Röhrenknochen, oft im Os sacrum und in Wirbeln, aber nur selten in kraniofazialen Knochen gefunden. Bei Säuglingen wurden sie bisher nicht beschrieben. Ätiologisch bleibt die Assoziation einer unilateralen orbitalen Fibrose mit ipsilateralem frontobasalen Tumor unklar. Die Sehschärfe des fixierten, hoch hyperopen, aber sonst gesunden Auges ist im Alter von 3 Jahren ähnlich wie die des Partnerauges, an dem sich ein manifest- latenter Nystagmus entwickelt hat (14,2 Zyklen/Grad). Die Fixation erfolgt bevorzugt mit dem fixierten linken Auge. Die hohe initiale Hyperopie hat sich im Beobachtungszeitraum von drei Jahren deutlich reduziert, das Partnerauge war zu jedem Zeitpunkt nur mäßig hyperop. Im Verlauf konnte durch Teilzeitokklusion des fixierten linken Auges eine Nystagmusberuhigung des rechten Auges erzielt werden. Bei bevorzugter Fixation mit dem etwa in Primärposition fixierten immobilen Auge wurde von einem augenmuskelchirurgischen Eingriff Abstand genommen.


28. Juvenile Form des Morbus Krabbe (Galactocerebrosid-Lipidose) als seltene Ursache einer beidseitigen Visusminderung im Kindesalter

K. Hartmann, F Hanefeld, H. Mühlendyck (Göttingen)

Bei der Galactocerebrosid-Lipidose handelt es sich um eine Globoidzell- Leukodystophie mit Ablagerung von Zerebrosiden v. a. in mehrkernigen Riesenzellen dysmyelinisierter Bereiche des ZNS. Die klassische Form der Erkrankung beginnt zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat und zeigt eine rasche Progredienz mit Spastik, zerebellären Symptomen, Demenz und finaler Enthirnungsstarre. Die selteneren in späterem Lebensalter einsetzenden Formen weisen variablere klinische Verläufe auf. Für den juvenilen Typ des M. Krabbe (nach Loonen) ist ein Visusverlust mit anfangs rascher Progredienz und anschließender Stabilisierung typisch. Wir möchten den Fall eines inzwischen achtjährigen Mädchens vorstellen. Im Alter von 5 Jahren wurde plötzlich eine beidseitige Visusminderung auf 0,2 festgestellt, zur gleichen Zeit fielen Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses auf. Dieser Befund hat sich in den letzten 1,5 Jahren nicht verändert.

Die Fixation lag beiderseits springend im oberen Wallreflexbereich der Makula. Die Papillen waren randscharf und schienen temporal etwas blasser, der übrige Organbefund war unauffällig, insbesondere sahen wir keine weißlichen Einlagerungen im Makulabereich unter Aussparung der Fovea. In der Kemspintomographie des Schädels (7/95) fanden sich in der T2-Protonenwichtung im Marklager um beide Hinterhörner signalintense Säume, die in der Tl-Wichtung signalarm waren und kein Kontrastmittelenhancement zeigten. Diese Läsionen schlossen die Radiatio optica ein und erklären somit die Visusminderung. Die Diagnose eines Morbus Krabbe wurde über die ausgeprägte Defizienz der Cerebrosid-ß-Galaktosidase in Leukozyten und Hautfibroblasten gesichert.

Das Mädchen hat sich in der Beobachtungszeit normal weiterentwickelt und besucht eine Regelschule. Neurologisch ist sie bis auf diskrete cerebelläre Zeichen (Dysdiadochokinese, Unsicherheiten beim Knie-Hacken-Versuch) unauffällig.


29. Unterschiede in der allgemeinen Entwicklung bei Albinismus-Patienten (OCA 1,2 und XOA) ndt und ohne verzögerte visuelle Reifung

B. Käsmann, K. W. Ruprecht (Homburg)

Bei okulokutanem und okulärem Albinismus wird in der Literatur manchmal eine verzögerte visuelle Reifung (Delayed Visual Maturation) beschrieben. Ob sich hieraus noch weitere Folgen für die allgemeine Entwicklung ergeben, wurde unseres Wissens bislang nicht untersucht. Patienten: 144 Patienten (bzw. ihre Eltern) mit allen Formen des okulären und okulokutanen Albinismus wurden bezüglich allgemeiner Entwicklungsschritte und Fertigkeiten standardisiert befragt: Zeitpunkt des Laufenlernens, Probleme in Fein- und Grobmotorik, Lese-Rechtschreibstörungen etc. Zudem wurde erhoben, ob eine verzögerte visuelle Reifung vorlag, wann das Fixieren eingesetzt hat und wie sich der Nystagmus im Laufe der Jahre verändert hat. Ergebnisse: Wir stellen die Patienten mit okulokutanem Albinismus (OCA 1 und 2, n = 62) und X-chromosomal-rezessivem okulärem Albinismus (XOA, n = 31) vor. Die wesentlichen Unterschiede bei Patienten mit und ohne verzögerte visuelle Reifung:

 
Ty-negativer OCA
Ty- positiver OCA
XOA
Keine DVM
DVM
Keine DVM
DVM
Keine DVM
DVM
Prozentualer
55%
45%
41%
59%
3%
97%
Anteil DVM
 
 
 
 
 
