|
|
Zusammenfassungen der Beiträge
Programm
-
Freitag, den 19.11.1999
-
- 14.00 Lehrorthoptistinnentreffen
-
- Ort: Univ.-Augenklinik Köln, Abt. Orthoptik
- 17.00 BOD-Mitgliederversammlung
-
- Ort: Univ.-Augenklinik Köln, Hörsaal
- 18.00-20.00 Anmeldung, Postermontage, Imbiß
-
- Ort: Anatomisches Institut der Universität Köln, Foyer
Samstag, den 20.11.1999
-
- 7.30 Eröffnung des Tagungsbüros, Postermontage
- 8.30 Begrüßung, Eröffnung der Tagung
- 8.45 Beginn des wissenschaftlichen Programms, Endokrine Orbitopathie I
- 10.15 Pause, Posterausstellung, Industrieausstellung
- 10.55 Endokrine Orbitopathie II
- 12.30 Pause, Mittagessen, Mensa
- 14.15 Gesundheitsökonomische Aspekte in der Strabologie
- 15.25 Pause, Posterdiskussion am Poster, Industrieausstellung
- 16.00 Freie Vorträge
- 18.15 Ende
- 18.25 Abfahrt der Busse zum Schokoladenmuseum vor dem Anatomischen Institut
- 18.30 Abfahrt der Busse zum Schokoladenmuseum von den Hotels aus (Hotel Regent, Queens Hotel, Hotel Schwan, Haus Bremer, Crowne Plaza)
- 19.00 Gesellschaftsabend im Schokoladenmuseum
-
Sonntag, den 21.11.1999
-
- 8.00 Eröffnung des Tagungsbüros
- 9.00 Fortsetzung des wissenschaftlichen Programms, Heterophorie I
- 10.40 Rundtischdiskussion
- 11.30 Pause, Posterausstellung, Industrieausstellung
- 12.00 Heterophorie II
- 13.40 Ende des wissenschaftlichen Programms
- 13.45 Mitgliederversammlung der Bielschowsky-Gesellschaft mit Imbiß
1. Sitzung: Endokrine Orbitopathie I
PATHOGENESE DER ENDOKRINEN ORBITOPATHIE
Armin E. Heufelder, Abt. Endokrinologie, Zentrum für Innere
Medizin, Klinikum der Philipps-Universität Marburg, Baldingerstraße,
35033 Marburg
Der Morbus Basedow (MB) gilt heute als Erkrankung des Immunsystems,
die bei genetisch prädisponierten Individuen durch eine Dysregulation
im Immunsystem ausgelöst wird, wobei psychische Streß-
und Umwelteinflüsse als Triggerfaktoren wirken. Ein zentrales
Ereignis in der Pathogenese des MB bildet der Toleranzverlust
des Immun-systems gegenüber thyreoidalen Antigenen, insbesondere
dem TSH-Rezeptor. Eine pathologische Aktivierung des Immunsystems
gegen den TSH-Rezeptor könnte beispielweise durch bakterielle
und virale Antigene erfolgen, die Epitop-Homologien zum TSH-Rezeptor
aufweisen und durch "molecular mimicry" die Effektorzellen der
Immun-abwehr gegen dieses normalerweise tolerierte Autoantigen
fehlleiten. Die Schilddrüse und extrathyreoidale Gewebe,
die den TSH-Rezeptor exprimieren (Orbita-Binde/ Fettgewebe, prätibiales
Myxödem-gewebe u.a.), würden damit zu Zielgeweben für
die Rekrutierung und Expansion TSH-Rezeptor-spezifischer T-Zellen.
Neueste Erkenntnisse aus Tiermodellen und in vitro-Befunden lassen
erkennen, daß der im Orbitagewebe exprimierte TSH-Rezeptor
eine Schlüsselrolle in der Pathogenese der endokrinen Orbitopathie
(EO) spielt. Orbitale Präadipozyten werden durch zirkulierende
oder lokal produzierte Faktoren zur Differenzierung zu Adipozyten
angeregt und exprimieren dann verstärkt funktionell aktive
TSH-Rezeptoren. Diese Veränderungen des orbitalen Gewebemilieus
und der Rezeptor-expression erklären nicht nur die Zunahme
des orbitalen Gewebevolumens-, sondern auch die Infiltration mit
TSH-Rezeptor-reaktiven T-Zellen. Im Rahmen des kaskadenartig ablaufenden
Immunprozesses führen diverse Zytokine, Chemokine, Interleukine,
Wachstumsfaktoren und Prostaglandine zur Expression von Adhäsions-molekülen,
HLA-DR-Molekülen, Streßproteinen und co-stimulatorischen
Proteinen sowie zur weiteren Rekrutierung von T-Zellen, die den
orbitalen Immunprozeß verstärken. Mit Fortschreiten
der Erkrankung, zunehmender Akkumulation von hydrophilen Glykosamino-glykanen
und wachsender intra-orbitaler Raumnot resultieren vorwiegend
mechanische Komplikationen, die durch Gewebehypoxie, Azidose und
oxidative Schädigungsmechanismen noch verschärft werden.
Die nachteiligen Effekte von Hypoxie und oxidativem Streß
werden durch Rauchen zusätzlich verstärkt. Nikotin-konsum
gilt deshalb als wichtigster schädlicher Umwelt-faktor bei
Patienten mit MB und EO, der den Schweregrad, die Aktivität
der Erkrankung und vermutlich auch die Therapiechancen negativ
beeinflußt.
EINFLUß DES RAUCHENS (HÄMOGLOBINADDUKTE) AUF DIE
AUSPRÄGUNG UND DEN THERAPIE-VERLAUF BEI ENDOKRINER ORBITOPATHIE
(E.O.)
Eckstein A.*, Quadbeck B.***, Müller G.**, Rettenmeier
A.W.**, Hörmann R.***, Mann K.***, Esser J*.
Hintergrund: Rauchen erhöht die Inzidenz einer e.O. bei Patienten
mit M. Basedow. In einer prospektiven Studie soll anhand der Korrelation
der Hämoglobinaddukte (Langzeitparameter des Nikotinkonsums)
mit dem klinischen Verlauf die Frage geklärt werden, ob Raucher
an einer schwereren e.O. erkranken und anders auf die Therapie
ansprechen als Nichtraucher.
Patienten und Methode: 63 konsekutive Patienten (44 Raucher und
19 Nichtraucher) mit einer aktiven e.O. (Erstmanifestation <
6 Monate) wurden bei Erstvorstellung und dann prospektiv nach
1,5 Monaten (nach Steroid-stoss-therapie, beginnend bei 100mg
Fluocortolon), nach 4,5 Monaten (nach Orbita-spitzen-bestrahlung
mit 12 Gy) und nach 7,5 Monaten untersucht. Ausgewertet wurden:
Lidspalten-weite (mm), Exophthalmus (mm), Ödeme (modifizierter
ATA acitivity score) und Augenbeweglichkeit (score) sowie die
Hämoglobin-addukte (Hydroxyethylvaline [Hydroxy] und Cyanoethylvalin
[Cyano]) nach Abtrennung vom Globin durch ein modifiziertes Edman-Verfahren.
