Zusammenfassungen der Beiträge
6. Tagung der Bielschowsky-Gesellschaft für
Schielforschung, 29.-31. August 1997 in Gießen
siehe auch: Klin Monatsbl Augenheikd
4, Band 212, April 1998, Enke Verlag.
1 Experimentelle Amblyopieforschung und ihre klinische Anwendung
G.K von Noorden (Longboat Key)
Referat; kein Abstrakt
2 Levodopa- Therapie bei Amblyopie des letzten Auges im Erwachsenenalter
E. Schulz (Hamburg)
Fragestellung: Neuere medikamentös- therapeutische
Konzepte der Amblyopie-Therapie folgen den Vorstellungen, die
neuronalen Verknüpfungen des amblyopen Auges im Sehsystem
zu verbessern durch Gabe von neurotransmitterähnlichen Substanzen.
Einzelberichte hegen vor für den klinischen Einsatz von Cytocholine
bei Kindern, ebenso über Levodopa. Zu letzterem wird u. a.
in einzelnen Fällen und nach sehr kurzfristiger Gabe über
Reduktion von Zentralskotomen amblyoper Augen des Erwachsenenalters
berichtet. Langzeitergebnisse und kontrollierte prospektive klinische
Studien im eigentlichen Sinne liegen nicht vor. Dies rechtfertigt
Behandlungsversuche in ausgesuchten Einzelfällen und diesbezügliche
Berichte.
Fallbericht: Ein 60jähriger Patient verlor durch einen
Zentralarterienverschluß das Sehvermögen seines nicht
amblyopen Auges bis zu einer Funktion von Fingerzählen in
1 m. Das andere Auge hatte eine Anisohyperopie- Amblyopie mit
exzentrischer Fixation und einer Sehschärfe von 0,2 Einzeloptotypen.
Es bestanden hochgradige Trennschwierigkeiten. Der Patient beschrieb
alle Phänomene der visuellen Wahrnehmung hochgradig amblyoper
Augen wie Kontrastminderung, Farbstörung, Dystorsion und
monokulare Konkurrenz unterschiedlicher Bildlokalisation und -qualitäten.
Eine 3wöchige pleoptische Übungsbehandlung brachte keinerlei
meßbaren oder wesentlich subjektiven Behandlungsgewinn.
Nach einem halbjährlichen Intervall wurde auf Wunsch des
Patienten eine Levodopa- Therapie eingeleitet für 1 Woche
unter klinischen Bedingungen und unter ambulanten Bedingungen
und Kontrollen weitere drei Wochen fortgesetzt. Funktionelle Parameter
wie Visus, Zentralskotom, Gittersehschärfe, VECP-Latenzen
usw. zeigten keine Änderungen unter oder nach der Therapie.
Schlußfolgerung: Mit vergleichbaren Dosen von Levodopa
konnten hier im Einzelfall die in der Literatur berichteten positiven
Effekte auf die Sehfunktion amblyoper Augen nicht erzielt werden.
3 Die Ausschleichokklusion als zweckmäßige Behandlung
der Schielamblyopie
J. Lang (Zürich)
Die Therapie der Wahl bei Schielamblyopie ist Atropinisation und/oder
die faziale Okklusion. Das Ziel der Behandlung ist ein seitengleicher
Visus und eine gleich gute Lesefähigkeit auf jedem Auge.
Dieses Ziel kann erreicht werden durch eine alternierende Ausschleichokklusion
mit Sichtfolien auf der Brille während der ersten Schulklassen.
Das Wechseln des Sichtokklusivs morgens auf das andere Brillenglas
mit gleichzeitiger Reinigung desselben ist für die Mutter
weder kompliziert noch aufwendig. Die Eltern verstehen den Sinn
dieser Maßnahme gut, der Fortschritt wird durch Abschwächung
der Folien über 8 Stufen demonstriert. Das Kind ist funktionell
nicht einäugig und der Aspekt ist nicht zu sehr beeinträchtigt.
Das Tragen der Folie ist kontrollierbar. Die Behandlung funktioniert
nur wenn eine Brille getragen wird, sie ist selbststeuernd und
führt zuletzt zu einem Fixationswechsel mit dem Sichtokklusiv
von 1,0 als gleichzeitiges Heilungskriterium. Es wird über
Erfahrungen mit der Ausschleichokklusion während mehr als
25 Jahren berichtet.
4. Wie gut ist die physiologische Sehschärfe bei 20- bis
30-Jährigen?
W. Haase, S. Hautzinger (Hamburg)
Ziel der Studie war es, die physiologische Sehschärfe, nicht
die epidemiologisch mittlere Sehschärfe einer Gruppe junger
Erwachsener zu bestimmen. Ein Mittelwert unter Ausschluß
aller Probanden mit Augenanomalien oder Erkrankungen kann als
Referenzwert der Altersgruppe ( = 100%) dienen.
Methodik und Probanden: Bei 63 Personen im Alter von 20
bis 30 Jahren ohne Erkrankungen auf ophthalmologischem oder neurologischem
Gebiet - erlaubt war korrigierte Ametropie bis 5D sphärisch
oder sphärisches Äquivalent oder 2D zylindrisch wurde
die Sehschärfe in der Ferne (5 m) für Einzel- sowie
für Reihenlandoltringe (C-Test 2,6' Separation nach DIN 58220)
geprüft.
Ergebnisse: Der geometrische Mittelwert der Sehschärfe
für Einzeloptotypen beträgt 1,64 mit einer Standardabweichung
(SD) von 0,79 Visusstufen. Der Wert für Reihenlandoltringe
beträgt 1,45, die SD 0,89 Stufen. Die Sehschärfe für
Einzellandoltringe ist signifikant besser (etwa eine halbe Visusstufe)
als die Sehschärfe für Reihenlandoltringe.
Diskussion: Die Bandbreite des Visus reichte bei dieser
Gruppe visuell gesunder Personen von 1,0 (1 x) bis Visus 2,5 (2
x) für Einzelsehzeichen und von 0,8 (2 x) bis 2,0 (6 x) für
Reihensehzeichen. Man muß diese Verteilung angesichts fehlender
erkannter Ursachen für eine Visusminderung als physiologische
Streuung akzeptieren, obwohl sie sich über insgesamt 4 Stufen
erstreckt! Der Mittelwert für Einzelzeichen ist in guter
Übereinstimmung mit demjenigen von Frisen u. Frisen 1981.
5. Visus und Refraktionsentwicklung nach Hartlinsenversorgung
bei friihkindlicher Aphakie
M. Klüppel, J. Haußer, R. Sundmacher (Düsseldorf)
Frühkindliche Aphakien erfordern einen optimalen Refraktionsausgleich,
um einer Amblyopie entgegenwirken zu können. Die intraokulare
Linsenimplantation macht erst in einem Alter Sinn, in dem die
wachstumsbedingte Refraktionsentwicklung nicht mehr rapide verläuft.
Vor diesem Zeitpunkt bietet eine Kontaktlinsenversorgung die weit
bessere, weil flexiblere Korrektur. Meist werden Weichlinsen verwendet,
da harte Kontaktlinsen (hKL) als in diesem Alter zu schwierig
eingeschätzt werden. Der Vorteil gut angepaßter hKL
ist jedoch deren bessere Abbildungsqualität und der geringere
auf die Hornhaut ausgeübte metabolische Streß. Unsere
Visusergebnisse sollen den Stellenwert der Hartlinsenversorgung
bei Aphakien Neugeborener und Kleinkinder aufzeigen. Ferner soll
die Refraktionsentwicklung in den ersten Lebensjahren dargestellt
werden.
Patienten: 41 Kinder wurden seit 1987 mit einer hKL versorgt.
Sie wurden je nach Prognose in verschiedene Gruppen eingeteilt:
Die Gruppe I mit der besten Prognose bestand aus 14 bilateral
aphaken Patienten ohne zusätzliche Augenerkrankungen. In
Gruppe 11 waren 9 Patienten mit "früh" operierter monolateraler
Aphakie. Zu Gruppe III gehörten 7 monolaterale Aphakien mit
"später" Operation nach dem ersten Lebensjahr. 11 Patienten
mit zusätzlichen Augenerkrankungen bildeten Gruppe IV mit
der schlechtesten Prognose. Visusergebnisse und Refraktionsentwicklung
wurden ausgewertet.
Ergebnisse: Die hKL wurden sehr gut vertragen. In Gruppe
I wurden mit Sehschärfen bis 0,9 wie erwartet die besten
Visusergebnisse erzielt. Bei einseitiger Aphakie erreichte die
Sehschärfe bei "frühzeitiger" Operation bisher maximal
0,5 (Gruppe II), bei "später" Operation lediglich 0,3 (Gruppe
III). In Gruppe IV limitierten Mikrophthalmus, PHPV und ROP die
Visusergebnisse auf maximal 0,1. Die Refraktionsentwicklung zeigte
eine steile asymptotische Abnahme der Hyperopie innerhalb der
ersten drei Lebensjahre, so daß die hKL sehr häufig
neu angepaßt werden mußten.
Schlußfolgerung: hKL bieten eine optimale Aphakiekorrektur
bei Neugeborenen und Kleinkindern. "Späte" Operation mit
bereits ausgebildeter Amblyopie und zusätzliche Augenerkrankungen
limitieren die Visusergebnisse. Der steile Rückgang der Hyperopie
in den ersten drei Lebensjahren ist ein wichtiges Argument gegen
eine primäre Linsenimplantation in dieser Lebensperiode.
6. Wiedergewinnung der fovealen Fixation nach submakulärer
Chirurgie durch Schulungsbehandlung
U. Eckardt, G. Rabetge, C Eckardt (Frankfurt Hoechst)
Einleitung: Die chirurgische Behandlung der altersbedingten
feuchten Makuladegeneration wird in den letzten Jahren zunehmend
häufiger durchgeführt. Trotz der guten anatomischen
Ergebnisse sind die Visusergebnisse häufig enttäuschend.
Zumeist kommt es nicht zu einem spontanen Wiedergewinn der Lesefähigkeit
und der visuellen Orientierung. Ziel der vorliegenden Arbeit war
es zu zeigen, daß es, mit Hilfe einer Schulungsmethode möglich
ist, intakte zentrale Netzhautfunktionen nach submakulärer
Chirurgie wieder physiologisch nutzbar zu machen.