 
Einsetzten der
2,07
5,62
2,09
6,93
1,0
6,15
Fixation
 
 
 
 
 
 
(Durchschnitt,
 
 
 
 
 
 
in Monaten)
 
 
 
 
 
 
durchschnitt-
0,098
0,12
0,2
0,17
0,14
0,14
licher Visus
 
 
 
 
 
 
Laufen gelernt
12,3
15,8
13,41
13,78
11,0
14,9
(Durchschnitt,
 
 
 
 
 
 
in Monaten)
 
 
 
 
 
 
Feinmotorik-
21%
46%
18%
33%
-
33%
Probleme
 
 
 
 
 
 
Grobmotorik-
29%
23%
-
7%
-
10%
Probleme
 
 
 
 
 
 
Lese-Recht-
21%
62%
27%
33%
-
52%
schreibprobe
 
 
 
 
 
 

Schlußfolgerung: Bei Albinismus-Patienten mit verzögerter visueller Reifung zeigen die üblicherweise orthoptisch geprüften Parameter (Visus, Strabismusinzidenz, Nystagmus) keinen Unterschied zu den Parametern von Patienten ohne verzögerte visuelle Reifung. Jedoch finden sich bei Patienten mit verzögerter visueller Reifung häufiger als bei den anderen auch Defizite in der weitergehenden Entwicklung in spezifischen Bereichen. Man sollte daher bei Kindern mit Albinismus (insbesondere bei XOA): gezielt anamnestisch nach einer DVM fragen, - den behandelnden Kinderarzt auf die höhere Wahrscheinlichkeit spezifischer Entwicklungsprobleme aufmerksam machen, - die Eltern und die Frühförderstellen entsprechend informieren, - bei den Frühfördermaßnahmen mehr auf diese speziellen Bereiche eingehen und durch gezielte Förderung versuchen, die Defizite so gering wie möglich zu halten.


30. Ursachen der Visusherabsetzung bei Schülern der Sehschwachenschule Halle/Saale

R. Weidlich, B. Ganzert, M. Tost (Halle)

Die Wahl der Schulform eines sehgeschädigten Kindes wird in entscheidendem Maße durch den optimalen Visus in Ferne und Nähe bestimmt. Ziel der Untersuchung war es festzustellen, welche Erkrankungen des Sehorgans besonders häufig bzw. schwer die Sehschärfe bei den sehschwachen Schülern in Halle beeinträchtigten. Zu diesem Zweck wurden die wesentlichsten ophthalmologischen Daten der Schüler der halleschen Sehschwachenschule der Geburtsjahrgänge 1963 bis 1985 (n = 393) analysiert und mit einer ähnlichen Untersuchung an der gleichen Schule 1969 verglichen. Es zeigt sich, daß die häufigsten Ursachen für die Visusreduzierung nach wie vor die Mißbildungen, insbesondere die angebotenen Katarakte sind. Veränderungen in der Häufigkeit zeigen sich dagegen im Anstieg der degenerativen Leiden und der Reduzierung der Kurzsichtigen. Grund für letzteres ist, daß in den letzten Jahrzehnten Kinder mit Myopien und damit relativ guter Lesefähigkeit vermehrt Normalschulen besuchten. Von besonderem Interesse ist das Auftreten der Retinopathia praematurorum in dem analysierten Krankengut mit einem Häufigkeitsgipfel in den Jahren 1977-1982. In dieser Gruppe ist auch die funktionelle Einäugigkeit, d.h. der Visus eines Auges ist gleich oder schlechter als 1/20, besonders hoch. 94,1% der Schüler entsprachen nach den Kriterien der Sehschärfe (0,2-1/25) den Aufnahmebedingungen für die Sehschwachenschule. Die Ursachen dafür, daß 5,9% der Kinder nicht den normalen visuellen Bedingungen der Sehschwachenschule entsprachen, sind recht unterschiedlich und Ausdruck persönlicher Umstände und Voraussetzungen des betreffenden Kindes.


31. Okklusionsrhythmen als Indikator für die Sensitivität der Amblyopie

D. Friedrich (Bad Soden)

Die Okklusion ist weiterhin die einzige Möglichkeit, das Ungleichgewicht zwischen dem Visus des amblyopen und dem des dominanten Auges zugunsten des amblyopen zu beeinflussen unabhängig von der Amblyopieform. Die Begriffe Okklusionsfrequenz, Okklusionsrhythmus und Okklusionsdauer werden im allgemeinen als Synonyme benutzt und unterschiedlich angewandt. Trotz einer unüberschaubaren Variabilität in der Anwendung dieser Therapieform scheint die Effektivität relativ gleichwertig zu sein, bezieht man sich auf den "Erfolg", der in der Literatur angegeben wird. Die sehr weit differierenden Definitionen eines Therapie- Erfolges in der Amblyopiebehandlung sind der eine Grund für die Effektivität, die hohe Plastizität des Binokularsystems der andere Grund für den guten Ausgang fast aller Okklusionsbehandlungen, die konsequent durchgeführt werden.