Ergebnisse: Die Mittelwerte der Hämoglobinaddukte von Rauchern
(R) und Nichtrauchern (NR) unterschieden sich signifikant (Hydroxy
R = 4,56 ? 2,61, Hydrox NR = 1,86 ? 1,57, p<0,002, Cyano R
= 1,57 ? 1,45, Cyano NR 0,52 ? 0,7, p<0,004) und entsprachen
den Norm-werten. Bei der Erstuntersuchung unter-schieden sich
R und NR signifikant bezüglich der Ausprägung der Ödeme
und des Exophthalmus. Im Verlauf der Therapie gingen die
Ödeme und die Protrusio bulbi bei NR signifikant stärker
zurück als bei den R, wobei das Ausmaß der Besserung
mit der Höhe der Hämoglobin-addukte korreliert war.
So betrugen z.B. die Korrlationskoeffizienten zwischen Hydroxy
und der Ödem-besserung 6 Wochen nach Therapie -0,3
und 4,5 Monate nach Therapie -0,46 (p<0,05) und zwischen Hydroxy
und der Besserung der Augen-beweglich-keit nach 6 Wochen -0,21
und nach 4,5 Monaten - 0,36 (p<0,05).
Schlussfolgerung: Die prospektive Studie konnte zeigen, dass bei
rauchenden Patienten mit M. Basedow nicht nur die Inzidenz einer
e.O. signifikant erhöht ist, sondern auch eine stärker
Ausgeprägung der Erkrankung und ein schlechteres Ansprechen
auf die Therapie vorliegt. Da die Hämoglobinaddukte (als
Langzeitparameter für die Quantität des Nikotin-abusus)
sehr gut mit der Besserungsrate korrelieren, ist bei diesen Patienten
eine Einschränkung des Zigaretten-konsums anzustreben.
Universitätsklinikum Essen, Hufelandstr. 55, D-45122 Essen,
* Augenklinik, ** Med. Klinik, Endokrinolog. Abtlg, *** Inst.
für Hygiene und Arbeitsmed.
SYSTEMATISCHE FRÜHERFASSUNG VON PATIENTEN MIT VERDACHT
AUF ENDOKRINE ORBITO-PATHIE
A. Büttner, D. Friedrich
Diskrete erste Zeichen einer beginnenden endokrinen Orbitopathie
(EO) werden oft übersehen, weil sie nicht im klassischen
Sinne meßbar sind. Bei 20 Patienten mit dem Aspekt einer
EO wurden neben der endo-krinologischen Untersuchung drei ophthalmologische
Hauptkategorien zur Erfassung früher klinischer Merkmale
gebildet und zu mindestens 2 Zeitpunkten überprüft:
I. Subjektive Beschwerden (Anamnese), II. äußerer Aspekt
(Lidphänomene wie Retraktion und Ödem) und III. meßbare
Werte wie Hertel, Visus, Sonographie, Synoptometerschema u.a.
. Während die meßbaren Werte der Kategorie III über
lange Zeit oft uneinheitlich waren, zeigten die Befunde
der ersten beiden Kategorien deutliche Konstanz oder Zunahme.
Bei Patienten mit frühen Beschwerden i.S. einer EO empfehlen
wir deshalb eine Dokumentation, die den Kategorien Anamnese (I),
Aspekt (II) und meßbarer Befund (III) folgt und durch deren
Kombination ein Fortschreiten der Erkrankung rechtzeitig
erkennen läßt.
VERGLEICHENDE DARSTELLUNG ENDOKRIN VERÄNDERTER AUGENMUSKELN
MIT ECHO-GRAPHIE UND MAGNETRESONANZ-TOMOGRAPHIE
B. Neppert, J. Gerling, H.Laqua
Hintergrund: Die Quantifizierung der entzündlichen Au-genmuskel-Ver-änderung
bei endokriner Orbitopathie kann für die Therapie-aus-wahl
relevant sein. Diese Studie soll klären helfen, ob mit Kernspintomogra-phie
(MRT) und Echo-graphie neben der Muskelver-brei-terung auch das
Ausmaß der ent-zündlichen Aktivität übereinstim-mend
ermittelt werden kann.
Material und Methoden: Bei 31 Untersuchungen an 23 Patienten in
verschiedenen Stadien der endokrinen Orbitopathie wurden eine
B-Bild-Echographie mit dem Cooper Vision 2000-Gerät von Alcon
und eine koronare MRT beider Orbitae nach dem Untersuchungs-pro-tokoll
der multizentri-schen Doppelblind-stu-die zur Retrobulbärbestrah-lung
(1) durch-ge-führt. Bei der Echographie wurden der Muskelquerschnitt
ge-messen und die Echogenität der geraden Augen-muskeln semiquantitativ
bestimmt. In den koronaren Schnittbil-dern der MR-Tomogramme verma-ßen
die Autoren die Augen-muskel-durchmesser und schätzten in
den T2-ge-wichteten Bildern das Enhance-ment semi-quantitativ
als Maß der ent-zündlichen Aktivität. Diese Daten
wurden miteinander verglichen.
Ergebnisse: Nur die Muskeldurchmesser der Mm. recti mediales zeigten
mit einem Rang-Korrelations-koeffizienten von 0,40 (p=0,002) eine
schwache positive Korrelation zwischen beiden Verfahren, die Durch-messer
der anderen 3 geraden Augenmuskeln je-doch nicht. Ver-änderun-gen
der Bin-nenstruktur traten überwiegend nur bei den Mm. recti
media-les und infe-riores auf und wiesen hier keine signifikante
Über-einstim-mung zwi-schen beiden Untersuchungsmethoden
auf.
Schlußfolgerungen: Die beiden wichtigsten bildgebenden Verfah-ren
bei der endokrinen Orbitopathie, die Echographie und die MRT,
stellen Ver-breiterungen der medialen geraden Augenmuskeln in
den vorderen 2/3 der Orbita in vergleich-barer Weise dar. Bei
den übrigen geraden Au-genmuskeln liegt nur eine minimale
Über-einstimmung vor, die anato-misch (benachbarter M. leva-tor
palpebrae, schräger Verlauf) und tech-nisch (Schnittebenen)
be-gründet sein könnte. Die Binnenstrukturverän-derungen
als möglicher Hinweis für eine Augenmuskel-Entzündung
wur-den aller-dings mit beiden unter-suchten Verfahren so un-terschiedlich
bewertet, daß die klinische Wertigkeit beider Metho-den
bezüglich einer The-rapieentscheidung bei Patienten mit endokri-ner
Orbitopathie momen-tan nicht ab-zusehen ist.
1) J Gerling et al.: Retrobulbar irradiation with 2.4
versus 16 Gy in Graves' ophthalmopathy. In: Radio-therapy of ocular
disease, p 23, 1996
SAKKADENMESSUNGEN MIT SEARCH COIL TECHNIK BEI AKUTER ENDOKRINER
ORBITO-PATHIE
H.D. Schworm, K.-P. Boergen
Augenklinik der Ludwig Maximilians Universität München
Literaturberichte über Sakkadenveränderungen im Rahmen
der endo-krinen Orbitopathie (EO) wiesen widersprüchliche
Ergebnisse auf, indem einerseits über reduzierte, andererseits
über unveränderte und sogar über erhöhte Geschwindig-keiten
berichtet wurde.