Material und Methode: Eingang in die Studie fanden insgesamt
38 Patienten (Alter: 57 bis 85 Jahre) mit ursprünglich beidseitiger
feuchter Makuladegeneration. Bei allen Patienten wurde die Vitrektomie
mit Entfernung der submakulären Membran am zuletzt betroffenen
Auge durchgeführt. Bei einem Patienten wurde zusätzlich
zur Membranentfernung eine Makularotation um ca. 50' nach oben
durchgeführt. Sechzehn Patienten nahmen an der Schulung teil
und 22 Patienten wurden lediglich kontrolliert. Der Zeitraum der
Schulung war unterschiedlich und erstreckte sich in der Regel
über 1 Jahr. Geschult wurde zunächst nur monokular das
operierte Auge. Das andere, häufig schon seit Jahren schlechtere
Auge wurde in der Regel okkuldiert, um binokularen Wettstreit
zu verhindern. Die Übungen gliederten sich in zwei Abschnitte:
1. Wiedererlangung visueller Orientierung (Fovea als Bezugsort
für Blickzielbewegungen). 2. Wiedergewinn gleitender Folgebewegungen
als Voraussetzungen zum Lesen. Ergebnisse: Vor Schulung lag der
Fern- und Nahvisus bis auf eine Ausnahme zwischen 1/50 und 0,3
für Reihen. Nach mehr als jeweils 30 Übungsbehandlungen
für Nähe und Ferne zeigte sich bei 11 von 15 Patienten
ein sicherer Wiedergewinn der visuellen Orientierung mit zentraler
Ausrichtung des Auges bei Fixationsanforderung. Der Femvisus in
5 m verbesserte sich nach Schulung für Einzeloptotypen im
Mittel um 2 Visusstufen auf bis zu 0,8 und für Reihen auf
bis zu 0,5. Sechs der 15 Patienten konnten mit normaler Nahaddition
selbst kleine Zeitungsschrift lesen, die übrigen 8 Patienten
immerhin Bücher in Großdruckschrift. Allein der Patient,
bei dem eine Makularotation durchgeführt worden war, erzielte
bereits nach 2 Wochen Schulung einen Nahvisus von 0,8 und konnte
in 1 Meter fließend bis zu 1,0 Zahlenreihe lesen. Bei den
22 nicht geschulten Patienten besserte sich innerhalb des Untersuchungszeitraums
weder der Fern- noch der Nahvisus und betrug in der Mehrzahl 0,1
bis 0,2 exzentrisch. Nur 3 Patienten waren in der Lage Zeitungsschrift
oder Bücher in Großdruck ohne vergrößernde
Sehhilfen zu lesen. Schlußfolgerung: Unsere Ergebnisse zeigen,
daß es durch gezielte Schulung nach submakulärer Chirurgie
möglich ist, die zentrale Fixation trotz organisch bedingter
Netzhautschäden und funktioneller Skotome wieder nutzbar
zu machen. Damit verbunden ist nicht nur der Wiedergewinn eines
Lesesehens, sondern auch die im Alltag so wichtige visuelle Orientierung
für Ferne wie Nähe.
7. Fixationsverbessernde einseitige Fadenoperation am M. rect.
med. des amblyopen Auges
E. Dannheim-de Decker, W. de Decker (Kiel)
Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke
Verlag.
8. Sehschärfeprüfung nach europäischer Norm: wissenschaftliche
Grundlagen und Möglichkeiten der automatischen Messung
Bach, G. Kommerell (Freiburg)
Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke
Verlag.
9. Objektive Schätzung der Mindestsehschärfe durch Suppression
des optokinetischen Nystagmus
M. Gräf (Gießen)
Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke
Verlag.
10. Folgebewegungen zur Sehschärfenbestimmung bei Neugeborenen
D. Lengyel, I. Gottlob (St. Gallen)
Einleitung: Das Ziel dieser Studie war, den mit Folgebewegungen
und mit Preferential Looking ermittelten Visus von Kindern zu
vergleichen.
Methode: Wir untersuchten 69 gesunde Säuglinge im Alter
von einem Tag bis 20 Wochen. Der Visus der Kinder wurde an demselben
Tag mit zwei Methoden getestet. Die eine erfolgte mittels Aufzeichnung
von Folgebewegungen mit einer Infrarot- Kamera. Als Stimulus wählten
wir ein Quadrat mit vertikalen Streifen (0,1, 0,2, 0,4, 0,8 und
1,6 Zyklen pro Grad). Der Stimulus bewegte sich horizontal in
einer konstanten Geschwindigkeit auf einer grauen Fläche
gleicher Helligkeit. Außerdem wurde der Visus durch einen
zweiten Untersucher mittels Preferential Looking erhoben. Hierbei
verwendeten wir Tafeln mit Streifen (0,1, 0,2, 0,4, 0,8, 1,6 und
3,2 Zyklen pro Grad).
Ergebnisse: Im Vergleich der beiden Methoden zeigte sich
eine hohe Korrelation (p < 0,005). Der mit Folgebewegungen
ermittelte Visus liegt unter den mit Preferential Looking ermittelten
Werten.
Konklusion: Unsere Studie zeigt, daß Folgebewegungen
sich zur Visusbestimmung bei Kindern eignen. Die dabei länger
notwendige Aufmerksamkeit könnte die geringer ausfallenden
Visuswerte im Vergleich zu Preferential Looking erklären.
11. Objektive Sehschärfenschätzung mit Hilfe der visuell
evozierten kortikalen Potentiale durch schnelle Reizmustersequenzen
unterschiedlicher Ortsfrequenz
E. Zrenner, L Isensee, S. Heine (Tübingen)
Es werden Beispiele von Patienten mit unterschiedlicher Genese
einer Visusminderung präsentiert, die mit der von Hajek und
Zrenner entwickelten verbesserten objektiven Visusschätzung
mit Hilfe der visuell evozierten kortikalen Potentiale (VEP) untersucht
wurden (Fortschr Ophthalmol 1988; 85:550-554). Diese Methode wurde
inzwischen von Rüther und Zrenner weiter entwickelt und mit
einem Evaluationsalgorithmus versehen. Auf einem Bildschirm (20
x 30 cm) werden in drei verschiedenen Abständen (60-70 cm,
120-160 cm, 200-240 cm) Schachbrettmuster präsentiert, die
von einem Mustergenerator in schneller Sequenz (300 msec Intervall)
mit verschiedenen Ortsfrequenzen (8 - 0,5 Perioden pro Grad) aus
einem äquiluminanten Hintergrund 40 msec lang aufleuchten
(90% Kontrast). Das VEP wird bei OZ abgeleitet, 10000fach verstärkt
und gefiltert und mit dem Beginn der Sequenz reizsynchron aufsummiert
(Nicolet Spirit). Es ergibt sich eine spindelförmige VEP-Antwort,
die die Kontrastübertragungsfunktion wiederspiegelt. Die
erhaltenen Punkte werden mit einer mathematischen Funktion beschrieben.
Aus der Schnittlinie dieser Funktion mit der Abszisse (Raumfrequenz)
kann der Visus abgeschätzt werden. Der Abstand des Betrachters
vom Monitor wird so gewählt, daß das kleinste Muster
möglichst gerade noch eine kleine Antwort hervorruft.
Es werden Ergebnisse an Patienten präsentiert, die Visusminderungen
durch folgende Ursachen aufwiesen: Aggravation/Simulation, Refraktionsanomalien,
Z.n. Zentralvenenverschluß, Z.n. okulärem Trauma, rechtsseitige
Optikusneuropathie, V.a. auf okuläre Intoxikation, Bulbusperforation,
Zapfendystrophie, periphere retinale Degeneration, Glaukom, AION.
12. Stereosehen: Psychophysik und Elektrophysiologie; Grundlagen
und klinische Anwendungen
W. Skrandies (Gießen)
Horizontale Querdisparität wird im visuellen Kortex in räumliche
Tiefe umgerechnet. Wir untersuchten mit Hilfe von dynamischen
Zufallspunktmuster- Stereogrammen wie hirnelektrische Aktivität
durch Variation der Querdisparität in unterschiedlichen Teilen
des Gesichtsfeldes beeinflußt wird. In mehreren unabhängigen
Studien mit mehr als 75 gesunden Versuchspersonen wurde die stereoskopisch
evozierte Hirnaktivität in bis zu 30 Kanälen registriert.
Komponenten der evozierten Potentiale wurden in Hinsicht auf Latenz,
Amplitude und Topographie bewertet. Stereoskopische Schachbrettmuster
wurden auf einem Monitor dargeboten, wobei die zeitliche Variation
der Querdisparität zur Wahrnehmung der Bewegung des Musters
in der Tiefe führte. Als Vergleichsreiz dienten Schachbrettmuster
mit Kontrastkanten mit identischen physikalischen Reizeigenschaften.
Ähnliche Untersuchungen wurden an Patienten mit selektiver
Störung des Stereosehens durchgeführt.
Bei allen gesunden Versuchspersonen konnten wir über den okzipitalen
Hirnarealen reizkorrelierte Potentialfelder registrieren, die
sich jedoch hinsichtlich ihrer Stärke und Topographie von
kontrast- evozierter Aktivität signifikant unterscheiden.
Außerdem wurden deutliche Effekte von Disparität und
des gereizten Gesichtsfeldbereichs nachgewiesen. Dies illustriert,
daß durch stereoskopische Reize andere Neuronenverbände
aktiviert werden als wenn Kontrastinformation verarbeitet wird.
Außerdem führt stereoskopische Information in verschiedenen
Gesichtsfeldbereichen zu unterschiedlichen neuronalen Prozessen.
Die bei Patienten gewonnenen elektrophysiologischen Daten zeigten
signifikante Korrelationen mit psychophysischen Schwellen. Diese
Ergebnisse waren in Übereinstimmung mit den klinischen Befunden.
Skrandies W. Depth perception and evoked brain activity: The
influence of horizontal disparity and visual location. Visual
Neurosci 1997; 14:527-532
Teilweise unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft,
DFG Sk 26/5-2
13. Voraussagekraft des Teller-Acuity-Card-Tests bei Frühgeborenen
mit und ohne Retinopathia praematurorum
A. A. Zubcov-Iwantscheff, M. Koch, N. Stärk (Frankfurt/Main)
Bei normalen Probanden sowie bei Patienten mit organischen Augenkrankheiten
stimmt, anders als bei Patienten mit Schielamblyopien, die Gittersehschärfe
gut mit der Optotypensehschärfe überein (Mohn und van
Hof-van Duin, 1986; Katz und Sireteanu, 1990; Neu und Sireteanu
1997). Ziel unserer Studie war, die Voraussagekraft des Teller-Acuity-Card-Tests
(TAC) bezüglich des Sehvermögens bei frühgeborenen
Kindern mit und ohne Retinopathia praematurorum (ROP) zu untersuchen.
Material und Methodik: Bei 20 Frühgeborenen mit günstigem
morphologischen Verlauf (Gruppe A) und 20 Frühgeborenen mit
ungünstigem Verlauf nach abgelaufener ROP (Gruppe B) wurde
die Entwicklung des Sehvermögens über 4 Jahre beobachtet.
6 Monate nach errechnetem Geburtstermin und weiterhin alle 6 Monate
wurde die Gittersehschärfe mit dem TAC-Test geprüft.
Mit 4 Jahren wurden am gleichen Tag die Gittersehschärfe
mit dem TAC-Test und die Optotypensehschärfe mit dem Sheridan-Gardiner-Test
(SGT) geprüft. Verglichen wurden die Ergebnisse der ersten
TAC-Untersuchung mit denen der letzten TAC-Untersuchung sowie
die Ergebnisse des TAC-Testes mit denen des SGT-Testes.
Ergebnisse: In der Gruppe A fand sich beim Vergleich zwischen
der Gitter- und Optotypensehschärfe ein Korrelationskoeffizient
von r = 0,75, p = 0,008. In der Gruppe B mit Kindern mit fortgeschrittenem
ROP-Verlauf war der Korrelationskoeffizient r = 0,57, p = 0,08.
Zusammenfassung: Unsere Studie konnte eine gute Korrelation
zwischen Gittersehschärfe und Optotypensehschärfe bei
Frühgeborenen feststellen. Dabei war die Korrelation um so
besser, je höher die Gittersehschärfe war.