Die Okklusion ist eine artifizielle Deprivation der dominanten Seite für eine definiert kurze Zeit. Das Phänomen der reversiblen Okklusionsamblyopie zeigt die Belastbarkeit ebenso wie die Elastizität des binokularen Balancesystems auf. So ist die Okklusionsamblyopie des dominanten Auges positiv reversibel, die Amblyopie des betroffenen Auges ist negativ reversibel - beide direkt proportional gebunden an wechselnde Zeitsektoren der Beeinflußbarkeit.

Es scheint eine Obergrenze der notwendigen Okklusionsdauer zu geben, deren Überschreitung eine Okklusionsamblyopie auslöst, ohne daß der Visus des amblyopen Auges weiterhin anzuheben ist. Die Untergrenze einer täglichen Okklusionsdauer liegt altersabhängig im Bereich von 1/2 bis 1 Stunde, die Obergrenze variiert von Stunden bis zu mehreren aufeinanderfolgenden Tagen. Bis heute ist der tatsächliche Auslöse- Mechanismus einer durch Okklusion entstandenen Diplopie nicht bekannt.


32. Visusstimulation mit sinusoidal moduliert oszillierenden Gittern: Eine neue computergestützte Methode zur Nachsorge von Amblyopie (Computerdemonstration)

F. Muchamedjarow, U. Kämpf, W. Mascolus (Dresden)

Einleitung: Vorgestellt werden graphisch animierte Computerprogramme zur Visusstimulation durch sinusoidal modulierte Wellenmuster, die von Ophthalmologen, Informatikem und Psychologen im Rahmen eines interdisziplinären Projektes für den klinischen Einsatz gemeinsam erarbeitet wurden. Aufbauend auf Erkenntnissen über raumzeitlich oszillationssensitive Initialfilterungen in der Kaskade der binokularen Informationsverarbeitung soll damit ein Therapieerfolg erzielt werden bei Kindern im Falle von Amblyopie. Bisherige Behandlungsansätze zur Überwindung der Amblyopie durch Sehschulung setzen vor allem auf die Occlusion. Moderne Methoden zur Behandlung von Amblyopie, insbesondere in der Nachsorge, stützen sich darüber hinaus auf verschiedene Einwirkungsprinzipien zur Aktivierung der entsprechenden Kanäle oder Subsysteme des Sehsystemes, das nach dem Mehrkanalprinzip aufgebaut ist. Als relativ effektiv erwiesen sich die Lichtreizungsmethoden von Bangerter, Cüppers und anderen. Hierbei erfolgt die vorwiegende Einwirkung, offensichtlich, über den Helligkeitskanal. Später wurden die Raumfrequenzkanäle des visuellen Systems entdeckt, und es wurde vorgeschlagen, das amblyope Auge mit Hilfe von Frequenz-Kontrast-Objekten zu stimulieren.

Methode: Unser Vorgehen zielt deshalb, gestützt auf Forschungen im Grenzbereich von Psychophysik, Sinnesphysiologie und Neuroinformatik, auf die Reaktivierung des in einem stationären Hemmungsregime fehlstabilisierten amblyopen Systems durch sinusoidal modulierte raumzeitlich oszillierende Wellenmuster. Angelehnt an einen in Cambridge entwickelten Stimulator sollen schmalbandige Kanäle (Filterbänke) in den Übertragungswegen der Sehbahn in ihrer Wechselwirkung mit Bewegungskanälen angeregt werden, um so die stationär fehlstabilisierte binokulare Imbalance zu durchbrechen. Anders als beim Cambridger Originalverfahren versuchen wir deshalb, orientiert an Wässle, außer der räumlichen, auch die zeitliche Modulationsfrequenzselektivität der Filter anzusprechen. In Auswertung auch der Arbeiten von Stangler zur Reizung mit bewegten Lichtstreifen werden dabei mit computergenerierten sinusoidalen Gittern Bewegungsnachbilder induziert, die potentiell dem interokularen Transfer zugänglich sind.

Ergebnisse: Erste Ergebnisse einer Pilotstudie zeigen, bei Stagnation der Occlusionsbehandlung, deutliche Visusverbesserungen (durchschnittlich 10% im Fernvisus und 20% im Nahvisus) an einer Stichprobe von 12 von Amblyopie betroffenen Kindern zwischen 4 und 12 Jahren nach nur 14tägiger Anwendung des Stimulators. Vorgesehen ist künftig auch die Implementation des Stimulators in animierte Computerspiele, Videoclips etc., von denen Demos bereits vorliegen, um das Interesse der meist noch sehr jungen Patienten zu wecken bzw. ihre Aufmerksamkeit während des an sich langweiligen Stimulationsprozesses zu binden und so das Behandlungssystem als kostendämpfende Alternative zur Klinikbehandlung auch für die Heimtherapie tauglich zu machen.


33. Komplikationen und Fortschritte in der Strabismus- Chirurgie

R. Berger, W. Haase (Hamburg)

Problemstellung. Die vergleichsweise wenigen Untersuchungen zur Häufigkeit von Komplikationen in der operativen Strabismus- Behandlung zeigen deutlich streuende Zahlen. Besonders ältere Berichte mit schweren Komplikationen (wie z. B. Bulbusperforation) in 10% des Krankenguts erscheinen nach heutigen Gesichtspunkten inakzeptabel. Durch Erhebung aktueller Daten sollen die Reduktion der Komplikationsrate und deren Gründe untersucht werden.