Mit dem Ziel, definitive Erkenntnisse über Art und Umfang
der Sakkadenveränderungen zu gewinnen, wurden umfangreiche
Sakkaden-untersuchungen unter Verwendung der Skleralen Induktionsspule
("induction scleral search coil") durchgeführt. Besonderes
Merkmal dieser Studien war die Anwendung sog. "matched pairs"
als Kontrollpersonen sowie eine strenge Klassifikation der Erkrankung
hinsichtlich Ausprägungsgrad und Dauer. Unter anderem wurden
sechs Patienten mit klinisch mässig ausgeprägter und
neu aufgetretener EO vier Patienten mit vergleichbarer Erkrankungsdauer,
jedoch mit schwerer Symptomatik (Optikuskompression) gegenübergestellt.
Während sich die Sakkadendynamik der sechs erstgenannten
Patienten nur kaum von den Kontrollpersonen unter-schied, wiesen
die vier Patienten mit Optikuskompression signifikante Differenzen
gegenüber Gesunden auf. Das Maximum der Geschwindigkeitskurven
war deutlich abgeflacht, nach rechts verschoben und die Steilheit
des Anstiegs stark reduziert. Weitgehend unverändert blieben
demgegenüber die Amplitude, die maximale Verzögerung
sowie der Zeitpunkt der maximalen Beschleunigung.
Bei früher und mittelgradig ausgeprägter EO zeigt sich
der Ablauf schneller Augenbewegungen unter Zuhilfenahme der Adaptation
des zentralen Sakkadengenerators von den entzündlichen Muskel-verände-rungen
nur wenig beeinflusst. Fortgeschrittene entzündliche Aktivität,
die zu einem Druckanstieg in der Orbitaspitze führt, hat
nach den vorliegenden Ergebnissen jedoch eine Dekompensation der
Adaptations-mechanismen zur Folge, die u.a. vermutlich auf paretischen
Elementen beruht.
BESTIMMUNG DES INTRAORBITALEN DRUCKES MIT HILFE DES ABFLUß-DRUCKES
DER V. CENTRALIS RETINAE BEI ENDOKRINER ORBITOPATHIE
Kathi Hartmann1, Rolf Meyer-Schwickerath2
1Universitäts-Augenklinik Aachen, Pauwelsstr. 30, 52057 Aachen
2Praxisklinik Bocholt, Königstraße 32, 46397 Bocholt
Einleitung: Mit Hilfe des Abflußdruckes der V. centralis
retinae (venous outflow pressure / VOP) läßt sich der
retoorbitale Druck bei endokriner Orbitopathie (e.O.) bestimmten.
Läßt sich eine potentielle Schädigung des N. opticus
vorhersehen?
Methode: Bei 57 Patienten mit e.O. wurde der VOP bestimmt. Der
VOP kann den intraorbitalen Druck nicht unterschreiten, da ansonsten
ein venöser Abfluß nicht gewährleistet wäre.
Bei allen Patienten wurde eine komplette ophthalmologische Untersuchung
incl. intraokularer Druckmessung (IOD), Hertel-Exophthalmo-metrie
und statischer Perimetrie durchgeführt.
Ergebnisse: Der IOD lag zwischen 14 und 38mmHg und der VOP lag
bei n=54 Patienten 0 bis 4mmHg oberhalb des IOD. Diese Patienten
hatten keine Skotome und stabile Visuswerte innerhalb eines Beobachtungszeitraums
bis zu 2 Jahren. In den Fällen (n=3), bei denen die Differenz
zwischen IOD und VOP ? 5mmHg betrug, entwickelten sich Skotome
und eine Visusminderung und es mußte dekomprimierend therapiert
werden. Der gemessene VOP korrelierte nicht mit dem Grad der Proptose.
Drucksenkende Therapie mit einem Carboanhydrasehemmer führte
in einem Fall zur Visusverschlech-terung und relativen Skotomen
der unteren Gesichtsfeldhälfte. Die Differenz zwischen IOD
und VOP betrug zu diesem Zeitpunkt 10mmHg. Nach Absetzen der Therapie
stieg der IOD wieder an, die Differenz zwischen IOD und VOP betrug
4mmHg und die funktionellen Ausfälle bildeten sich zurück.
Zusammenfassung: Erhöhter IOD bei e.O. wird durch erhöhten
intraorbitalen Druck verursacht. Die Differenz zwischen IOD und
VOP sollte <5mmHg betragen, um normale Perfusion zu gewährleisten.
Wir vermuten, daß Visusminderung und Gesichtsfeldausfälle
nicht nur durch eine Kompression des N. opticus in der Orbitaspitze,
sondern auch durch eine Verschlechterung der Papillenperfusion
durch einen erhöhten Druck-gradienten zustande kommen.
2. Sitzung: Endokrine Orbitopathie II
RETROBULBÄRBESTRAHLUNG BEI ENDOKRINER ORBITOPATHIE: DOPPELBLINDER
VERGLEICH ZWISCHEN 2,4 UND 16 GY
J. Gerling1, G. Kommerell1, K. Henne2 und die multizentrische
Studiengruppe
Universitätsklinikum, D-79106 Freiburg. 1Augenklinik, 2Radiologische
Klinik
Hintergrund: Die Retrobulbärbestrahlung gilt als etablierte
Methode zur Behandlung der endokrinen Orbitopathie (EO). Ihre
Wirksamkeit ist aber bisher nicht durch kontrollierte Studien
belegt.
Methode: 86 Patienten mit EO aus 8 Zentren wurden randomisiert
und erhielten entweder 2,4 (8 x 0,3) oder 16 (8 x 2,0) Gy.
Einschlusskriterien: Verschlechterung der EO innerhalb der letzten
6 Monate und typische MRT-Verände-rungen der Augenmuskeln,
Hyperthyreose oder erhöhte schilddrüsenspezifische Antikörper
in der Vorgeschichte, aber Euthyreose bei Beginn der Bestrahlung.
3 Monate nach Ende der Bestrahlung wurden folgende Zielkriterien
geprüft: 1. Selbstein-schätzung des Patienten (visuelle
Analogskala), 2. Exophthalmus (Hertel), 3. monokulare Bewegungsstrecke
der Augen, 4. Fotos der Augenregion und 5. Augen-muskel-volumen
(MRT).
Ergebnis: Zwischen der 2,4- und 16-Gy-Gruppe ergab sich kein signifikanter
Unterschied. Gegenüber dem Ausgangsbefund waren alle 5 Zielkriterien
in beiden Gruppen gebessert, signifikant jedoch nur bei der Selbstein-schätzung
des Patienten.
Schlußfolgerung: Da 16 Gy nicht stärker wirken als
2,4 sollte bei EO höchstens mit 2,4 Gy bestrahlt werden.
MINIMALINVASIVE ORBITADEKOMPRESSION BEI ENDOKRINER ORBITOPATHIE
( EO )
R. Gockeln1, R. Winter1, M. Samii2, S. Hussein2
( Kliniken für Augenheilkunde1 und Neurochirurgie2 der MHH,
Carl-Neuberg-Str. 1, D-30625 Hannover )
Die chirurgische Dekompression der Orbita kann bei der endokrinen
Orbitopathie als Therapiekonzept in Erwägung gezogen werden,
wenn z.B. Motilitätsstörungen mit Diplopie primär
als Folge der orbitalen Volumenzunahme vorliegen oder eine progrediente
Visusminderung auftritt. Entsprechend des eher palliativen Charakters
des Eingriffs - die Grunderkrankung wird nicht beseitigt - sollte
dieser möglichst schonend angelegt sein.