14. Validierung der Skiaskopie in Miosis als Screening-Methode
für Refraktionsanomalien im Kindesalter
W. Rüssmann, A. Neugebauer, A. Hohmann (Köln)
Die Skiaskopie in Miosis ist zeitlich und apparativ wenig aufwendig.
Da ferner eine Medikamentengabe nicht erforderlich ist, bietet
sich die Methode zum Screening auf Refraktionsanomalien im Kindesalter
an.
Wir führten eine Untersuchung zur Validität der Methode
mit folgenden Fragestellungen durch: 1. Wie ist die Übereinstimmung
zwischen den durch Skiaskopie in Miosis und den objektiv in Zykloplegie
ermittelten Refraktionswerten? 2. In welchem Maß lassen
sich Refraktionsanomalien aufdecken, die einer Brillenversorgung
zugeführt werden müssen?
In einer Pilotstudie untersuchten wir 25 Kinder im Alter von 2-10
Jahren. Der Vergleich der skiaskopisch in Miosis ermittelten Werte
mit den durch Autorefraktometer (Topcon) in Zyklolatzykloplegie
ermittelten Werten ergab:
- Der sphärische Wert wird in Miosis im Mittel um 0,55
(0,72) D unterschätzt, die Standardabweichung beträgt
0,96 (1,09) D. Die Differenzen zwischen in Zykloplegie und
in Miosis gemessenen Werte streuen von - 1,0 ( - 1,0) D bis
3,5 (3,0) D.
- Der zylindrische Wert wird in Miosis im Mittel um 0,02 (0,08)
D überschätzt, die Standardabweichung beträgt
0,47 (0,73) D. Die Differenzen zwischen in Zykloplegie und
in Miosis gemessenen Werte streuen von - 0,75 ( - 1,5)
D bis 0,75 (1,5) D.
- Der Wert des sphärischen Äquivalentes wird in Miosis
im Mittel um 0,52 (0,68) D unterschätzt, die Standardabweichung
beträgt 0,98 (1,14) D. Die Differenzen zwischen in Zykloplegie
und in Miosis gemessenen Werte streuen von - 0,63 1,13) D
bis 3,38 (3,75) D.
(Die erstgenannten Werte geben die Ergebnisse für das rechte
Auge, die Daten in Klammern die Ergebnisse für das linke
Auge an.) Zum Wert der Methode im Screening für die Erforderlichkeit
einer Brillenverordnung ergab sich, daß alle versorgungsbedürftigen
Befunde aufgedeckt wurden. Lediglich zwei Kinder wurden als eventuell
versorgungsbedürftig eingestuft, bei denen nach Zykloplegie
keine Verordnung erforderlich war.
15. Videorefraktion als koordiniertes Screening-Programm für
Kleinkinder in sechs europäischen Ländern
R. Sireteanu, L Bachert1, A. Castanera de Molina2,
0. Alves da Silva, E Pinto, L. Dias3, F. Vital-Durand4,
G. Pinzaru5, M. Angi6, S. Atkinson7,
J. Atkinson, 0. Braddick, S. Anker, D. Ehrlich, J. King, T. Hartley8
(1 Frankfrurt, 2 Barcelona, 3 Lissabon, 4 Bron, 5 Lyon, 6 Padua,
7 London, 8 London)
Zielsetzung: In sechs europäischen Ländern wird
mit Hilfe eines standardisierten Screening-Verfahrens die Refraktion
und Orthoptik bei Kleinkindern von acht bis zehn Monaten untersucht.
Die Ziele sind: a) eine gemeinsame Datenbank aufzustellen; b)
das Auftreten von amblyogenen Faktoren im ersten Lebensjahr in
verschiedenen Ländern zu vergleichen; c) einen Vergleich
zwischen zwei Videorefraktortypen (VPR I und VIVA) durchzufahren;
d) eine Kosten-Nutzen-Analyse dieses Screenings im Vergleich zu
den bestehenden Vorsorgeuntersuchungen im Kontext der verschiedenen
nationalen Gesundheitssysteme aufzustellen.
Methode: Jedes Zentrum führt das Screening an einer
geographisch determinierten Population (N=500-5000 pro Zentrum)
mit Hilfe der Videorefraktion ohne Zykloplegie und einer orthoptischen
Untersuchung durch. Die Gruppe der gefährdeten Kinder wird
durch folgende Kriterien festgelegt: Manifester Strabismus, Hyperopie
>= +1,5 D (Minderakkommodation), Myopie >= -2 D, Anisometropie
>= 1,5 D. Bei diesen Kindern wurden eine Skiaskopie unter Zykloplegie
und eine ophthalmologische Untersuchung durchgeführt, ebenso
wie bei einer Kontrollgruppe aus derselben Screening-Population.
Auffällig bei der Skiaskopie galten Kinder, deren Werte für
die Hyperopie bei >= +3,5 D, für die Myopie bei >=
-2 D, für die Anisometropie bei >= 1,5 D lagen. Die Datenerhebung
wird bis Oktober 1997 abgeschlossen und anschließend zentral
in London ausgewertet.
Ergebnisse: Vorläufige Ergebnisse zeigen, daß
auffällige Befunde in der Videorefraktometrie zu rund 75%
durch die Skiaskopie bestätigt wurden; 5% im Bereich der
Hyperopie, l% als Myopie und < l% durch einen manifesten Strabismus
im ersten Lebensjahr. Der Einfluß der strukturellen Unterschiede
der nationalen Gesundheitssysteme auf die Vorsorgeuntersuchungen
wie auch auf die Screening-Population und insbesondere im Hinblick
auf eine Kosten-Nutzen-Analyse kann erst nach vollständiger
Auswertung der Daten erfaßt werden.
Dieses Progranun wird unterstützt als Concertierte Aktion
der Europäischen Gemeinschaft.
16. Untersuchungen zur globalen Stereopsis bei Patienten mit Binokularstörungen
A. Neugebauer, H. Kühner, W. Konen (Köln)
Wir stellen einen computergestützten Stereotest zur Analyse
überschwelliger Untersuchungsparameter vor.
Der Test basiert auf dem Random-dot-Prinzip, die Bildtrennung erfolgt
mittels Anaglyphenverfahren.
Verschiedene Testfiguren sind in je nach Testaufgabe durch den
Untersucher oder durch den Probanden wählbarer Querdisparation
präsentierbar.
Die von uns entwickelte Testreihe untersucht folgende Parameter:
- Vergleich der Tiefeneinschätzung der virtuellen Stimuli
mit der anderer virtueller oder realer Objekte.
- Antwortzeit bei der Präsentation der Random-dot-Stimuli.
- Schwellenfrequenz des Bildwechsels bei der monokularen, alternierenden
Präsentation der Random-dot-Halbbilder.
- Untersuchung eventueller Vergenzbewegungen bei der Präsentation
von Stereostimuli durch simultane Augenbewegungsregistrierung.
Der Test soll darüber Aufschluß geben, inwieweit sich
bei Binokularstörungen unterschiedlicher Ätiologie aufgrund
einer eventuell unterschiedlichen Pathophysiologie hinsichtlich
der genannten Parameter differentialdiagnostisch verwertbare Unterschiede
ergeben und inwieweit individuelle Ausprägungsmerkmale, wie
z. B. Schielwinkelgröße oder Ausmaß einer Anisometropie
von Bedeutung sind. Diese Befunde könnten auch für die
weitere Theoriebildung zur Pathophysiologie einzelner Krankheitsbilder
aufschlußreich sein.
Wir demonstrieren die Befunde im Normkollektiv und bei Patienten
mit Binokularstörungen, wie z. B. Mikrostrabismus, Anisometropie,
Strabismus divergens intermittens und Heterophorie.
17. Prüfung des Sehvermögens bei mehrfachbehinderten
Kindern
L. Hyvärinen (Espoo)
Bei Kindern mit sensorischen, motorischen und/oder kognitiven Entwicklungsstörungen
ist häufig auch das Sehvermögen beeinträchtigt.
Die Art der visuellen Beeinträchtigung ist bei vielen Erkrankungen
gut bekannt, so daß eine gezielte Suche möglich ist,
wenn wir die primäre Diagnose der übrigen Beeinträchtigungen
kennen.
Bei Kindern mit Hörverschlechterung ist die Prävalenz
der Retinopathia pigmentosa (RP) so hoch, daß in jedem Fall
einer primären Schwerhörigkeit bei einem Kind normalhörender
Eltern der Verdacht auf RP besteht. Die RP macht sich früh
durch eine Störung des Dämmerungssehens bemerkbar, so
daß die Dunkeladaptationsprüfung in Spielsituationen
bei hörbehinderten Kindern besonders wichtig ist. Eine Gesichtsfeldprüfung
ist im Alter von 4-5 Jahren möglich und sollte sowohl im
freien Raum als auch mit dem Goldmann-Perimeter zu Beginn jedes
Schuljahres durchgeführt werden, auch um die Lehrer zu informieren.
Bei angeborener Taubblindheit durch Röteln oder CHARGE- Assoziation
ist eine sorgfältige Prüfung des Sehvermögens im
Hinblick auf die Kommunikationsfähigkeit und die motorische
Entwicklung erforderlich.
Kinder mit motorischen Problemen haben oft Hirnläsionen, die
eine Hemiplegie und eine Halbseitenbeeinträchtigung der visuellen
Aufmerksamkeit zur funktionsbeeinträchtigten Seite hin verursachen.
Oft ist die Akkommodation herabgesetzt oder fehlt und daher ist
eine frühzeitige Nahkorrektion erforderlich. Visuelle Frühförderung
im Rahmen der frühen physiotherapeutischen Therapie begünstigt
die Entwicklung motorischer Funktionen und der Kommunikationsfähigkeit.
Bei älteren Kindern mit motorischer Behinderung sind häufig
okulomotorische Funktionen gestört, insbesondere Lesesakkaden,
was gegebenenfalls spezielle Lesetechniken erfordert.
Bei geistig behinderten Kindern und Kleinkindern sind zahlreiche
Sehstörungen anzutreffen. Beim Down-Syndrom bestehen vor
allem hohe Refraktionsfehler, Akkommodationsstörungen und
Katarakte, wonach in jedem Einzelfall zu fahnden ist.
Sehstörungen beeinträchtigen die Eltern-Kind-Beziehung
und werden oft mehr gefürchtet als motorische Entwicklungsstörungen.
Daher sind die frühzeitige Prüfung des Sehvermögens,
entsprechende therapeutische Maßnahmen und eine entsprechende
Beratung essentiell in der Betreuung mehrfachbehinderter Kinder.