Methode: Eine Literaturübersicht der 60er und 70er Jahre über ernste Komplikationen wird Daten seit 1990 gegenübergestellt. Eigene Umfragen erfolgten in den Jahren 1971 (8 Kliniken) und 1994 (23 Kliniken). Die Entwicklung hin zu gleichwertigen, jedoch schonenderen Operationsverfahren (Faltung statt Resektion, Gürtelfaden-OP statt Fadenoperation) wird aufgezeigt. Besondere Instrumente werden vorgestellt. Die Reduktion von Fadengranulomen zeigt die Bedeutung des gewählten Nahtmaterials.

Ergebnisse: Verbesserte Instrumente, gefäßschonende OP-Techniken (Faltung, Gürtelfaden-OP) und die Einrichtung von Spezialabteilungen haben zur Senkung der Rate ernster Komplikationen auf unter 1: 1000 operierter Augen geführt.


34. Die Beeinflussung von postoperativem Schmerz und Erbrechen nach Strabismusoperationen durch perioperative Applikation von Pharmaka

T. Schmidt, E. Fischer, M. Klopfer, K.-P. Leipert (München)

Hintergrund. Erbrechen und Schmerzen sind häufige Begleiterscheinungen nach Strabismusoperationen und können das subjektive Befinden der vorwiegend kindlichen Patienten erheblich beeinträchtigen. Ursache des Erbrechens ist wahrscheinlich ein vagaler Reiz durch den intraoperativ notwendigen Zug am Augenmuskel. Meist wird das Problem der schlechten postoperativen Befindlichkeit auf den Anaesthesisten abgeschoben. Wir setzten uns zum Ziel, Möglichkeiten zu finden, durch perioperative lokale Applikation von Pharmaka die postoperative Empfindlichkeit, insbesondere die Quantität postoperativen Erbrechens unabhängig von der Narkoseführung zu beeinflussen.

Patienten und Methode: Wir bildeten folgende Gruppen von jeweils 30 Patienten, bei denen unausgewählt Strabismusoperationen unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrades durchgeführt wurden:

  1. Perioperative Subtenon- Anästhesie nach Eröffnung des Tenonschen Raums mit Mepivacain 2%, zusätzliche Gabe von Diclofenac- Augentropfen.
  2. Perioperative Gabe von Diclofenac- Augentropfen allein.
  3. Perioperative Gabe von Fluorometholon- Augentropfen.
Die Operationen wurden in standardisierter Intubationsnarkose mit konstanter Prämedikation und gleicher systemischer postoperativer Analgesie durchgeführt. Am ersten postoperativen Tag wurden die Patienten nach Häufigkeit des Erbrechens, sowie Intensität der Schmerzen nach Schmerzskala (0-3) befragt.

Ergebnisse: Was den postoperativen Schmerz betrifft, läßt sich keine unterschiedliche Tendenz zwischen den 3 Gruppen erkennen. Die Gruppe mit Subtenon- Anästhesie zeigt tendenzmäßig geringeres postoperatives Erbrechen.

Schlußfolgerung: Die zusätzliche Subtenon- Anästhesie senkt die Rate postoperativen Erbrechens, wahrscheinlich über eine Blockade der Muskeldehnungsrezeptoren. Mit diesem Verfahren ist man von der Narkoseführung relativ unabhängig, was die postoperative Befindlichkeit der Patienten betrifft.


35. Zur Inzidenz des postoperativen Erbrechens bei Schieloperationen im Kindesalter - Einfluß von Eingriffsart und prophylaktische Möglichkeiten

L Welters, M. Gräf, T. Menges, C Beikirch, H. Otto, G. Hempelmann, H. Kaufinann (Gießen)

Fragestellung: Die Inzidenz von postoperativem Erbrechen nach Schieloperationen bei Kindern wird mit bis zu 88% angegeben. Dimenhydrinat wird seit langem in der Behandlung von Kinetosen eingesetzt. Die Wirksamkeit von Antihistaminika in der Prophylaxe und Therapie des postoperativen Erbrechens ist durch kontrollierte Studien bislang jedoch nur unzureichend belegt (1). Bisherige Studien ließen die Art des Eingriffes - Fadenoperation bzw. kombinierte Konvergenz-Operation - unberücksichtigt.

Methodik: Zur Ermittlung der Inzidenz des postoperativen Erbrechens in unserem Zentrum wurden 200 Schieloperationen bei Kindern, darunter 59 Fadenoperationen und 141 kombinierte Konvergenz-Operationen mit und ohne zusätzlichem Eingriff an schrägen Augenmuskeln retrospektiv ausgewertet. In Form einer prospektiv randomisierten doppelblind durchgeführten Studie wurde die Wirksamkeit der rektalen Applikation von 1,83 mg/kg KG Dimenhydrinat präoperativ auf die Inzidenz des postoperativen Erbrechens bei 101 Kindern im Alter von 4 bis 10 Jahren, die sich elektiv einer Fadenoperation unterzogen, untersucht.

Ergebnisse: Bei Kindern, die sich einer Fadenoperation unterzogen, traten postoperative Übelkeit und Erbrechen signifikant häufiger auf, als nach kombinierten Konvergenz-Operationen (71% versus 29%). Dabei war bei kombinierten Konvergenz-Operationen die Anzahl der operierten Muskeln bzw. die Operation an einem oder beiden Augen ohne Einfluß auf die Inzidenz des Erbrechens. Die prophylaktische Gabe von Dimenhydrinat- Suppositorien blieb ohne Auswirkung auf die Häufigkeit des postoperativen Erbrechens (66,7% versus 68%).