Methoden: Bei Patienten mit EO wurde bds. mittels mikrochirurgischer
intrakonaler Fettentfernung eine Vergrößerung des orbitalen
Volumenangebots vorgenommen. Dabei wählten wir die laterale
Kanthotomie mit ergänzender vertikaler Kantholyse als orbitalen
Zugangsweg. Der bei diesem Vorgehen mobilisierte laterale Halteapparat
von Lid und Bulbus (Lig. palpebrale lat., Retinaculum bulbi lat.)
wurde nach erfolgter Weich-teil-dekompression obligat refixiert.
Zur Abschätzung der funktionellen Rehabilitation wurden die
präoperativen Befunde (Visus, GF, Hertel-Index, Stellung,
Motilität und BES) den postoperativen gegen-übergestellt.
Ergebnisse: In allen Fällen zeigte sich postoperativ eine
signifikante Besserung von Stellung und Motilität ohne Angabe
von Diplopie. Der postoperative Visusanstieg betrug im Mittel
0,3, die erzielte Minderung der Protusio bulbi 3-4 Millimeter
(Hertel-Index). Eine präoperativ bestehende okuläre
Hypertension war postoperativ nicht mehr nachweisbar.
Zusammenfassung: Aufgrund der guten funktionellen und ästhetischen
Rehabilitation stellt die mikro-chirurgische intrakonale Weichteildekompression
der Orbita über eine laterale Kanthotomie mit ergänzender
Kantholyse bei geeigneten Patienten eine sehr schonende Alternative
zu herkömmlichen Dekompressions-verfahren dar.
DIE LATERALE ORBITEKTOMIE BEI ENDOKRINER ORBITOPATHIE
Howaldt, H.-P.1, Krzizok, T.2, Blecher, J. C.1
Die chirurgische Therapie zur Korrektur des Exophthalmus bei Endokriner
Orbitopathie wird unter den damit involvierten Fachdisziplinen
sehr kontrovers diskutiert. Das in Gießen interdisziplinär
etablierte Konzept sieht eine laterale Orbitektomie zur Rückverlagerung
der Bulbi vor. Dabei wird unter Schonung des Nervus infraorbitalis
der laterale Orbitaboden und die laterale Orbitawand bis in Höhe
der Sutura zygomaticofrontalis entfernt ohne daß eine Jochbeinprominenz
tangiert wird. Unter gleichzeitiger Resektion der Periorbita können
die Weichteile der Orbita in die Kieferhöhle prolabieren
und so das Gleichgewicht zwischen Orbitainhalt und Volumen der
knöchernen Orbitawandung normalisieren. Bei insgesamt 25
Patienten konnte eine Reduktion des Exophthalmus um durchschnittlich
4,5 mm erreicht werden. Eine postoperative Diplopie, wie sie als
typische Komplikation bei der medialen Entlastung entlang der
Siebbeinzellen beschrieben ist, trat in unserem Kollektiv lediglich
bei einer Patientin auf. Postoperative Lidver-ziehungen oder andere
Komplikationen wurden in keinem Fall beobachtet. Weiterhin konnten
wir feststellen, daß die Rück-verlagerung besonders
bei nicht vorbestrahlten Patienten in größerem Umfang
erfolgreich erreicht werden konnte. In jedem Fall konnte eine
für die Patienten deutliche funktionelle und ästhetische
Verbesserung erzielt werden.
Die Gießener Arbeitsgruppe zieht daraus den Schluß,
daß die laterale Orbitektomie als komplikationsarme Methode
empfohlen werden kann. Sie ist auch ohne Symptome nach Werner
Stadium 5 und 6 indiziert, weil in zuverlässiger Weise eine
Reduktion des Exophthalmus erreicht wird.
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
und
2 Augenklinik für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie
der Justus-Liebig-Universität Gießen
VERTIKALE SCHIELWINKELENTWICKLUNG NACH DEKOMPRESSION BEI ENDOKRINER
ORBITO-PATHIE
S. Pfennigsdorf, A. Schmidt, J.E. Sold, W.D. Schäfer
Hintergrund: Untersucht werden soll der Einfluß der orbitalen
Dekompression mit und ohne gleichzeitige Schieloperation auf die
postoperative Schielwinkelentwicklung.
Patienten: Bei 36 Patienten (28 Frauen, 8 Männer; Alter:
49,7 ? 13,1 Jahre) wurde eine Dekompression der Orbita (äußere
Ethmoidektomie über medialen Hautschnitt) durchgeführt.
Bei allen Patienten erfolgte zuvor eine Therapie mit systemischen
Steroiden und/oder eine Retrobulbärraumbestrahlung. 14 Patienten
wurden einseitig, 22 beidseitig operiert. Bei 19 Patienten wurde
die Dekompression in gleicher Sitzung kombiniert mit einer Rücklagerung
des M. rectus internus. 8 Patienten unterzogen sich 11,5 ? 5,7
Monate später noch einer alleinigen Schieloperation (9 Operationen).
Ergebnisse: Die postoperativen Schielwinkel zeigten eine starke
Variabilität. Die gleichzeitig schiel-operierten Patienten
zeigten keine Zunahme des horizontalen Schielwinkels (-0,5 ? 8,6
pdpt). Bei präoperativ konvergenter Stellung war diese Reduktion
des Schielwinkels noch deutlicher (-4,0 ? 12,4 pdpt). Bei den
nicht gleichzeitig schieloperierten Patienten kam es dagegen zu
einer Zunahme des horizontalen Schielwinkels (+2,41 ± 7,1
pdpt). Bezüglich der vertikalen Schielwinkel kam es in beiden
Gruppen zu einer Winkelvergrößerung. Tendenziell war
diese Winkelvergrößerung geringer in der Gruppe der
nicht gleichzeitig schieloperierten Patienten (1,3 ? 6,5 pdpt
gegenüber 3,7 ? 12,7 pdpt in der Gruppe der gleichzeitig
schiel-operierten Patienten). Konstante Schielwinkel konnten häufig
erst 1 Jahr nach erfolgter Dekompression erreicht werden. Die
Reduktion des Exophthalmus korrelierte mit der Zunahme des horizontalen
Schiel-winkels. Eine entsprechende Korrelation bezüglich
der Variation des vertikalen Schielwinkels konnte hingegen nicht
gefunden werden. Bei allen Patienten kam es nach der im Intervall
durchgeführten Schiel-operation zu einer Reduktion von horizontalem
oder vertikalem Schielwinkel und zur Doppel-bild-freiheit.
Zusammenfassung: Einen positiven Effekt auf den postoperativen
Schielwinkel hat die gleichzeitige Schieloperation bei einer präoperativ
bestehenden konvergenten Stellung. Die gleichzeitige Schieloperation
im Rahmen der orbitalen Dekompression bei sonstigen präoperativen
Stellungen ist wegen der deutlichen Schwankung der postoperativen
Ergebnisse und der guten Steuerbarkeit der im Intervall erfolgten
Schiel-operation kritisch zu bewerten.
AUGENKLINIK DER JULIUS-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT WÜRZBURG,
JOSEF-SCHNEIDER-STR. 11, 97080 WÜRZBURG
ERGEBNISSE DER TRANSNASALEN ENDOSKOPISCH KONTROLLIERTEN ORBITADEKOMPRESSION
BEI SCHWERER ENDOKRINER OPHTHALMOPATHIE.