18. Blindsehen
P. Stoerig (Düsseldorf)
Eine Läsion, die die primäre Sehrinde zerstört oder
deafferentiert, verursacht einen homonymen Gesichtsfeldausfall,
dessen Größe, Position im Gesichtsfeld und Dichte die
Eigenschaften der Läsion widerspiegelt. In einem relativen
Skotom sind reduzierte, qualitativ veränderte, aber bewußte
Restwahmehmungen möglich; in absoluten Skotomen gezeigte
Sehreize können dagegen nur dann eine bewußte Wahrnehmung
auslösen, wenn ihre Leuchtdichte über der Streulicht-Entdeckungsschwelle
liegt. Trotzdem lassen sich auch in absoluten Skotomen visuelle
Restfunktionen nachweisen, die neuroendokrine und reflexive Reaktionen,
aber auch die für Rindenblindheit spezifischen Entdeckungs-,
Lokalisations- und Unterscheidungsleistungen umfassen. Während
neuroendokrine und reflexive Funktionen sich auch bei komatösen
Patienten messen lassen und weder eine bewußte Wahrnehmung
noch einen bewußten Patienten voraussetzen, können
die höheren Blindsehleistungen nur bei Bewußtsein befindlichen,
willkürlicher Handlungen fähigen Patienten gezeigt werden.
Sie werden mit direkten oder indirekten Paradigmen nachgewiesen.
Im 1. Fall muß der Patient "raten", wo ein Reiz dargeboten
wurde, ob er dargeboten wurde oder welcher dargeboten wurde. Im
2. Fall reagiert der Patient dagegen auf einen im normalen Gesichtsfeldanteil
dargebotenen Reiz, und es wird gemessen, ob diese Reaktion durch
zusätzliche Stimulation innerhalb des Ausfalls beeinflußt
wird. Reflexive, indirekte und direkte Methoden sind auch bei
Affen mit abgetragener Sehrinde erfolgreich eingesetzt worden.
Beide Spezies können unter geeigneten Reizbedingungen bis
zu 100% korrekte Leistungen und im Vergleich zur korrespondierenden
Position im normalen Halbfeld einen Empfindlichkeitsverlust von
nur 0,5-1,5 log Einheiten zeigen; die Streulichtempfindlichkeit
liegt dagegen 2-3 log Einheiten unter dem entsprechenden normalen
Wert. Trotz dieses hohen Niveaus werden die Sehreize nicht bewußt
abgebildet; die Patienten bestehen darauf, daß sie nichts
sehen, und die Affen verhalten sich in geeigneten Versuchen so,
daß derselbe Schluß nahegelegt wird. Die Untersuchung
des Blindsehens erlaubt demnach ein Abstecken der Funktionen und
der visuell gesteuerten Verhaltensweisen, die auch ohne bewußte
Reizrepräsentation möglich sind.
Störig P,Cowey A. Blindsight in man and monkey. Brain 1997;
120:535-559
Unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
19. Alfred Bielschowsky (1871-1940) in Leipzig
S. Fahrenbach (Leipzig)
Es wird über die Zeit berichtet, in der A. Bielschowsky in
Leipzig wirkte. Dabei soll ein Bild des Lebens an der "Heilanstalt
für Augenkranke zu Leipzig, Stiftung bei der Universität"
entworfen und die Rolle von Bielschowsky nachgezeichnet werden,
wobei hier sowohl die wissenschaftsorganisatorische wie die wissenschaftliche
Seite Aufmerksamkeit findet. Seine Tätigkeit von 1895 bis
1912 fiel in jene Epoche, die zu den bedeutendsten der Augenheilkunde
in Leipzig gehörte; unter dem Direktorat von Hubert Sattler
(1844 bis 1928) waren hier Gelehrte versammelt, die in den folgenden
Jahren und Jahrzehnten die deutsche Augenheilkunde maßgeblich
geprägt haben.
20. Obliquus-inferior-Pseudoparese nach wiederholter M. rectus
externus-Resektion
B. Arens, H. Mühlendyck (Göttingen)
Bei einer Nystagmus-Patientin mit Kopfzwangshaltung und Blockierung
in der Nähe wurde eine kombinierte artefizielle Divergenz-OP
durchgeführt. Zur weiteren Verbesserung der Kopfzwangshaltung
und des Visus waren jedoch postoperativ erneut Prismen Basis außen
erforderlich. Wir entschlossen uns deshalb zu einem weiteren operativen
Eingriff. Es wurde dabei nur die M. rectus externus Resektion
verstärkt.
Postoperativ kam es zu vertikalen Doppelbildern mit einer Einschränkung
der Hebung in Adduktion. Bei der operativen Revision zeigte sich,
daß dies durch nicht dehnbare Anteile des verbliebenen,
unter dem Muskel gelegenen, Anteils der Muskelscheide des M. rectus
externus bedingt war. Die Motilitätsstörung konnte durch
Resektion dieser Anteile weitgehend behoben werden.
Diese Ursache für eine mechanisch bedingte konsekutive Motilitätsstörung
ist u. W. bisher noch nicht beschrieben worden. Um diese zu vermeiden
empfiehlt es sich, bei ausgedehnter Resektion gezielt die unter
dem Muskel gelegenen Scheidenanteile zu entfernen.
21. Akkommodativer Konvergenzexzeß - Langzeitverlauf bei
konservativer Behandlung
A. Eckstein, M. Fischer, J. Esser (Essen)
Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke
Verlag.
22. Motorische Langzeitergebnisse und Häufigkeit von Revisionsoperationen
bei frühkindlicher Esotropie
Th. Krzizok, A. Keller, H. Kaufmann (Gießen)
Zur Häufigkeit von Revisionsoperationen bei kongenitaler Esotropie
gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben zwischen ll%
(Helveston 1983) und 45% (Krug 1983). Angaben zur Variabilität
von Augenmuskel-Operationen erlauben keine Aussage über die
Wahrscheinlichkeit einer erneuten Operation und die langfristige
motorische Augenstellung.
Patienten und Methoden: Von 400 Patienten, die vor mindestens
10 Jahren wegen frühkindlicher Esotropie operiert wurden,
konnten 100 nachuntersucht werden. Außerdem konnten aus
der Operationsdatei unserer Klinik (n = 3850) die Standardabweichungen
der Effekte und die 3 Monate postoperativ gemessenen Schielwinkel
ausgewertet werden.
Ergebnisse: Die Standardabweichung der meistens durchgeführten
kombinierten Konvergenz-Operationen lag bei etwa 4'°. Der
Prozentsatz der langfristig unbefriedigenden Angenstellung (Eso-
oder Exotropie > 9°) lag unter 15% und ist damit nicht höher
als 3 Monate postoperativ. Um dieses Ergebnis zu erzielen, waren
nur in 5% zwei Augenmuskel-Operationen nötig.
Schlußfolgerung: Den in der Literatur beschriebenen
hohen Anteil schlechter motorischer Ergebnisse können wir
nicht bestätigen. Diese bleiben langfristig auch bei schlechten
Binokularfunktionen relativ stabil. Da die Schielwinkel und Operationseffekte
nicht normal verteilt sind, sollte die Standardabweichung durch
weitere Lageparameter ergänzt werden.
23. Entwicklung des kongenitalen Nystagmus im ersten Lebensjahr-
Dokumentation mittels Augenbewegungsableitungen
L Gottlob (St. Gallen)
Ein vier Wochen altes Mädchen wurde als Probandin im Rahmen
einer Studie über normale visuelle Entwicklung untersucht.
Die Augenbewegungen wurden im Alter zwischen einem und zwölf
Monaten mehrmals photookulographisch und elektro-okulographisch
registriert. Während im Alter von 5 Wochen noch keine pathologischen
Augenbewegungen abgeleitet wurden, traten im Alter von 7 Wochen
Gegenrucke (square-wave-jerks) auf. Mit 8 Wochen wurde ein feiner
Pendelnystagmus registriert, welcher sich mit 10 Wochen zu einem
Rucknystagmus mit zu- und abnehmender Geschwindigkeit der langsamen
Phase entwickelte. Mit 14 Wochen wurde ein feiner Pendelnystagmus
registriert. Im Alter von 7 und 12 Monaten wurde eine für
kongenitalen Nystagmus typische pendelförmige, konjugierte
Wellenform abgeleitet. Der ophthalmologische Organbefund, die
Entwicklung der Sehschärfe mit Preferential Looking und die
allgemeine Entwicklung der Patientin lagen im Normbereich.
Unsere Studie zeigt, daß zumindestens bei einigen Nystaginusformen
bei der Geburt noch keine pathologischen Augenbewegungen vorhanden
sind. Vor der Entwicklung des typischen kongenitalen Nystagmus
wurden sakkadische Störungen und untypische Wellenformen
mit abnehmender Geschwindigkeit der langsamen Phase registriert.
Gottlob I. Infantile nystagmus: development documented by eye
movement recordings. Invest Ophthalmol & Vis Sci 1997; 38:767-773
24. Fixatiosdisparation am Pola-Zeigertest: nicht repräsentativ
für die Augenstellung unter natürlichen Sehbedingungen
J. Gerlin, M. Ball, T Bömer, G. Kommerell (Freiburg)
Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke
Verlag.
25. Zur Untersuchung des dissoziierten Höhenschielens im
freien Raum
H. Steffen, A. Heil, A. Klingemann, R. Schmidt, G. Kolling (Heidelberg)
Bielschowsky beschreibt Patienten, die ein fixationsabhängiges
Höhenschielen haben und auf die Verdunklungsprobe in typischer
Weise nicht reagieren. Trotzdem ordnet er sie unter die Überschrift
"Dissoziiertes Höhenschielen" ein. Vorstellen der originalen
Untersuchungsmethode und der Untersuchung am Synoptophor (Fixations-Wechsel-Test
= FWT). Vergleich dieser Meßergebnisse bei Patienten mit
dem hier leicht modifizierten Test im freien Raum: 1. Beidseits
sehr helle Beleuchtung der Augen, besonders des fixierenden Auges
und Abdecken des schielenden Auges mit Prismen und Abdeckscheibe,
Messen des Höhenschielens mit dem einseitigen Abdecktest.
2. Sehr helle Beleuchtung des nicht fixierenden Auges mit einer
Schreibtischlampe, Offenlassen dieses Auges, wenn das fixierende
Auge durch ein möglichst großes Dunkelrotglas abgedeckt
ist und das Fixierlicht ansieht (Pat. hält das Dunkelrotglas).
Vorgabe eines Vertikal- und Seitenprismas vor das freie Auge und
Messen der Höhenabweichungen mit dem einseitigen Abdecktest.
Die Messung ist auch von einer Orthoptistin alleine bei einem
kooperativen Patienten durchführbar, ist schneller als der
FWT am Synoptophor und ergibt nicht weniger Höhenschielen.
Bemerkenswert ist die große Streubreite bei aufeinanderfolgenden
Messungen. Bei Seitwärtsblick kann das dissoziierte Höhenschielen
ebenso gemessen werden, um zwischen dissoziiertem und nicht dissoziiertem
Anteil eines Höhenschielens in Adduktion zu unterscheiden.
Auf die relativ geringe Bedeutung des exakten Ausmaßes des
dissoziierten Höhenschielanteils wird hingewiesen. Wichtiger
ist die V- oder A- Inkomitanz bei der Operationsindikation an
den Mm. obliqui.
26. Der Helmholtz- Schirm - ein neues Untersuchungsgerät
zur Messung von Horizontal- und Vertikaldeviationen
G. Kolling (Heidelberg)
Vorstellung der Helmholtz- Koordinaten, Beschreibung der Vorteile
gegenüber den unphysiologischen, aber historisch eingeführten
Heß- Koordinaten. Vorstellen des Untersuchungsgerätes
von Herrn Kollegen Löw aus Völklingen. Darstellen des
teilweise automatisierten Registrierablaufes an Einzelbeispielen,
Erklären des neuen, besseren Registrierschemas. Besonderes:
Ablesbarkeit der Schielwinkel mit einer Genauigkeit von 1/2',
Exzentrizitäten bis zu 50'. Summe: exzellentes Gerät
für die Praxis: schnell, einfach und doch sehr genau. Nachteil:
fehlende Zyklodeviation, fehlender Kopfneige-Test, relativ naher
Testabstand von 50 cm. Summe: nichts für die operativ tätigen
Augenkliniken.