Diskussion: Patienten, bei denen eine Fadenoperation durchgeführt werden soll, stellen eine Hochrisikogruppe für das Auftreten von postoperativer Übelkeit und Erbrechen dar. Bislang durchgeführte Untersuchungen konnten eine Reduktion des postoperativen Erbrechens um mehr als 50 Prozent bei intravenöser Gabe von 0,5 mg/kg Körpergewicht Dimenhydrinat bei Narkoseeinleitung nachweisen (2). In unserer Untersuchung gelang es nicht, die Inzidenz des Erbrechens durch die prophylaktische Gabe von Dimenhydrinat- Suppositorien zu senken. Ursache hierfür könnte eine unzureichende Bioverfügbarkeit von Dimenhydrinat nach rektaler Applikation sein. Ferner stellt die Fadenoperation nach den Ergebnissen der retrospektiven Erhebung einen stärkeren emetogenen Reiz dar als andere Eingriffe an den Augenmuskeln.

Literatur.

(1) Koller C, Jakob W, Hörauf K. Postoperatives Erbrechen. Pathophysiologie, Inzidenz und Prophylaxe. Anästh Intensivmed 1994; 35:137-143

(2) Vener DF, Carr AS, Sikich N, Bissonnette B, Lerman J. Dimenhydrinate decreases vomiting after strabismus surgery in children. Anesth Analg 1996;82:728-731


36. Änderung der subjektiven Zyklodeviation und der objektiven Zykloposition nach modifizierter Harada- Ito- Operation bei erworbener Trochlearisparese

H. D. Schworm, S. Horstmann, T. Ring, K-P. Boergen (München)

Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke Verlag.


37. Messungen zum Einfluß von Brillengläsern auf die Bestimmung des Schielwinkels mit Purkinje-Reflexen und mit dem Prismen-Abdecktest

J. C Barry, A. Backes (Aachen)

Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke Verlag.


38. Validierung kinderärztlicher Sehtests

A. Hohmann, W. Rüssmann, F. A. Kaszli (Köln)

Der derzeitige Stand des U8- Sehscreenings ist unbefriedigend und in vielerlei Hinsicht verbesserungsbedürftig. In den primärärztlichen Praxen werden Bildersehzeichen (A), das Rodenstock- Gerät mit Scheibe 140 (B) oder der H-Test (C) zum Screenen auf Sehfehler eingesetzt.

Patienten: In der vorliegenden Studie wurden U8-Kinder (N = 303) rekrutiert, die von Kölner Kinderärzten zur Nachuntersuchung durch die Studiengruppe in die Augenklinik überwiesen wurden. Die Kinder erhielten einen kompletten ophthalmologischen Befund (Goldstandard). Aus dem Vergleich der Daten wurden Sensitivität und Spezifität der benutzten Verfahren unter Feldbedingungen berechnet.

Ergebnisse: Mit den Sehtestverfahren A und B kann keine exakte Evaluation bzw. nur sehr geringe Sensitivität erreicht werden, daher müssen diese Verfahren abgelehnt werden. Verfahren C ist in der Lage, Abhilfe aus der unbefriedigenden Screening-Situation zu schaffen. Es wird außerdem die Heterogenität der Diagnose und Therapieansätze der niedergelassenen Augenärzte deutlich.

Schlußfolgerung: Von Primär- und Fachärzten sollte ein einheitlicher Sehtest benutzt werden. Kinderärzte sollten trainiert werden, um ihrer Aufgabe des frühzeitigen Amblyopiescreenings besser gerecht werden zu können.


39. Reizauftauchen, -wahrnehmen, -erkennen, objektiviert im Spiegel der Okulomotorik

H. F. Piper (Lübeck)

Hintergrund: Ohm, Goldmann sowie Rieken wählten ein motorisches Äquivalent, um die Auftauchschwelle eines Reizes zu objektivieren: Einerseits die Auslösung einer Blickfolgebewegung oder eines optokinetischen Nystagmus, andererseits die Hemmung dieser motorischen Funktionen durch stationäre Reize. Lavergne beschrieb ein Stufenverfahren der Lichtsinnprüfung. Die Dunkel- Hell- Anpassung wurde unter adäquater Aufgabenstellung abgetastet: Unstrukturiertes Reizfeld - dessen Streifengliederung und Blendanfälligkeit - Leseprobe. Die hier beschriebene Methode lehnt sich an diese Vorbilder an, verknüpft sie aber so, daß zueinander passende sensorische und motorische Funktionen sich gegenseitig bestätigen. Im Bereich einer globalen Adaptationsschaltung wird nacheinander eine passive (optokinetischer Nystagmus, Blickzentrierung) und dann im Übergang zur Helladaptationsschaltung eine aktive (Sakkaden, Zählbewegungen) Motorik abgerufen.