O. Michel, N. Oberländer, A. Neugebauer, J. Fricke, W.
Rüßmann, Universitäts-HNO-Klinik, 50924 Köln
Die rein endonasal durchgeführte Orbitadekompression bei der
endokrinen Ophthalmopathie mit Visus-verlust und Keratopathie
stellt ein neues, erst seit wenigen Jahren eingeführtes Operationsverfahren
dar. Wir berichten über die ersten Langzeiterfahrungen an
145 dekomprimierten Augen von 78 Patienten, davon 15 Männern.
Das mittlere Alter betrug 52,2 ?10,5 Jahre. Primär beiderseits
wurden 65 Patienten operiert, 4 Augen wurden zu einem späteren
Zeitpunkt wegen erneuter Visusverschlechterung oder Vernarbung
revidiert.
Bei allen Patienten zeigte sich unmittelbar postoperativ ein Visusanstieg
von im Mittel 0,50 (+/-0,27) auf 0,75 (+/-0,21). Bei der Auswertung
der Langzeitbefunde (Operation länger als 6 Monate bis 6
Jahre) zeigte sich ein nochmaliger Visusanstieg im Mittel auf
0,76 (+/-0,22). Weiterhin zeigte sich ein Rückgang des Hertel-Index
von präoperativ 22,2 auf 18,9 (im Schnitt 3,13 mm).
Die transnasale Orbitadekompression verbesserte den Visus in allen
Fällen, der Rückgang im Hertel-Index war anderen, stärker
invasiven Techniken vergleichbar und die Morbidität zu vernachlässigen.
Die Patienten äußerten überwiegend sehr zufrieden
zu dem kosmetischen Ergebnis und dem postoperativen Verlauf. Die
endonasale Orbitadekompression stellt einen erfolgreich anwendbaren
Eingriff zur Abwendung des akuten Sehverlustes dar, ohne daß
weitere gravierende Nebeneffekte beobachtet wurden.
SCHIELWINKEL UND MOTILITÄT NACH BILATERALER ENDONASALER
DEKOMPRESSION MIT UND OHNE EINZEITIGE AUGENMUSKELOPERATION
J. Fricke, A. Neugebauer, P. Hamzei. O. Michel, Universitäts-Augenklinik,
50924 Köln
Die endonasale Orbitadekompression ist ein effektives Behandlungsverfahren
bei akuter kompressiver Optikoneuropathie oder malignem Exophthalmus
im Rahmen der endokrinen Orbitopathie, wenn konser-vative Therapiemaßnahmen
ausgeschöpft sind. Wie die meisten Dekompressionsverfahren
induziert oder vergrößert auch die endonasale Orbitadekompression
häufig Schielstellungen und Motilitätsstörungen.
Wir werteten die prä- und postoperativen strabologischen
Befunde bei insgesamt 58 bilateralen endonasalen Orbitadekompressionen
aus, um eventuelle prädiktive Parameter für die Beeinflussung
der Augenstellung durch die Operation aufzudecken und zu ermitteln,
wann und in welcher Dosierung eine Schieloperation in gleicher
Sitzung indiziert ist.
In 35 Fällen war eine isolierte endonasale Dekompression
durchgeführt worden, in 23 Fällen war eine Dekompression
mit gleichzeitiger bilateraler Rücklagerung des M. rectus
internus (Strecke je Muskel 4-9mm) durchgeführt worden. Der
postoperative Heilverlauf war nach allen Operationen unproblematisch.
Bei isolierter Dekompression wurde in 33 von 35 Fällen eine
Esotropie induzient oder vergrößert, in zwei Fällen
blieb der Winkel konstant. Die Schielwinkeldifferenz betrug 0
bis +40 Grad, der mittlere Winkelzuwachs lag bei + 13,5 Grad.
16 der 20 Patienten in dieser Gruppe, die präoperativ kein
oder nur kleines manifestes Schielen unter 5 Grad hatten, hatten
postoperativ manifeste Winkel über 5 Grad. Es zeigte sich,
daß weder der präoperative Schielwinkel noch die präoperative
Ab- und Adduktionsfähigkeit prädiktiv fur die Schiel-winkelentwicklung
waren.
Bei Kombination von bilateraler endonasaler Dekompression mit
gleichzeitiger Augenmuskeloperation wurde in 4 von 23 Fällen
eine Esotropie induziert oder vergrößert, in den übrigen
Fällen blieb der Winkel gleich oder wurde verkleinert, in
einem Fall wurde eine Exophorie von -2 Grad induziert.
Die Schielwinkeldifferenz betrug -9 bis +8 Grad, die mittlere
Winkeländerung lag bei -0,4 Grad. Keiner der 11 Patienten
in dieser Gruppe, die präoperativ kein oder nur kleines manifestes
Schielen unter 5 Grad hatten, hatten postoperativ einen manifesten
Winkel über 5 Grad. Vier Patienten, die präoperativ
Horizontalwinkel über 5 Grad hatten, hatten postoperativ
Winkel unter 5 Grad. Wir resumieren, daß die gleichzeitige
bilaterale Medialisrücklagerung bei bilateraler endonasaler
Dekompression die Induktion oder Vergrößerung von Schielwinkeln
deutlich reduziert.
LANGZEITERGEBNISSE VON AUGENMUSKELRÜCKLAGERUNGEN (M. RECTUS
INFERIOR BZW. INTERNUS) BEI ENDOKRINER ORBITOPATHIE
J. Esser, A. Eckstein Universitätsaugenklinik, Hufelandstr.
55, 45122 Essen
Ziel der prospektiven Studie war es, die Möglichkeiten einer
Normalisierung von Motilität, Kopffehlhaltung und Lidstellung
bei endokriner Orbitopathie durch Rücklagerungen gerader
Augenmuskeln zu analysieren und hierfür Dosierungsschemata
zu erstellen. Patienten und Methoden: 1986-96 wurden bei 314 Patienten
mit endokriner Orbitopathie Augenmuskeloperationen durchgeführt,
von denen bei 169 Patienten Langzeit-ergebnisse gewonnen werden
konnten (letzte Kontrolluntersuchung: 17,5 Monate postoperativ
[Median; range 6 Monate - 10,4 Jahre]). Insgesamt wurden bei diesen
Pat. 122 unilaterale Rücklagerungen des M. rectus inferior
und 67 Rücklagerun-gen eines oder beider Mm recti mediales
durchgeführt (Kombination von Internus und Medialis-Rücklagerung:
20 Fälle). In allen Fällen wurde die Rück-lagerungs-strecke
präoperativ festgelegt. Ergebnisse: Bei 105 der 122 unilateralen
Inferior-Rück-lagerungen war die manifeste vertikale Schielab-weichung
bei Geradeausblick zum Zeitpunkt der letzten Nachkontrolle ver-schwunden
(Unter-korrektur: 9 Pat.; Überkorrektur: 8 Pat.). Bei 67
Medialis-Rücklagerungen (30 unilateral, 37 bilateral) fanden
sich 18 Unterkorrekturen des horiontalen Fernschielwinkels (11
bei unilateralen und 7 bei bilateralen Eingriffen) und keine Überkorrektur.