27. Unilaterale orbitale Fibrose assoziiert mit einem seltenen
ipsilateralem frontobasalen Tumor
M. Andrassi, P. Held, 0. W. Ullrich, F Hofstädter, B. Lorenz
(Regensburg)
Wir berichten über ein 3jähriges Kind, das wir erstmals
im Alter von 2 Monaten wegen eines linksseitigen Enophthalmus
mit auch im Forced-Duction-Test fixiertem Bulbus untersuchten.
Das NMR (3D-Datensatz, Gadolinium) im Alter von 5 Monaten zeigte
eine Adhäsion zwischen dem Musculus rectus lateralis und
der Orbitawand, eine Verschmächtigung aller extraokularen
Muskeln sowie Veränderungen des orbitalen Fettgewebes im
Sinne einer Bindegewebserkrankung. Überraschenderweise zeigte
sich darüber hinaus intrakraniell ein ipsilateraler frontobasaler
Tumor ohne Anzeichen einer direkten Verbindung mit der linken
Orbita. Der Tumor konnte mittels einer linksfrontalen Kraniotomie
vollständig entfernt werden. Auch intraoperativ wurde keine
Verbindung mit der linken Orbita gesehen. Bei den kernspintomographischen
Kontrolluntersuchungen fand sich bisher kein Anhalt für ein
Tumorrezidiv. Histologisch fanden sich multiple ovoide Zellen,
mehrkernige Riesenzellen, alte Hämorrhagien sowie Osteolysen,
am ehesten mit einem ossären Riesenzelltumor vereinbar. Solche
Tumoren werden meist in den langen Röhrenknochen, oft im
Os sacrum und in Wirbeln, aber nur selten in kraniofazialen Knochen
gefunden. Bei Säuglingen wurden sie bisher nicht beschrieben.
Ätiologisch bleibt die Assoziation einer unilateralen orbitalen
Fibrose mit ipsilateralem frontobasalen Tumor unklar. Die Sehschärfe
des fixierten, hoch hyperopen, aber sonst gesunden Auges ist im
Alter von 3 Jahren ähnlich wie die des Partnerauges, an dem
sich ein manifest- latenter Nystagmus entwickelt hat (14,2 Zyklen/Grad).
Die Fixation erfolgt bevorzugt mit dem fixierten linken Auge.
Die hohe initiale Hyperopie hat sich im Beobachtungszeitraum von
drei Jahren deutlich reduziert, das Partnerauge war zu jedem Zeitpunkt
nur mäßig hyperop. Im Verlauf konnte durch Teilzeitokklusion
des fixierten linken Auges eine Nystagmusberuhigung des rechten
Auges erzielt werden. Bei bevorzugter Fixation mit dem etwa in
Primärposition fixierten immobilen Auge wurde von einem augenmuskelchirurgischen
Eingriff Abstand genommen.
28. Juvenile Form des Morbus Krabbe (Galactocerebrosid-Lipidose)
als seltene Ursache einer beidseitigen Visusminderung im Kindesalter
K. Hartmann, F Hanefeld, H. Mühlendyck (Göttingen)
Bei der Galactocerebrosid-Lipidose handelt es sich um eine Globoidzell-
Leukodystophie mit Ablagerung von Zerebrosiden v. a. in mehrkernigen
Riesenzellen dysmyelinisierter Bereiche des ZNS. Die klassische
Form der Erkrankung beginnt zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat
und zeigt eine rasche Progredienz mit Spastik, zerebellären
Symptomen, Demenz und finaler Enthirnungsstarre. Die selteneren
in späterem Lebensalter einsetzenden Formen weisen variablere
klinische Verläufe auf. Für den juvenilen Typ des M.
Krabbe (nach Loonen) ist ein Visusverlust mit anfangs rascher
Progredienz und anschließender Stabilisierung typisch. Wir
möchten den Fall eines inzwischen achtjährigen Mädchens
vorstellen. Im Alter von 5 Jahren wurde plötzlich eine beidseitige
Visusminderung auf 0,2 festgestellt, zur gleichen Zeit fielen
Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses auf. Dieser
Befund hat sich in den letzten 1,5 Jahren nicht verändert.
Die Fixation lag beiderseits springend im oberen Wallreflexbereich
der Makula. Die Papillen waren randscharf und schienen temporal
etwas blasser, der übrige Organbefund war unauffällig,
insbesondere sahen wir keine weißlichen Einlagerungen im
Makulabereich unter Aussparung der Fovea. In der Kemspintomographie
des Schädels (7/95) fanden sich in der T2-Protonenwichtung
im Marklager um beide Hinterhörner signalintense Säume,
die in der Tl-Wichtung signalarm waren und kein Kontrastmittelenhancement
zeigten. Diese Läsionen schlossen die Radiatio optica ein
und erklären somit die Visusminderung. Die Diagnose eines
Morbus Krabbe wurde über die ausgeprägte Defizienz der
Cerebrosid-ß-Galaktosidase in Leukozyten und Hautfibroblasten
gesichert.
Das Mädchen hat sich in der Beobachtungszeit normal weiterentwickelt
und besucht eine Regelschule. Neurologisch ist sie bis auf diskrete
cerebelläre Zeichen (Dysdiadochokinese, Unsicherheiten beim
Knie-Hacken-Versuch) unauffällig.
29. Unterschiede in der allgemeinen Entwicklung bei Albinismus-Patienten
(OCA 1,2 und XOA) ndt und ohne verzögerte visuelle Reifung
B. Käsmann, K. W. Ruprecht (Homburg)
Bei okulokutanem und okulärem Albinismus wird in der Literatur
manchmal eine verzögerte visuelle Reifung (Delayed Visual
Maturation) beschrieben. Ob sich hieraus noch weitere Folgen für
die allgemeine Entwicklung ergeben, wurde unseres Wissens bislang
nicht untersucht. Patienten: 144 Patienten (bzw. ihre Eltern)
mit allen Formen des okulären und okulokutanen Albinismus
wurden bezüglich allgemeiner Entwicklungsschritte und Fertigkeiten
standardisiert befragt: Zeitpunkt des Laufenlernens, Probleme
in Fein- und Grobmotorik, Lese-Rechtschreibstörungen etc.
Zudem wurde erhoben, ob eine verzögerte visuelle Reifung
vorlag, wann das Fixieren eingesetzt hat und wie sich der Nystagmus
im Laufe der Jahre verändert hat. Ergebnisse: Wir stellen
die Patienten mit okulokutanem Albinismus (OCA 1 und 2, n = 62)
und X-chromosomal-rezessivem okulärem Albinismus (XOA, n
= 31) vor. Die wesentlichen Unterschiede bei Patienten mit und
ohne verzögerte visuelle Reifung:
|
|
Ty-negativer OCA |
Ty- positiver OCA |
XOA |
|
Keine DVM |
DVM |
Keine DVM |
DVM |
Keine DVM |
DVM |
|
Prozentualer |
55% |
45% |
41% |
59% |
3% |
97% |
|
Anteil DVM |
|
|
|
|
|
|
|
Einsetzten der |
2,07 |
5,62 |
2,09 |
6,93 |
1,0 |
6,15 |
|
Fixation |
|
|
|
|
|
|
|
(Durchschnitt, |
|
|
|
|
|
|
|
in Monaten) |
|
|
|
|
|
|
|
durchschnitt- |
0,098 |
0,12 |
0,2 |
0,17 |
0,14 |
0,14 |
|
licher Visus |
|
|
|
|
|
|
|
Laufen gelernt |
12,3 |
15,8 |
13,41 |
13,78 |
11,0 |
14,9 |
|
(Durchschnitt, |
|
|
|
|
|
|
|
in Monaten) |
|
|
|
|
|
|
|
Feinmotorik- |
21% |
46% |
18% |
33% |
- |
33% |
|
Probleme |
|
|
|
|
|
|
|
Grobmotorik- |
29% |
23% |
- |
7% |
- |
10% |
|
Probleme |
|
|
|
|
|
|
|
Lese-Recht- |
21% |
62% |
27% |
33% |
- |
52% |
|
schreibprobe |
|
|
|
|
|
|
Schlußfolgerung: Bei Albinismus-Patienten mit verzögerter
visueller Reifung zeigen die üblicherweise orthoptisch geprüften
Parameter (Visus, Strabismusinzidenz, Nystagmus) keinen Unterschied
zu den Parametern von Patienten ohne verzögerte visuelle
Reifung. Jedoch finden sich bei Patienten mit verzögerter
visueller Reifung häufiger als bei den anderen auch Defizite
in der weitergehenden Entwicklung in spezifischen Bereichen. Man
sollte daher bei Kindern mit Albinismus (insbesondere bei XOA):
gezielt anamnestisch nach einer DVM fragen, - den behandelnden
Kinderarzt auf die höhere Wahrscheinlichkeit spezifischer
Entwicklungsprobleme aufmerksam machen, - die Eltern und die Frühförderstellen
entsprechend informieren, - bei den Frühfördermaßnahmen
mehr auf diese speziellen Bereiche eingehen und durch gezielte
Förderung versuchen, die Defizite so gering wie möglich
zu halten.
30. Ursachen der Visusherabsetzung bei Schülern der Sehschwachenschule
Halle/Saale
R. Weidlich, B. Ganzert, M. Tost (Halle)
Die Wahl der Schulform eines sehgeschädigten Kindes wird in
entscheidendem Maße durch den optimalen Visus in Ferne und
Nähe bestimmt. Ziel der Untersuchung war es festzustellen,
welche Erkrankungen des Sehorgans besonders häufig bzw. schwer
die Sehschärfe bei den sehschwachen Schülern in Halle
beeinträchtigten. Zu diesem Zweck wurden die wesentlichsten
ophthalmologischen Daten der Schüler der halleschen Sehschwachenschule
der Geburtsjahrgänge 1963 bis 1985 (n = 393) analysiert und
mit einer ähnlichen Untersuchung an der gleichen Schule 1969
verglichen. Es zeigt sich, daß die häufigsten Ursachen
für die Visusreduzierung nach wie vor die Mißbildungen,
insbesondere die angebotenen Katarakte sind. Veränderungen
in der Häufigkeit zeigen sich dagegen im Anstieg der degenerativen
Leiden und der Reduzierung der Kurzsichtigen. Grund für letzteres
ist, daß in den letzten Jahrzehnten Kinder mit Myopien und
damit relativ guter Lesefähigkeit vermehrt Normalschulen
besuchten. Von besonderem Interesse ist das Auftreten der Retinopathia
praematurorum in dem analysierten Krankengut mit einem Häufigkeitsgipfel
in den Jahren 1977-1982. In dieser Gruppe ist auch die funktionelle
Einäugigkeit, d.h. der Visus eines Auges ist gleich oder
schlechter als 1/20, besonders hoch. 94,1% der Schüler entsprachen
nach den Kriterien der Sehschärfe (0,2-1/25) den Aufnahmebedingungen
für die Sehschwachenschule. Die Ursachen dafür, daß
5,9% der Kinder nicht den normalen visuellen Bedingungen der Sehschwachenschule
entsprachen, sind recht unterschiedlich und Ausdruck persönlicher
Umstände und Voraussetzungen des betreffenden Kindes.