Methode: Das Projektionsadaptometer von Rieken- Meesmann wurde mit größen- und formangepaßten Reizmustern ausgerüstet: bewegte Streifenfläche - ruhende Marke - zwei Zielpunkte - Punktreihe. Die Augenbewegungen wurden elektrookulographisch aufgezeichnet. Das zunächst dunkelangepaßte Auge wurde am Adaptometer allmählich in den Tageshelligkeitsbereich überführt und die skotopische, die mesopische und die photopische Schwelle mit der bewegten Streifenfläche ermittelt. In das Band der Dunkel-Hell-Adaptation wurden Symbole eingetragen, welche das Auftauchen von optokinetischem Nystagmus, von Blickzentrierung, Zielbewegungen und Lesesprüngen darstellten. Es wurden sowohl normale Probanden als auch Patienten untersucht.

Ergebnis: Je nach Krankheitsbild setzten die motorischen Funktionen bei verschiedenen Adaptationszuständen ein. Bei Schielamblyopie zeigte sich ein charakteristisches Verhalten (ausführliche Darstellung s. Piper und Durchschlag, 1956).

Bedeutung: Die Methode vermittelt einen Überblick darüber, wie sich die globale und spezielle Raumorientierung vollzieht und erweitert unser Verständnis über das Wesen der Amblyopie.

Literatur.

Goldmann H. Objektive Sehschärfenbestimrnung. Ophthalmologica 1943; 105:240-249
Lavergne MG. Die Sehfähigkeit der Automobillenker bei Nacht. Bull Soc belg Ophthal 1955; 108:3-19
Ohm L Entwicklung einer Methode objektiver Sehschärfenbestimmung auf der Grundlage des optokinetischen Nystagmus. Stuttgart: Enke 1947
Piper HF. Simultane Untersuchung sensorischer und motorischer Schwellen, geprüft an kinetisch wirksamen Reizmustem. In: Functional examinations in Ophthahnology. Hrsg. J. François. Basel: Karger 1974:290-295
Piper HF, Durchschlag G. Gesichtssinnprüfung in Funktionsstufen. Ber. 60. Zusamenk. Dtsch. Ophthalmol. Ges. 15-18, München: Bergmann 1956 Rieken H. Ein Verfahren zur objektiven Prüfung des Dämmerungssehens. Albrecht von Graefes Arch 1942; 145:1-31


40. Dekorrelierte Random-Dot-Stereogramme

E. H. Roth (Düsseldorf)

Die Messung des Stereo- Auflösungsvermögens mit Random- Dot- Stereogrammen ist Äquivalent zur Messung mit kontrastreichen Stereo-Bildpaaren.
Random-Dot-Stereogramme sind synthetisch und somit einfacher mit Computern zu erzeugen und je nach gewünschten Stereo- und Formparametern auf Monitoren sofort darstellbar. Wir untersuchten Probanden mit vollem Stereosehen (Eingangsvoraussetzung: Titmus-Ringe 1-9 erkannt) an einem selbst entwickelten Test mit dekorrelierten Random-Dot-Stereograrnmen. An einem haploskopischen Versuchsaufbau mit Prismen als Trenner vor einem Monitor wurden den Probanden Random-Dot-Stereogramme mit sechs einfachen geometrischen Figuren (Kreisscheibe, Quadrat, gleichzeitiges Dreieck mit Basis oder mit Spitze nach unten, senkrechter und waagerechter Balken) wahlweise angeboten. Die Dekorrelation der Bilder besteht darin, daß über eine Prozentzahl einstellbar eine Anzahl von Punkten im zweiten Bild nicht mit dem Stereo-Partner übereinstimmt. Die zu erkennenden Figuren werden so auch für den voll Stereotauglichen vernebelt, so daß sie schließlich nicht mehr erkannt werden können.
Je nach Figur und Querdisparität ergibt sich eine Dekorrelations- Schwelle nicht mehr erkennbarer Symbole bei 15-25%. Die Fähigkeit die Figur bei größter Vernebelung doch noch zu erkennen, läßt sich trotz eines reproduzierbaren forced-choice-Protokolls durch Üben der Probanden deutlich steigern. Die Fähigkeit dekorrelierte Stereogramme zu erkennen liegt bei vollem Stereosehen bei Patienten mit Glaukom deutlich niedriger. Untersucht wird somit mit unserem Test die retinale Funktion.


41. Sehschärfe als Funktionsprüfung bei Amblyopie und als Methode zur Differentialdiagnose - 15 Jahre Erfahrung mit einem crowding- Test

B. Schmal, B. Liedtke, W. Haase (Hamburg)

Problemstellung: Bei amblyopen Augen findet sich eine stärkere Visusreduktion für Reihensehzeichen als für Einzeloptotypen. Seit 15 Jahren wird ein Sehschärfetest zur Prüfung des crowding- Phänomens (C-Test) eingesetzt. Wir haben rückblickend die Visuswerte von 344 Amblyopiepatienten ausgewertet. Methode: Es wurde bei allen Patienten die Sehschärfe mit dem C-Test oder einem nach dem gleichen Prinzip entwickelten Visustest mit Computerhilfe/Monitor bestimmt. In der klinischen Praxis wurde der crowding- Test fast nur in der Nähe ausgeführt und die Sehschärfe für Reihen- und Einzeloptotypen nur für die Nähe ausgewertet. Ergebnisse: Bei insgesamt 344 Amblyopiepatienten (eingeteilt in 4 Altersgruppen) wurden die Sehschärfe bei Behandlungsbeginn und die Sehschärfe nach erfolgter Therapie miteinander verglichen, sowie Mittelwerte und Visusstufendifferenzen ermittelt. Patienten ab dem 7. Lebensjahr zeigten für Einzeloptotypen einen Visus von 0,44 und für Reihensehzeichen von 0,20 auf der amblyopen Seite. Nach der Therapie und Beobachtungszeit von etwa 40 Monaten stieg die Sehschärfe auf 0,74 für Einzelsehzeichen und 0,44 für Reihenoptotypen an.
Die Ergebnisse verdeutlichen die Wichtigkeit eines Sehtestes zur Bestimmung des crowding- Phänomens im Rahmen der Diagnostik und der Behandlung von Amblyopien.