Bei insgesamt 22 Patienten wurden ein oder mehrere Folgeeingriffe
durchgeführt. Verbleibende Restschielwinkel fanden sich signifikant
häufiger nach Eingriffen, die früher als 6 Monate nach
Corticoid- und Strahlentherapie vorgenommen wurden. Es fand sich
eine gute Korrelation zwischen der Muskel-rück-lagerungs-strecke
und der Schiel-winkelreduktion (M. rectus inferior: r=0,93; M.
rectus medialis [uni- und bilateral]: r=0,81). Im Gegensatz zur
dosisunabhängigen Verschlech-terung der Unterlidretraktion
korrelierte die Besserung der Oberlidretraktion mit der Muskel-rücklagerungs-strecke
des M. rect. inferior. Schlussfolgerungen: Bei Schielwinkeln von
< 15° besteht bei klinisch inaktiver endokriner Orbito-pathie
eine gute Langzeitprognose durch die ausschließliche Rücklagerung
gerader Augenmuskeln. Der Dosis-Wirkungs-Koeffizient ist unabhängig
von der Größe des präoperativen Schiel-winkels.
Aus der Regressionsanalyse des Dosierungseffekts können folgende
Dosierungs-em-pfeh-lungen abgeleitet wer-den: einseitige Rücklagerung
des M. rect. inferior: 1,8°-1,9° Fernschiel-winkel-verminderung
/ mm Rücklagerungsstrecke; Rücklagerungen des M. rectus
internus: 1,5°-1,8°/mm. In den ersten post-operativen
Tagen muss zu-nächst mit einer passageren Unterkorrektur
gerechnet werden, die nicht zu voreiligen Revisionsoperationen
Anlass geben sollte. Die Ergebnisse der 6-Wochen-Kontrolle ähneln
dahingegen denjenigen bei der Langzeitkontrolle.
LIDCHIRURGIE BEI ENDOKRINER ORBITOPATHIE
W.Konen, P.Esser, S.Roters, Universitäts-Augenklinik,
50924 Köln
Die temporale Tarsoraphie zur Verkleinerung der krankhaften Lidspaltenerweiterung
stellt eine kosmetische Beein-trächtigung dar. Man soll sie
bei der endokrinen Orbitopathie als Dauerlösung mit Zurückhaltung
ausführen. Im Falle der endokrinbedingten Lidspaltenerweiterung
stehen mehr kausal ausgerichtete, alternative Operationsmethoden
zur Verfügung. Ursächlich für die Lidretraktion
von Ober- und Unterlid ist die fibröse Verkürzung des
Lidhebers einerseits und des Unterlidretraktors andererseits.
Die Wechsel-wirkung zwischen eingeschränkter Bulbushebung
und scheinbarer Oberlidretraktion ist zu berücksichtigen.
Die technische Ausführung und die Probleme:
der Levatorrücklagerung mit und ohne Interponat,
der Retraktordurchtrennung mit Interponat
werden dargestellt.
3. Sitzung: Gesundheitsökonomische Aspekte
in der Strabologie
GESUNDHEITSÖKONOMISCHE METHODEN ZUR EVALUATION VON SCREENINGVERFAHREN
K. Lauterbach, Köln
Screeningverfahren dienen im Rahmen der sekundären Prävention
der Sicherstellung der frühestmöglichen Diagnose und
Therapie definierter Erkrankungen. Zur Beurteilung von Screeningverfahren
sind Kriterien der Erkrankung, der Population und des Screeningverfahrens
selbst von Bedeutung. Bezüglich der Kriterien des Screeningverfahrens
spielt bei wachsender Ressourcenkappheit im Gesundheitswesen zunehmend
eine möglichst hohe Kosten-Effektivität eine entscheidende
Rolle. Zur gesundheitsökonomischen Beurteilung von Screeningverfahren
stehen dabei grundsätzlich verschiedene Methoden zur Verfügung,
einerseits eine partielle Evaluation in Form einer reinen Kostenanalyse,
andererseits vollständige Evaluationen wie beispielsweise
Kosten-Effektivitäts-Analysen, Kosten-Nutzwertanalysen und
Kosten-Minimierungsanalysen.
Bisher sind in Studien zum Amblyopie-Screening gesundheitsökonomische
Fragestellungen nur selten berücksichtigt worden.
Bei der Kosten-Effektivitätsanalyse können als Effektivitätsmaß
die Zahl entdeckter Fälle, die Zahl behandlungs-bedürftiger
Fälle und eine Änderung der nicht Präferenz-basierten
Lebensqualität dienen.
Voraussetzung für eine Kosten-Nutzwertanalyse wären
Präferenz-basierte Lebensqualitätsdaten. Daten zur (nicht)
Präferenz-basierten Lebensqualität für Patienten
mit und ohne Amblyopie liegen jedoch bisher nicht vor.
Eine weitere Möglichkeit zur Evaluation von Amblyopie-Screening-Verfahren
ist die Kosten-Minimierungs-analyse. Diese bestimmt das kostengünstigere
zweier Verfahren unter der Annahme, daß beide Verfahren
eine gleich große Wirksam-keit besitzen (z. B. eine gleich
hohe Anzahl entdeckter Fälle)
KOSTENEFFEKTIVITÄT DER ORTHOPTISCHEN FRÜHERKENNUNGSUNTERSUCHUNG
VISUELLER ENTWICKLUNGSSTÖRUNGEN IM KINDERGARTEN
HH König1), JC Barry2), E Zrenner2), R Leidl1)
1) Abt. Gesundheitsökonomie, Universität Ulm, 89069
Ulm
2) Augenklinik Abt. II, Sektion für Motilitätsstörungen,
Universität Tübingen, Schleichstr. 12-16, 72076 Tübingen
Hintergrund: Orthoptische Reihenuntersuchungen im Kindergarten
in der Altersgruppe von 3 bis 4 Jahren sind eine Option zur Verbesserung
der Früherkennung von unbehandelten Amblyopien. Ziel der
Studie ist die Analyse der Kosteneffektivität einer solchen,
zusätzlich eingeführten Reihenuntersuchung. Methodik:
Basierend auf Informationen aus eigenen Untersuchungen und der
Literatur wurde ein exploratives entscheidungstheoretisches Modell
entwickelt. Danach werden alle Kindergartenkinder im Alter von
3 bis 4 Jahren, die nicht bereits wegen Amblyopie in Behandlung
sind, im Kindergarten orthoptisch untersucht. Unsichere Befunde
werden im Kindergarten ein Jahr später orthoptisch kontrolliert.
Kinder mit positiven Befunden werden zur Diagnosestellung einem
Augenarzt vorgestellt. Daten zur Größe und Altersstruktur
von Kindergartengruppen, zur Teilnahmerate an Reihenuntersuchungen,
zur Prävalenz amblyogener Entwick-lungs-störungen und
zur Zuverlässigkeit der orthoptischen Reihenuntersuchung
wurden der Literatur entnommen. Als Effektgröße wurde
die Zahl der richtig neu erkannten behandlungsbedürftigen
Amblyopien festgelegt. Als Kosten wurden die direkten Kosten (Personal-,
Sach-, Fahrt- und Organisationskosten) aus der Perspektive eines
potentiellen Kostenträgers ermittelt. Unsichere Annahmen
wurden durch Sensitivitäts-analysen geprüft. Ergebnisse:
In der Basisanalyse betragen die Kosten der orthoptischen Untersuchung
14,07 DM pro Kind. Die augenärztliche Untersuchung kostet
71,20 DM. Bei einer Prävalenz von 1,25% neu behandlungsbedürftigen
Kindern in dieser Altersgruppe, einer Sensitivität von 95%,
einer Spezifität von 98% und 10% unsicher-kontrollbedürftigen
Ergebnissen ergeben sich Kosten pro neu erkanntem behandlungs-bedürftigen
Fall von 1.639 DM. Die Sensitivitätsanalyse zeigt einen großen
Einfluß der Prävalenz, der Spezifität sowie der
durchschnittlichen Zahl der untersuchten Kinder pro Kindergarten
auf die Kosten-effektivität. Die erneute orthoptische Untersuchung
von kontrollbedürftigen Erstbefunden im Kindergarten ist
kosteneffektiver als die sofortige Kontrolle durch den Augenarzt.