31. Okklusionsrhythmen als Indikator für die Sensitivität
der Amblyopie
D. Friedrich (Bad Soden)
Die Okklusion ist weiterhin die einzige Möglichkeit, das Ungleichgewicht
zwischen dem Visus des amblyopen und dem des dominanten Auges
zugunsten des amblyopen zu beeinflussen unabhängig von der
Amblyopieform. Die Begriffe Okklusionsfrequenz, Okklusionsrhythmus
und Okklusionsdauer werden im allgemeinen als Synonyme benutzt
und unterschiedlich angewandt. Trotz einer unüberschaubaren
Variabilität in der Anwendung dieser Therapieform scheint
die Effektivität relativ gleichwertig zu sein, bezieht man
sich auf den "Erfolg", der in der Literatur angegeben wird. Die
sehr weit differierenden Definitionen eines Therapie- Erfolges
in der Amblyopiebehandlung sind der eine Grund für die Effektivität,
die hohe Plastizität des Binokularsystems der andere Grund
für den guten Ausgang fast aller Okklusionsbehandlungen,
die konsequent durchgeführt werden.
Die Okklusion ist eine artifizielle Deprivation der dominanten
Seite für eine definiert kurze Zeit. Das Phänomen der
reversiblen Okklusionsamblyopie zeigt die Belastbarkeit ebenso
wie die Elastizität des binokularen Balancesystems auf. So
ist die Okklusionsamblyopie des dominanten Auges positiv reversibel,
die Amblyopie des betroffenen Auges ist negativ reversibel - beide
direkt proportional gebunden an wechselnde Zeitsektoren der Beeinflußbarkeit.
Es scheint eine Obergrenze der notwendigen Okklusionsdauer zu geben,
deren Überschreitung eine Okklusionsamblyopie auslöst,
ohne daß der Visus des amblyopen Auges weiterhin anzuheben
ist. Die Untergrenze einer täglichen Okklusionsdauer liegt
altersabhängig im Bereich von 1/2 bis 1 Stunde, die Obergrenze
variiert von Stunden bis zu mehreren aufeinanderfolgenden Tagen.
Bis heute ist der tatsächliche Auslöse- Mechanismus
einer durch Okklusion entstandenen Diplopie nicht bekannt.
32. Visusstimulation mit sinusoidal moduliert oszillierenden Gittern:
Eine neue computergestützte Methode zur Nachsorge von Amblyopie
(Computerdemonstration)
F. Muchamedjarow, U. Kämpf, W. Mascolus (Dresden)
Einleitung: Vorgestellt werden graphisch animierte Computerprogramme
zur Visusstimulation durch sinusoidal modulierte Wellenmuster,
die von Ophthalmologen, Informatikem und Psychologen im Rahmen
eines interdisziplinären Projektes für den klinischen
Einsatz gemeinsam erarbeitet wurden. Aufbauend auf Erkenntnissen
über raumzeitlich oszillationssensitive Initialfilterungen
in der Kaskade der binokularen Informationsverarbeitung soll damit
ein Therapieerfolg erzielt werden bei Kindern im Falle von Amblyopie.
Bisherige Behandlungsansätze zur Überwindung der Amblyopie
durch Sehschulung setzen vor allem auf die Occlusion. Moderne
Methoden zur Behandlung von Amblyopie, insbesondere in der Nachsorge,
stützen sich darüber hinaus auf verschiedene Einwirkungsprinzipien
zur Aktivierung der entsprechenden Kanäle oder Subsysteme
des Sehsystemes, das nach dem Mehrkanalprinzip aufgebaut ist.
Als relativ effektiv erwiesen sich die Lichtreizungsmethoden von
Bangerter, Cüppers und anderen. Hierbei erfolgt die vorwiegende
Einwirkung, offensichtlich, über den Helligkeitskanal. Später
wurden die Raumfrequenzkanäle des visuellen Systems entdeckt,
und es wurde vorgeschlagen, das amblyope Auge mit Hilfe von Frequenz-Kontrast-Objekten
zu stimulieren.
Methode: Unser Vorgehen zielt deshalb, gestützt auf
Forschungen im Grenzbereich von Psychophysik, Sinnesphysiologie
und Neuroinformatik, auf die Reaktivierung des in einem stationären
Hemmungsregime fehlstabilisierten amblyopen Systems durch sinusoidal
modulierte raumzeitlich oszillierende Wellenmuster. Angelehnt
an einen in Cambridge entwickelten Stimulator sollen schmalbandige
Kanäle (Filterbänke) in den Übertragungswegen der
Sehbahn in ihrer Wechselwirkung mit Bewegungskanälen angeregt
werden, um so die stationär fehlstabilisierte binokulare
Imbalance zu durchbrechen. Anders als beim Cambridger Originalverfahren
versuchen wir deshalb, orientiert an Wässle, außer
der räumlichen, auch die zeitliche Modulationsfrequenzselektivität
der Filter anzusprechen. In Auswertung auch der Arbeiten von Stangler
zur Reizung mit bewegten Lichtstreifen werden dabei mit computergenerierten
sinusoidalen Gittern Bewegungsnachbilder induziert, die potentiell
dem interokularen Transfer zugänglich sind.
Ergebnisse: Erste Ergebnisse einer Pilotstudie zeigen, bei
Stagnation der Occlusionsbehandlung, deutliche Visusverbesserungen
(durchschnittlich 10% im Fernvisus und 20% im Nahvisus) an einer
Stichprobe von 12 von Amblyopie betroffenen Kindern zwischen 4
und 12 Jahren nach nur 14tägiger Anwendung des Stimulators.
Vorgesehen ist künftig auch die Implementation des Stimulators
in animierte Computerspiele, Videoclips etc., von denen Demos
bereits vorliegen, um das Interesse der meist noch sehr jungen
Patienten zu wecken bzw. ihre Aufmerksamkeit während des
an sich langweiligen Stimulationsprozesses zu binden und so das
Behandlungssystem als kostendämpfende Alternative zur Klinikbehandlung
auch für die Heimtherapie tauglich zu machen.
33. Komplikationen und Fortschritte in der Strabismus- Chirurgie
R. Berger, W. Haase (Hamburg)
Problemstellung. Die vergleichsweise wenigen Untersuchungen
zur Häufigkeit von Komplikationen in der operativen Strabismus-
Behandlung zeigen deutlich streuende Zahlen. Besonders ältere
Berichte mit schweren Komplikationen (wie z. B. Bulbusperforation)
in 10% des Krankenguts erscheinen nach heutigen Gesichtspunkten
inakzeptabel. Durch Erhebung aktueller Daten sollen die Reduktion
der Komplikationsrate und deren Gründe untersucht werden.
Methode: Eine Literaturübersicht der 60er und 70er
Jahre über ernste Komplikationen wird Daten seit 1990 gegenübergestellt.
Eigene Umfragen erfolgten in den Jahren 1971 (8 Kliniken) und
1994 (23 Kliniken). Die Entwicklung hin zu gleichwertigen, jedoch
schonenderen Operationsverfahren (Faltung statt Resektion, Gürtelfaden-OP
statt Fadenoperation) wird aufgezeigt. Besondere Instrumente werden
vorgestellt. Die Reduktion von Fadengranulomen zeigt die Bedeutung
des gewählten Nahtmaterials.
Ergebnisse: Verbesserte Instrumente, gefäßschonende
OP-Techniken (Faltung, Gürtelfaden-OP) und die Einrichtung
von Spezialabteilungen haben zur Senkung der Rate ernster Komplikationen
auf unter 1: 1000 operierter Augen geführt.
34. Die Beeinflussung von postoperativem Schmerz und Erbrechen
nach Strabismusoperationen durch perioperative Applikation von
Pharmaka
T. Schmidt, E. Fischer, M. Klopfer, K.-P. Leipert (München)
Hintergrund. Erbrechen und Schmerzen sind häufige Begleiterscheinungen
nach Strabismusoperationen und können das subjektive Befinden
der vorwiegend kindlichen Patienten erheblich beeinträchtigen.
Ursache des Erbrechens ist wahrscheinlich ein vagaler Reiz durch
den intraoperativ notwendigen Zug am Augenmuskel. Meist wird das
Problem der schlechten postoperativen Befindlichkeit auf den Anaesthesisten
abgeschoben. Wir setzten uns zum Ziel, Möglichkeiten zu finden,
durch perioperative lokale Applikation von Pharmaka die postoperative
Empfindlichkeit, insbesondere die Quantität postoperativen
Erbrechens unabhängig von der Narkoseführung zu beeinflussen.
Patienten und Methode: Wir bildeten folgende Gruppen von
jeweils 30 Patienten, bei denen unausgewählt Strabismusoperationen
unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrades durchgeführt wurden:
- Perioperative Subtenon- Anästhesie nach Eröffnung
des Tenonschen Raums mit Mepivacain 2%, zusätzliche Gabe
von Diclofenac- Augentropfen.
- Perioperative Gabe von Diclofenac- Augentropfen allein.
- Perioperative Gabe von Fluorometholon- Augentropfen.
Die Operationen wurden in standardisierter Intubationsnarkose mit
konstanter Prämedikation und gleicher systemischer postoperativer
Analgesie durchgeführt. Am ersten postoperativen Tag wurden die
Patienten nach Häufigkeit des Erbrechens, sowie Intensität
der Schmerzen nach Schmerzskala (0-3) befragt.
Ergebnisse: Was den postoperativen Schmerz betrifft, läßt
sich keine unterschiedliche Tendenz zwischen den 3 Gruppen erkennen.
Die Gruppe mit Subtenon- Anästhesie zeigt tendenzmäßig
geringeres postoperatives Erbrechen.
Schlußfolgerung: Die zusätzliche Subtenon- Anästhesie
senkt die Rate postoperativen Erbrechens, wahrscheinlich über
eine Blockade der Muskeldehnungsrezeptoren. Mit diesem Verfahren
ist man von der Narkoseführung relativ unabhängig, was
die postoperative Befindlichkeit der Patienten betrifft.
35. Zur Inzidenz des postoperativen Erbrechens bei Schieloperationen
im Kindesalter - Einfluß von Eingriffsart und prophylaktische
Möglichkeiten
L Welters, M. Gräf, T. Menges, C Beikirch, H. Otto, G.
Hempelmann, H. Kaufinann (Gießen)
Fragestellung: Die Inzidenz von postoperativem Erbrechen
nach Schieloperationen bei Kindern wird mit bis zu 88% angegeben.
Dimenhydrinat wird seit langem in der Behandlung von Kinetosen
eingesetzt. Die Wirksamkeit von Antihistaminika in der Prophylaxe
und Therapie des postoperativen Erbrechens ist durch kontrollierte
Studien bislang jedoch nur unzureichend belegt (1). Bisherige
Studien ließen die Art des Eingriffes - Fadenoperation bzw.
kombinierte Konvergenz-Operation - unberücksichtigt.