42. Gittersehschärfenentwicklung phaker Augen bei einseitig kongenitalen Katarakten

E. Schulz, C Schöffler, C Braemer (Hamburg)

Problemstellung: Führungsaugen von Patienten mit Strabismus und Anisometropie- Amblyopie unterscheiden sich von denen normaler Probanden in verschiedenen Aspekten visueller Funktion. Untersuchungen bei einseitigen Deprivationsamblyopien im präverbalen Alter sind bisher kaum vorhanden. Die Gittersehschärfenbestimmung ist eine übliche Methode für Verlaufskontrollen der pleoptischen Behandlung einseitig kongenitaler Katarakte. Frühere Normwerte der Hersteller mußten besonders für die jüngeren Altersgruppen für das eigene Labor nach oben korrigiert werden. Neue Normkurven wurden vor kurzem publiziert. Es stellt sich die Frage, inwieweit für klinische Untersuchungsbedingungen andere Normbereiche gelten und inwieweit sich Führungsaugen von Patienten unter Therapie in ihrer visuellen Entwicklung einordnen.

Methoden: Gittersehschärfenbestimmung mit den Teller- Acuity- Cards wurde bei üblichen klinischen Kontrolluntersuchungen bei 66 Kindern im Alter von 3-36 Monaten, die wegen einer kongenitalen Katarakt innerhalb der ersten Lebensmonate operiert wurden, gemacht. Alle Kinder standen unter Okklusionstherapie mit einer üblichen Okklusionszeit von 4-5 Stunden während des ersten Lebensjahres täglich. Im zweiten Lebensjahr ganztägig jeden zweiten Tag. Die Okklusion wurde mindestens eine Stunde vor Bestimmung der Gittersehschärfe ausgesetzt.

Ergebnisse: Die mittlere Sehschärfe der phaken Augen war innerhalb des ersten Lebensjahres gering, im zweiten Lebensjahr etwas deutlicher unter der mittleren Sehschärfe gesunder Kinder und identisch ab dritten Lebensjahr.

Schlußfolgerung: Phake Augen von Kindern mit operierter einseitiger Katarakt zeigen eine gering retardierte Visusentwicklung für Gitter innerhalb der ersten zwei Lebensjahre. Ab dritten Lebensjahr zeigen sich keine Unterschiede zur normalen Altersgruppe. Da die Altersnorm ab 24. Lebensmonat erreicht wird, sind grundlegende amblyopiebedingte Unterschiede unwahrscheinlich, Therapieeffekte (Okklusion) wohl eher verantwortlich zu machen.


43. Handrefraktometer und Keratometer in der strabologischen Praxis

B. Schmal, S. Posselt, E., Schulz, R. Berger (Hamburg)

Problemstellung: Autorefraktometer sind in Allgemeinophthalmologie und bei Erwachsenen verbreitet zur Refraktionsbestimmung. Der strabologisch- und kinderophthalmologische Bereich ist eine Domäne der Skiaskopie. Inwieweit ein handgehaltenes Refraktometer - neuerdings verbunden mit Keratometer - die Skiaskopie ersetzen und ergänzen kann, wird untersucht.

Methode: Patienten aller Attersgruppen, besonders Kinder, mit einem breiten Spektrum von Refraktionsanomalien, ggf. auch Irregularitäten und Trübungen der brechenden Medien, wurden mit und ohne Cycloplegie refraktometriert und skiaskopiert. Die Werte, ggf. ergänzt durch die des subjektiven Abgleiches, wurden bezüglich Sphäre, Zylinder und Zylinderachslage verglichen. Für die Keratometerwerte wurden Vergleichsmessungen mit dem ZEISS- Ophthalmometer soweit möglich durchgeführt. Die Verläßlichkeitskoeffizienten des Gerätes werden u. a. auch untersucherbezogen ausgewertet.

Ergebnisse: Bei unruhigen Kleinkindern sind weniger häufig Meßergebnisse erhältlich. Keratometerwerte davon seltener als Refraktometerwerte. Die Verläßlichkeit scheint untersucherabhängig zu sein. Größere Streuung und Abweichungen der Refraktionswerte scheinen auf jüngere Altersgruppen, Medientrübungen, irreguläre Brechungsfehler konzentriert zu sein. Refraktometrische Meßwerte werden u. U. auch bei Medientrübung erzielt, bei denen die Skiaskopie kaum möglich ist. Die Meßwerte werden statistisch ausgewertet.