Schlußfolgerung: Das entscheidungs-theoretische Modell erbrachte
stabile Ergebnisse, die als Grundlage einer Diskussion über
die Einführung einer Reihenuntersuchung sowie zur Planung
einer Feldstudie und zur Modellierung von Folgewirkungen genutzt
werden können.
AUGENBEFUNDE DER EINSCHULUNGSUNTERSUCHUNG 1998 IM SAARLAND
B. Käsmann-Kellner1, I. Schmitt2, R. Klein3, K.W. Ruprecht1
1) Augenklinik der Universität des Saarlandes
2) Gesundheitsamt Saarbrücken, Jugendärztlicher Dienst
3) Ministerium für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales
des Saarlandes für die Jugendärztinnen der Gesundheits-ämter
des Saarlandes
Hintergrund Die hervorragende Zusammenarbeit der Jugendärztlichen
Dienste des Saarlandes (Gesund-heitsämter Saarbrücken,
Homburg, Merzig, Neunkirchen, St. Wendel) macht es möglich,
die gesammelten Ergebnisse der Einschulungs-untersuchung eines
Bundeslandes darzustellen.
Methode Die Untersuchungsparameter waren in Zusammenarbeit mit
der Univ.-Augenklinik festgelegt, auf die Bedürfnisse einer
Reihenuntersuchung durch fachfremde Untersucher abgestimmt
und in allen Einschulungs-unter-suchungen verwendet worden. Untersucht
wurden: Visus (Pflasterokklusion, R11-Gerät), Farbensehen
(Ishihara), Stereopsis (Lang Test). Überweisung zum Augenarzt
ab Visus ?0,7, Visusunterschied R/L größer eine Stufe
sowie bei Auffälligkeiten der anderen Teste.
Ergebnisse Vorsorgestatus allgemein: Vollständiger Vorsorgestatus
(alle U´s durchgeführt): 56,4%. Teilnahme weder an
U7,8 oder 9: 13,3%. Augen: Auffällig insgesamt: 36,1% (n=4164
Kinder). Visus-reduktion 30,3%, Farbensinnstörung 1,9%, Strabismus
3,5%, Sehbehinderung 0,4%. Weitere auffällige Organsysteme:
Skelett 33,5%, Zähne 32,6%. Für den Stadtverband Saarbrücken:
Augenarztüberweisungen: n=1108. Keine Rückmeldung: 380
(Kind nicht vorgestellt worden?), Brille: 226, kontrolbedürftig:
346, kein path. Befund: 156.
Schlußfolgerung Die Ergebnisse der Einschulungsuntersuchung
an 12192 Kindern (gesamte Jahrgangs-stufe eines Bundeslandes)
ist aufgrund des hohen Prozentsatzes auffälliger Befunde
ein relevanter Beitrag zur Unterstützung der Forderungen
nach einer augenärztlichen Vorsorgeuntersuchung vor dem 6.
Lebens-jahr. Nur eine flächendeckende Vorsorge um das 2./3.
Lebensjahr kann die hohe Prävalenz pathologischer Befunde
zur Zeit der Einschulung senken.
Wir bedanken uns bei den Jugendärztinnen des Saarlandes dafür,
ihre Ergebnisse vorstellen zu können.
FRÜHERKENNUNG VON REFRAKTIONSFEHLERN MIT EINEM HANDGEHALTENEN
AUTOREFRAKTO-METER OHNE ZYKLOPLEGIE ?
PD Dr. rer.nat. Wolfgang Wesemann (1)
PD Dr. med. Burkhard Dick (2)
(1) Höhere Fachschule für Augenoptik Köln
(2) Universitäts-Augenklinik Mainz (Direktor: Prof. Dr. med.
Norbert Pfeiffer)
Ziel: In einer vergleichenden Untersuchung wurde ermittelt, wie
zuverlässig Autorefraktometermeßwerte, die mit dem
Nikon-Retinomax gemessen worden waren, ohne Zykloplegie sind.
Patienten: 79 Augen von 40 Kindern zwischen 2 und 12 Jahren. Methode:
Bei allen Kindern wurde die Ametropie mit dem hand-gehal-tenen
Autorefraktometer und dem Skiaskop bestimmt. Die Messungen wurden
sowohl in Miosis als auch unter Zykloplegie vorgenommen. Ergebnisse:
Unter Zykloplegie waren die Autorefrakto-meter-ergebnisse recht
zuverlässig. Ohne Zykloplegie wurden 24 % der Augen um -
2 dpt oder mehr minus-über-korrigiert. Die größte
Minusüberkorrektion von - 10 dpt trat bei einem 2jährigen
auf. Schluß-folgerungen: Die Ergebnisse zeigen, daß
Autorefraktometerergebnisse nicht ungeprüft übernommen
werden dürfen und unterstreichen die Bedeutung der Zykloplegie
bei der Refraktionsbestimmung von Kindern.
4. Sitzung: Freie Vorträge
AKTUELLE ASPEKTE ZUM KONGENITALEN SCHIELSYNDROM
Joseph Lang, Forch
Das Bild des kongenitalen Schielsyndroms ist allgemein bekannt:
Schielen seit Geburt oder im ersten Halbjahr auftretend, Nystagmus
vom Latens-Typ, DVD mit Exzyklorotation des nach oben abweichenden
Auges und Torticollis.
Das charakteristische und wichtigste Symptom ist der Nystagmus
vom Latens Typ. Er ist nie erworben. Er entwickelt sich aus einer
beidseits nasal exzentrischen Fixation. Es handelt sich um eine
primäre Fixations-störung, beruhend auf der Dominanz
der nasalen Netzhauthälften, bez. der gekreuzten Sehnervenfasern.
Wichtig sind auch kongenitale Krankheitsbilder die keinen Nystagmus
vom latens Typ zeigen
Die DVD kann erworben sein. Die von Bielschowsky geforderten zerebralen
Zentren der Vertikal-deviation sind nie nachgewiesen worden, aber
das 1955 von Warwick aufgestellte Schema des Oculo-motoriuskernes
mit gekreuzter Innervation des M. rectus sup. und die Verdunkelungsprobe
nach Bielschowsky bieten sich zur Erklärung der DVD an.
MEDIALE 1/3 TENOTOMIE BEIM FRÜHKINDLICHEN INNENSCHIELEN
Sylvia Motz, Ulperting; W. Lange, Prien
Bei konvergenten Schielwinkeln deutlich über +20° gelingt
es häufig mit einer auch noch so kräftig dosierten marginalen
Myopexie alleine nicht, das Operationsziel eines postoperativen
Mikrostrabismus zu erreichen. Viele ergänzend mögliche
operative Ansätze sind von jeweils typischen Nachteilen behaftet.