Methodik: Zur Ermittlung der Inzidenz des postoperativen
Erbrechens in unserem Zentrum wurden 200 Schieloperationen bei
Kindern, darunter 59 Fadenoperationen und 141 kombinierte Konvergenz-Operationen
mit und ohne zusätzlichem Eingriff an schrägen Augenmuskeln
retrospektiv ausgewertet. In Form einer prospektiv randomisierten
doppelblind durchgeführten Studie wurde die Wirksamkeit der
rektalen Applikation von 1,83 mg/kg KG Dimenhydrinat präoperativ
auf die Inzidenz des postoperativen Erbrechens bei 101 Kindern
im Alter von 4 bis 10 Jahren, die sich elektiv einer Fadenoperation
unterzogen, untersucht.
Ergebnisse: Bei Kindern, die sich einer Fadenoperation unterzogen,
traten postoperative Übelkeit und Erbrechen signifikant häufiger
auf, als nach kombinierten Konvergenz-Operationen (71% versus
29%). Dabei war bei kombinierten Konvergenz-Operationen die Anzahl
der operierten Muskeln bzw. die Operation an einem oder beiden
Augen ohne Einfluß auf die Inzidenz des Erbrechens. Die
prophylaktische Gabe von Dimenhydrinat- Suppositorien blieb ohne
Auswirkung auf die Häufigkeit des postoperativen Erbrechens
(66,7% versus 68%).
Diskussion: Patienten, bei denen eine Fadenoperation durchgeführt
werden soll, stellen eine Hochrisikogruppe für das Auftreten
von postoperativer Übelkeit und Erbrechen dar. Bislang durchgeführte
Untersuchungen konnten eine Reduktion des postoperativen Erbrechens
um mehr als 50 Prozent bei intravenöser Gabe von 0,5 mg/kg
Körpergewicht Dimenhydrinat bei Narkoseeinleitung nachweisen
(2). In unserer Untersuchung gelang es nicht, die Inzidenz des
Erbrechens durch die prophylaktische Gabe von Dimenhydrinat- Suppositorien
zu senken. Ursache hierfür könnte eine unzureichende
Bioverfügbarkeit von Dimenhydrinat nach rektaler Applikation
sein. Ferner stellt die Fadenoperation nach den Ergebnissen der
retrospektiven Erhebung einen stärkeren emetogenen Reiz dar
als andere Eingriffe an den Augenmuskeln.
Literatur.
(1) Koller C, Jakob W, Hörauf K. Postoperatives Erbrechen.
Pathophysiologie, Inzidenz und Prophylaxe. Anästh Intensivmed
1994; 35:137-143
(2) Vener DF, Carr AS, Sikich N, Bissonnette B, Lerman J. Dimenhydrinate
decreases vomiting after strabismus surgery in children. Anesth
Analg 1996;82:728-731
36. Änderung der subjektiven Zyklodeviation und der objektiven
Zykloposition nach modifizierter Harada- Ito- Operation bei erworbener
Trochlearisparese
H. D. Schworm, S. Horstmann, T. Ring, K-P. Boergen (München)
Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke
Verlag.
37. Messungen zum Einfluß von Brillengläsern auf die
Bestimmung des Schielwinkels mit Purkinje-Reflexen und mit dem
Prismen-Abdecktest
J. C Barry, A. Backes (Aachen)
Bericht in: Klin Monatsbl Augenheikd 4, Band 212, April 1998, Enke
Verlag.
38. Validierung kinderärztlicher Sehtests
A. Hohmann, W. Rüssmann, F. A. Kaszli (Köln)
Der derzeitige Stand des U8- Sehscreenings ist unbefriedigend und
in vielerlei Hinsicht verbesserungsbedürftig. In den primärärztlichen
Praxen werden Bildersehzeichen (A), das Rodenstock- Gerät
mit Scheibe 140 (B) oder der H-Test (C) zum Screenen auf Sehfehler
eingesetzt.
Patienten: In der vorliegenden Studie wurden U8-Kinder (N
= 303) rekrutiert, die von Kölner Kinderärzten zur Nachuntersuchung
durch die Studiengruppe in die Augenklinik überwiesen wurden.
Die Kinder erhielten einen kompletten ophthalmologischen Befund
(Goldstandard). Aus dem Vergleich der Daten wurden Sensitivität
und Spezifität der benutzten Verfahren unter Feldbedingungen
berechnet.
Ergebnisse: Mit den Sehtestverfahren A und B kann keine
exakte Evaluation bzw. nur sehr geringe Sensitivität erreicht
werden, daher müssen diese Verfahren abgelehnt werden. Verfahren
C ist in der Lage, Abhilfe aus der unbefriedigenden Screening-Situation
zu schaffen. Es wird außerdem die Heterogenität der
Diagnose und Therapieansätze der niedergelassenen Augenärzte
deutlich.
Schlußfolgerung: Von Primär- und Fachärzten
sollte ein einheitlicher Sehtest benutzt werden. Kinderärzte
sollten trainiert werden, um ihrer Aufgabe des frühzeitigen
Amblyopiescreenings besser gerecht werden zu können.
39. Reizauftauchen, -wahrnehmen, -erkennen, objektiviert im Spiegel
der Okulomotorik
H. F. Piper (Lübeck)
Hintergrund: Ohm, Goldmann sowie Rieken wählten ein
motorisches Äquivalent, um die Auftauchschwelle eines Reizes
zu objektivieren: Einerseits die Auslösung einer Blickfolgebewegung
oder eines optokinetischen Nystagmus, andererseits die Hemmung
dieser motorischen Funktionen durch stationäre Reize. Lavergne
beschrieb ein Stufenverfahren der Lichtsinnprüfung. Die Dunkel-
Hell- Anpassung wurde unter adäquater Aufgabenstellung abgetastet:
Unstrukturiertes Reizfeld - dessen Streifengliederung und Blendanfälligkeit
- Leseprobe. Die hier beschriebene Methode lehnt sich an diese
Vorbilder an, verknüpft sie aber so, daß zueinander
passende sensorische und motorische Funktionen sich gegenseitig
bestätigen. Im Bereich einer globalen Adaptationsschaltung
wird nacheinander eine passive (optokinetischer Nystagmus, Blickzentrierung)
und dann im Übergang zur Helladaptationsschaltung eine aktive
(Sakkaden, Zählbewegungen) Motorik abgerufen.
Methode: Das Projektionsadaptometer von Rieken- Meesmann
wurde mit größen- und formangepaßten Reizmustern
ausgerüstet: bewegte Streifenfläche - ruhende Marke
- zwei Zielpunkte - Punktreihe. Die Augenbewegungen wurden elektrookulographisch
aufgezeichnet. Das zunächst dunkelangepaßte Auge wurde
am Adaptometer allmählich in den Tageshelligkeitsbereich
überführt und die skotopische, die mesopische und die
photopische Schwelle mit der bewegten Streifenfläche ermittelt.
In das Band der Dunkel-Hell-Adaptation wurden Symbole eingetragen,
welche das Auftauchen von optokinetischem Nystagmus, von Blickzentrierung,
Zielbewegungen und Lesesprüngen darstellten. Es wurden sowohl
normale Probanden als auch Patienten untersucht.
Ergebnis: Je nach Krankheitsbild setzten die motorischen
Funktionen bei verschiedenen Adaptationszuständen ein. Bei
Schielamblyopie zeigte sich ein charakteristisches Verhalten (ausführliche
Darstellung s. Piper und Durchschlag, 1956).
Bedeutung: Die Methode vermittelt einen Überblick darüber,
wie sich die globale und spezielle Raumorientierung vollzieht
und erweitert unser Verständnis über das Wesen der Amblyopie.
Literatur.
Goldmann H. Objektive Sehschärfenbestimrnung. Ophthalmologica
1943; 105:240-249
Lavergne MG. Die Sehfähigkeit der Automobillenker bei
Nacht. Bull Soc belg Ophthal 1955; 108:3-19
Ohm L Entwicklung einer Methode objektiver Sehschärfenbestimmung
auf der Grundlage des optokinetischen Nystagmus. Stuttgart: Enke
1947
Piper HF. Simultane Untersuchung sensorischer und motorischer
Schwellen, geprüft an kinetisch wirksamen Reizmustem. In:
Functional examinations in Ophthahnology. Hrsg. J. François.
Basel: Karger 1974:290-295
Piper HF, Durchschlag G. Gesichtssinnprüfung in Funktionsstufen.
Ber. 60. Zusamenk. Dtsch. Ophthalmol. Ges. 15-18, München:
Bergmann 1956 Rieken H. Ein Verfahren zur objektiven Prüfung
des Dämmerungssehens. Albrecht von Graefes Arch 1942; 145:1-31
40. Dekorrelierte Random-Dot-Stereogramme
E. H. Roth (Düsseldorf)
Die Messung des Stereo- Auflösungsvermögens mit Random-
Dot- Stereogrammen ist Äquivalent zur Messung mit kontrastreichen
Stereo-Bildpaaren.
Random-Dot-Stereogramme sind synthetisch und somit einfacher mit
Computern zu erzeugen und je nach gewünschten Stereo- und
Formparametern auf Monitoren sofort darstellbar. Wir untersuchten
Probanden mit vollem Stereosehen (Eingangsvoraussetzung: Titmus-Ringe
1-9 erkannt) an einem selbst entwickelten Test mit dekorrelierten
Random-Dot-Stereograrnmen. An einem haploskopischen Versuchsaufbau
mit Prismen als Trenner vor einem Monitor wurden den Probanden
Random-Dot-Stereogramme mit sechs einfachen geometrischen Figuren
(Kreisscheibe, Quadrat, gleichzeitiges Dreieck mit Basis oder
mit Spitze nach unten, senkrechter und waagerechter Balken) wahlweise
angeboten. Die Dekorrelation der Bilder besteht darin, daß
über eine Prozentzahl einstellbar eine Anzahl von Punkten
im zweiten Bild nicht mit dem Stereo-Partner übereinstimmt.
Die zu erkennenden Figuren werden so auch für den voll Stereotauglichen
vernebelt, so daß sie schließlich nicht mehr erkannt
werden können.
Je nach Figur und Querdisparität ergibt sich eine Dekorrelations-
Schwelle nicht mehr erkennbarer Symbole bei 15-25%. Die Fähigkeit
die Figur bei größter Vernebelung doch noch zu erkennen,
läßt sich trotz eines reproduzierbaren forced-choice-Protokolls
durch Üben der Probanden deutlich steigern. Die Fähigkeit
dekorrelierte Stereogramme zu erkennen liegt bei vollem Stereosehen
bei Patienten mit Glaukom deutlich niedriger. Untersucht wird
somit mit unserem Test die retinale Funktion.
41. Sehschärfe als Funktionsprüfung bei Amblyopie und
als Methode zur Differentialdiagnose - 15 Jahre Erfahrung mit
einem crowding- Test
B. Schmal, B. Liedtke, W. Haase (Hamburg)
Problemstellung: Bei amblyopen Augen findet sich eine stärkere
Visusreduktion für Reihensehzeichen als für Einzeloptotypen.