44. Erfahrungen mit dem handgehaltenen Autorefraktometer Nikon Retinomax

W. Wesemann (Köln), B. Dick (Mainz)

Die objektive Bestimmung der Refraktionswerte mit einem normalen Autorefraktometer kann bei Kindern problematisch oder unmöglich sein, wenn die Kinder zu klein oder behindert sind oder Abwehrreaktionen zeigen. Mit dem kompakten, handgehaltenen Nikon Retinomax gelingt die Autorefraktometermessung auch bei vielen dieser Problempatienten.
Der Vortrag berichtet über praktische Erfahrungen hinsichtlich der Anwendbarkeit und beschäftigt sich mit der Frage, ob, infolge der kompakten Bauweise, mit Abstrichen bei der Meßgenauigkeit gerechnet werden muß.
Die Meßgenauigkeit des Nikon Retinomax wurde erstens bei augengesunden jungen Erwachsenen (100 Augen) ermittelt. In dieser Gruppe wurden die Autorefraktometerwerte mit den Ergebnissen der subjektiven Refraktion verglichen und der Einfluß der geräteinternen Akkommodationsentspannung untersucht.
Bei der zweiten Gruppe handelte es sich um Kinder im Alter zwischen 2 und 10 Jahren (80 Augen). Diese Messungen wurden in Cycloplegie durchgeführt. Hier dienten sowohl die Skiaskopie als auch andere herkömmliche Autorefraktometer als Vergleichsmaßstab. Bei den augengesunden Erwachsenen lagen die Abweichungen vom sphärischen Aquivalent der subj. Refraktion in 88% aller Fälle im Intervall Autorefraktometerergebnis um ca. 0,28 dpt nach "plus" verschoben. Die Zylinderstärke war in 95% aller Fälle auf ± 0,5 dpt genau. Das Retinomax ist bezüglich dieser Parameter mit der Meßgenauigkeit der herkömmlichen Tischgeräte vergleichbar. Die Zuverlässigkeit der Achsenangaben war etwas geringer. Bei den untersuchten Kindern zeigte sich, daß auch in den Fällen, in denen die Messung mit herkömmlichen Autorefraktometern nicht möglich war, eine objektive Refraktionsbestimmung durchgeführt werden konnte.


45. Ergebnisse der Pola-Test-Studie

H. J. Simonsz (Rotterdam)

In der Studie wurden Patienten, die unter asthenopischen Beschwerden litten, mit Prismenbrillen behandelt: diese wurde sowohl mit dem Pola- Test- Verfahren als auch mit konventioneller orthoptischer Untersuchung bestimmt.

Methodik: Innerhalb von 2 Jahren wurden in 10 Städten der Niederlande 80 Patienten rekrutiert und von 10 Untersucherpaaren (Orthoptistin und Optometristen, 0/0) behandelt. Wenn ein Patient asthenopische Beschwerden äußerte, füllte er einen Fragenbogen aus. Bei hohen Asthenopie- Punktewerten nahm er an der Studie teil. Einschlußkriterien waren: Alter 18 bis 40 Jahre, zuvor keine Multi- oder Bifokalbrille, keine Presbyopie, Schielwinkel < 4' horizontal und < 1,7' vertikal bei Fern- und Nahblick mit optimaler Korrektion, Visus > 0,8 (max. 1 Zeile Seitendifferenz), sphärisches Äquivalent + 2,5 bis - 3,5 (max. 1 Dioptrie Diff.), Zylinder < 1,5 Dioptrien, keine schrägen Achsen, Stereopsis >120', zuvor keine falsche Brille, keine Augenerkrankung, keine Medikation oder Drogen, kein neurologisches oder psychiatrisches Leiden. Der erste Untersucher des 0/0-Paares faxte sein Rezept der Prismenbrille nach Essilor und schickte den Patienten zum anderen Untersucher des 0/0-Paares, der sein Rezept auch nach Essilor sandte. Die Gläser wurden dort von einem unabhängigen Studien-Optometristen montiert, der nicht wußte, wer welche Gläser verschrieben hatte. Die Brillen wurden dem Patienten nacheinander zugeschickt.

Ergebnisse: Die Optometristen rekrutierten die meisten Patienten. Die Mehrzahl waren Frauen. In den Wochen 0, 3 und 6 füllte der Patient je einen Fragenbogen aus, mit dem er die asthenopischen Beschwerden bewertete, danach schickte er die Gläser wieder zu Essilor zurück. Zwei Wochen später bekam er die zweite Brillenkorrektion und füllte wieder in den Wochen 0, 3 und 6 die Fragenbögen aus. Eine Kontaktaufnahme zwischen dem Patienten und dem 0/0-Paar war in dem 14wöchigen Zeitraum strengstens verboten. Probleme, z. B. mit dem Gestell, wurden von dem Studien-Optometristen gelöst.

Schlußfolgerung: Die zwischenzeitlichen Analysen zeigen bereits Unterschiede zwischen beiden Therapiegruppen: beide Brillen besserten zwar die initialen Beschwerden (Differenz zwischen den Wochen 0 und 3), aber nur in einer Therapiegruppe kehrten die Beschwerden innerhalb der ersten 6 Wochen teilweise zurück. Welche Therapiemethode bei Asthenopien wirklich besser ist, wird entsprechend des Studienprotokolls erst nach dem Empfang der letzten Fragebögen Juli 1997 feststehen.