Seit 15 Jahren wird ein Sehschärfetest zur Prüfung des
crowding- Phänomens (C-Test) eingesetzt. Wir haben rückblickend
die Visuswerte von 344 Amblyopiepatienten ausgewertet. Methode:
Es wurde bei allen Patienten die Sehschärfe mit dem C-Test
oder einem nach dem gleichen Prinzip entwickelten Visustest mit
Computerhilfe/Monitor bestimmt. In der klinischen Praxis wurde
der crowding- Test fast nur in der Nähe ausgeführt und
die Sehschärfe für Reihen- und Einzeloptotypen nur für
die Nähe ausgewertet. Ergebnisse: Bei insgesamt 344
Amblyopiepatienten (eingeteilt in 4 Altersgruppen) wurden die
Sehschärfe bei Behandlungsbeginn und die Sehschärfe
nach erfolgter Therapie miteinander verglichen, sowie Mittelwerte
und Visusstufendifferenzen ermittelt. Patienten ab dem 7. Lebensjahr
zeigten für Einzeloptotypen einen Visus von 0,44 und für
Reihensehzeichen von 0,20 auf der amblyopen Seite. Nach der Therapie
und Beobachtungszeit von etwa 40 Monaten stieg die Sehschärfe
auf 0,74 für Einzelsehzeichen und 0,44 für Reihenoptotypen
an.
Die Ergebnisse verdeutlichen die Wichtigkeit eines Sehtestes zur
Bestimmung des crowding- Phänomens im Rahmen der Diagnostik
und der Behandlung von Amblyopien.
42. Gittersehschärfenentwicklung phaker Augen bei einseitig
kongenitalen Katarakten
E. Schulz, C Schöffler, C Braemer (Hamburg)
Problemstellung: Führungsaugen von Patienten mit Strabismus
und Anisometropie- Amblyopie unterscheiden sich von denen normaler
Probanden in verschiedenen Aspekten visueller Funktion. Untersuchungen
bei einseitigen Deprivationsamblyopien im präverbalen Alter
sind bisher kaum vorhanden. Die Gittersehschärfenbestimmung
ist eine übliche Methode für Verlaufskontrollen der
pleoptischen Behandlung einseitig kongenitaler Katarakte. Frühere
Normwerte der Hersteller mußten besonders für die jüngeren
Altersgruppen für das eigene Labor nach oben korrigiert werden.
Neue Normkurven wurden vor kurzem publiziert. Es stellt sich die
Frage, inwieweit für klinische Untersuchungsbedingungen andere
Normbereiche gelten und inwieweit sich Führungsaugen von
Patienten unter Therapie in ihrer visuellen Entwicklung einordnen.
Methoden: Gittersehschärfenbestimmung mit den Teller-
Acuity- Cards wurde bei üblichen klinischen Kontrolluntersuchungen
bei 66 Kindern im Alter von 3-36 Monaten, die wegen einer kongenitalen
Katarakt innerhalb der ersten Lebensmonate operiert wurden, gemacht.
Alle Kinder standen unter Okklusionstherapie mit einer üblichen
Okklusionszeit von 4-5 Stunden während des ersten Lebensjahres
täglich. Im zweiten Lebensjahr ganztägig jeden zweiten
Tag. Die Okklusion wurde mindestens eine Stunde vor Bestimmung
der Gittersehschärfe ausgesetzt.
Ergebnisse: Die mittlere Sehschärfe der phaken Augen
war innerhalb des ersten Lebensjahres gering, im zweiten Lebensjahr
etwas deutlicher unter der mittleren Sehschärfe gesunder
Kinder und identisch ab dritten Lebensjahr.
Schlußfolgerung: Phake Augen von Kindern mit operierter
einseitiger Katarakt zeigen eine gering retardierte Visusentwicklung
für Gitter innerhalb der ersten zwei Lebensjahre. Ab dritten
Lebensjahr zeigen sich keine Unterschiede zur normalen Altersgruppe.
Da die Altersnorm ab 24. Lebensmonat erreicht wird, sind grundlegende
amblyopiebedingte Unterschiede unwahrscheinlich, Therapieeffekte
(Okklusion) wohl eher verantwortlich zu machen.
43. Handrefraktometer und Keratometer in der strabologischen Praxis
B. Schmal, S. Posselt, E., Schulz, R. Berger (Hamburg)
Problemstellung: Autorefraktometer sind in Allgemeinophthalmologie
und bei Erwachsenen verbreitet zur Refraktionsbestimmung. Der
strabologisch- und kinderophthalmologische Bereich ist eine Domäne
der Skiaskopie. Inwieweit ein handgehaltenes Refraktometer - neuerdings
verbunden mit Keratometer - die Skiaskopie ersetzen und ergänzen
kann, wird untersucht.
Methode: Patienten aller Attersgruppen, besonders Kinder,
mit einem breiten Spektrum von Refraktionsanomalien, ggf. auch
Irregularitäten und Trübungen der brechenden Medien,
wurden mit und ohne Cycloplegie refraktometriert und skiaskopiert.
Die Werte, ggf. ergänzt durch die des subjektiven Abgleiches,
wurden bezüglich Sphäre, Zylinder und Zylinderachslage
verglichen. Für die Keratometerwerte wurden Vergleichsmessungen
mit dem ZEISS- Ophthalmometer soweit möglich durchgeführt.
Die Verläßlichkeitskoeffizienten des Gerätes werden
u. a. auch untersucherbezogen ausgewertet.
Ergebnisse: Bei unruhigen Kleinkindern sind weniger häufig
Meßergebnisse erhältlich. Keratometerwerte davon seltener
als Refraktometerwerte. Die Verläßlichkeit scheint
untersucherabhängig zu sein. Größere Streuung
und Abweichungen der Refraktionswerte scheinen auf jüngere
Altersgruppen, Medientrübungen, irreguläre Brechungsfehler
konzentriert zu sein. Refraktometrische Meßwerte werden
u. U. auch bei Medientrübung erzielt, bei denen die Skiaskopie
kaum möglich ist. Die Meßwerte werden statistisch ausgewertet.
44. Erfahrungen mit dem handgehaltenen Autorefraktometer Nikon
Retinomax
W. Wesemann (Köln), B. Dick (Mainz)
Die objektive Bestimmung der Refraktionswerte mit einem normalen
Autorefraktometer kann bei Kindern problematisch oder unmöglich
sein, wenn die Kinder zu klein oder behindert sind oder Abwehrreaktionen
zeigen. Mit dem kompakten, handgehaltenen Nikon Retinomax gelingt
die Autorefraktometermessung auch bei vielen dieser Problempatienten.
Der Vortrag berichtet über praktische Erfahrungen hinsichtlich
der Anwendbarkeit und beschäftigt sich mit der Frage, ob,
infolge der kompakten Bauweise, mit Abstrichen bei der Meßgenauigkeit
gerechnet werden muß.
Die Meßgenauigkeit des Nikon Retinomax wurde erstens bei
augengesunden jungen Erwachsenen (100 Augen) ermittelt. In dieser
Gruppe wurden die Autorefraktometerwerte mit den Ergebnissen der
subjektiven Refraktion verglichen und der Einfluß der geräteinternen
Akkommodationsentspannung untersucht.
Bei der zweiten Gruppe handelte es sich um Kinder im Alter zwischen
2 und 10 Jahren (80 Augen). Diese Messungen wurden in Cycloplegie
durchgeführt. Hier dienten sowohl die Skiaskopie als auch
andere herkömmliche Autorefraktometer als Vergleichsmaßstab.
Bei den augengesunden Erwachsenen lagen die Abweichungen vom sphärischen
Aquivalent der subj. Refraktion in 88% aller Fälle im Intervall
Autorefraktometerergebnis um ca. 0,28 dpt nach "plus" verschoben.
Die Zylinderstärke war in 95% aller Fälle auf ±
0,5 dpt genau. Das Retinomax ist bezüglich dieser Parameter
mit der Meßgenauigkeit der herkömmlichen Tischgeräte
vergleichbar. Die Zuverlässigkeit der Achsenangaben war etwas
geringer. Bei den untersuchten Kindern zeigte sich, daß
auch in den Fällen, in denen die Messung mit herkömmlichen
Autorefraktometern nicht möglich war, eine objektive Refraktionsbestimmung
durchgeführt werden konnte.
45. Ergebnisse der Pola-Test-Studie
H. J. Simonsz (Rotterdam)
In der Studie wurden Patienten, die unter asthenopischen Beschwerden
litten, mit Prismenbrillen behandelt: diese wurde sowohl mit dem
Pola- Test- Verfahren als auch mit konventioneller orthoptischer
Untersuchung bestimmt.
Methodik: Innerhalb von 2 Jahren wurden in 10 Städten
der Niederlande 80 Patienten rekrutiert und von 10 Untersucherpaaren
(Orthoptistin und Optometristen, 0/0) behandelt. Wenn ein Patient
asthenopische Beschwerden äußerte, füllte er einen
Fragenbogen aus. Bei hohen Asthenopie- Punktewerten nahm er an
der Studie teil. Einschlußkriterien waren: Alter 18 bis
40 Jahre, zuvor keine Multi- oder Bifokalbrille, keine Presbyopie,
Schielwinkel < 4' horizontal und < 1,7' vertikal bei Fern-
und Nahblick mit optimaler Korrektion, Visus > 0,8 (max.
1 Zeile Seitendifferenz), sphärisches Äquivalent + 2,5
bis - 3,5 (max. 1 Dioptrie Diff.), Zylinder < 1,5 Dioptrien,
keine schrägen Achsen, Stereopsis >120', zuvor keine falsche
Brille, keine Augenerkrankung, keine Medikation oder Drogen, kein
neurologisches oder psychiatrisches Leiden. Der erste Untersucher
des 0/0-Paares faxte sein Rezept der Prismenbrille nach Essilor
und schickte den Patienten zum anderen Untersucher des 0/0-Paares,
der sein Rezept auch nach Essilor sandte. Die Gläser wurden
dort von einem unabhängigen Studien-Optometristen montiert,
der nicht wußte, wer welche Gläser verschrieben hatte.
Die Brillen wurden dem Patienten nacheinander zugeschickt.
Ergebnisse: Die Optometristen rekrutierten die meisten Patienten.
Die Mehrzahl waren Frauen. In den Wochen 0, 3 und 6 füllte
der Patient je einen Fragenbogen aus, mit dem er die asthenopischen
Beschwerden bewertete, danach schickte er die Gläser wieder
zu Essilor zurück. Zwei Wochen später bekam er die zweite
Brillenkorrektion und füllte wieder in den Wochen 0, 3 und
6 die Fragenbögen aus. Eine Kontaktaufnahme zwischen dem
Patienten und dem 0/0-Paar war in dem 14wöchigen Zeitraum
strengstens verboten. Probleme, z. B. mit dem Gestell, wurden
von dem Studien-Optometristen gelöst.
Schlußfolgerung: Die zwischenzeitlichen Analysen zeigen
bereits Unterschiede zwischen beiden Therapiegruppen: beide Brillen
besserten zwar die initialen Beschwerden (Differenz zwischen den
Wochen 0 und 3), aber nur in einer Therapiegruppe kehrten die
Beschwerden innerhalb der ersten 6 Wochen teilweise zurück.
Welche Therapiemethode bei Asthenopien wirklich besser ist, wird
entsprechend des Studienprotokolls erst nach dem Empfang der letzten
Fragebögen Juli 1997 feststehen.
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