Die Modifkation eines 1974 von Prof. Piper erstmalig vorgeschlagenen
Verfahrens zur partiellen Ansatztenotomie (Original-vorschlag
4/5 Desinsertion) bietet hier eine erfolgversprechende Alternative.
Die aktuelle Modifikation des Verfahrens zur medialen 1/3 Tenotomie,
Vorzüge und Nachteile der Technik sowie motorische und sensorische
Kurz-Mittel- und Langzeitergebnisse werden in dem Beitrag dargestellt.
HAT DIE ÄQUATORIALE MYOPEXIE EINEN PROPRIOZEPTIVEN EFFEKT
AUF DIE AUGENSTELLUNG ?
D. Friedrich
Die Faden-Operation nach Cüppers ist die einzige Augen-muskel-Operation
mit direkter Alteration der Muskelfasern im Übergang vom
bulbären zum orbitalen Muskelanteil. Bislang wird ihre Wirkung
fast ausschließlich mechanistisch diskutiert. Die Dosierung
der Fadenfixation richtet sich nach der Indikation und ist definiert
nach der Distanz zwischen Muskelansatz und nötiger ( bei
Maximaldosierung : möglicher ) Muskelfixation auf der Sklera
im äquatorialen und retroäquatorialen Bulbusanteil.
Palisadenendigungen in menschlichen Augenmuskeln sindvom ersten
distalen Drittel der Muskellänge an nachweisbar. In etwa
dieser Höhe erfolgt die Fadenlegung für die Myopexie
innerhalb eines relativ eng gesteckten Längenmaßes
von maximal 5 mm, da man sich nach der Fixierbarkeit auf dem Bulbus
richtet.
Bei 6 Patienten wurde wegen unterschiedlich schwieriger anatomischer
Bedingungen auf die Sklerafixation verzichtet und neben einer
Rücklagerung lediglich die Randumschlingung der Muskeln wie
bei einer Myopexie vorgenommen. Die postoperativen Ergebnisse
sind überraschend gut und zeigen einen positiven Latenz-Effekt.
Eine über den mechani-schen Effekt hinaus wirkende Ursache
wird angenommen und diskutiert.
MUSKELCHIRURGIE BEI PATIENTEN NACH MAKULAROTATION - PRIMÄR
ODER SEKUNDÄR?
U. Eckardt, C. Eckardt
Die Verlagerung der Fovea bei einer Makularotationschirurgie führt
in der Regel zu Diplopie und einem schrägen Seheindruck.
Zur Beseitigung dieser Komplikation wurden verschiedene Eingriffe
an den schrägen und geraden Augen-muskeln zu unterschiedlichen
Zeitpunkten durchgeführt.
Material und Methode: Zwischen Februar 1997 und April 1999 wurde
zur Behandlung einer altersbedingten Makula-degeneration bei 56
Patienten eine Netzhautrotation von 20-45° nach oben durchgeführt.
Mit Ausnahme von 4 Patienten wurde am Makula-rotierten Auge stets
eine kombinierte Operation der schrägen Augenmuskeln durchgeführt.
Bei den meisten Patienten wurden außerdem durch Spaltung
gerader Muskeln 2 bis 4 Muskelstrips gebildet, die so verlagert
wurden, daß eine Gegenrotation zur Netzhautrotation entstand
(7-8° pro Muskelstrip). Diese Muskeloperation wurde bei 42
Patienten primär, d.h. gleichzeitig mit der Makularotation
durchgeführt. Bei 10 Patienten erfolgte sie als sekundärer
Eingriff, und zwar bei 6 Patienten in Kombination mit der Siliconölentfernung
(durchschnittlich 6 Wochen nach der Makularotation) und bei 4
Patienten zu einem späteren Zeitpunkt. Zur Kompensation von
Vertikal- und Horizontalabweichungen sowie Restzyklotropien wurde
bei 46 Patienten zusätzlich primär oder sekundär
auch das Partnerauge operiert.
Ergebnisse: Durch alleinige Operation an den Mm. obliquii
konnte eine Gegendrehung (Exzyklotropie) von 12-15° erzielt
werden. In der Regel reichte dies nicht aus, um Beschwerdefreiheit
zu erzielen. Durch Bildung zusätzlicher Muskelstrips konnte
die Inzyklotropie dagegen stets kompensiert werden. Auf das Endergebnis
hatten die unterschiedlichen Zeitpunkte der Eingriffe keinen Einfluß.
Die Anzahl der muskelchirurgischen Nachoperationen war in
der Gruppe der primären Eingriffe nicht höher als in
der Gruppe der sekundären.
Schlußfolgerung: Durch Gegendrehung des Bulbus
mittels torsionaler Muskelchirurgie ist es möglich, selbst
Netzhaut-drehungen bis zu 45° zu kompensieren. Zur vollständigen
Beseitigung der Diplopie und des schrägen Seheindruck ist
es jedoch häufig erforderlich, auch das Partnerauge zu operieren.
Um die Patienten nicht unnötig zu belasten, erscheint uns
eine primäre Muskeloperation sinnvoll.
Augenklinik der Städt. Kliniken Frankfurt a.M. Höchst,Gotenstr.
6-8, 65929 Frankfurt
DER EFFEKT DER WINDMÜHLEN-OPERATION BEI DER MAKULAROTATION
UND IHR EINSATZ BEI STRABOLOGISCHEN INDIKATIONEN
H.G.Conrad (Bremen),U.Eckardt (Frankfurt/M.-Höchst)
Die Netzhautrotation um 45° bedarf der Gegenrollung durch zyklotorsionale
Muskel-chirurgie. Das verkippte Bild wird sensorisch selbst monokular
nicht aufgerichtet. Obliquus-Chirurgie und bisherige Rectus-Operationen
genügen mit je 15° nicht. Zusätzlich bewirkt die
Makulaektopie eine vertikale und horizontale Dezentrierung der
Sehachse. Da die Indikation in der drohenden Erblindung des zweiten
Auges infolge Makuladegeneration besteht, wagten wir die Entwicklung
einer wirksameren Operation an den sechs Muskeln des betroffenen
Auges mit 45° zyklotorsionalem Effekt (Windmühle). Die
Rück-/Vorlagerung der Obliqui um gut 45° bzw. 12 mm wird
kombiniert mit der Abspaltung von je 1/4 der Recti-Fasern auf
11 mm, Unterkreuzen und Wiederannähen auf dem freigewordenen
Ansatzviertel des jeweiligen Nachbarn nach Uhrzeigerweise. Die
verpflanzten Zügel rollen den Bulbus hin zu ihren Muskelstämmen.
Deren Ziliararterien werden nicht durchtrennt.
Die Inzyklorotation der Netzhaut um den Sehnerven induziert eine
Ektopie der Makula nach oben und innen (bei Exzyklorotation nach
unten und innen). Die Sehachse schielt 45° inzyklovergent,
10° nach unten und 5° divergent. Beide Pupillen stehen
normal. Nach der Einstellbewegung der ektopischen Sehachse aufwärts
und einwärts steht ihre Makula weiterhin inzyklo, ihre Pupille
steht ektopisch nach oben und innen, das Pupillenpaar blickt scheinbar
seitlich aufwärts. Die perfekte zyklotorsionale Muskeloperation
stellt die Sehachse dreidimensional ortho, die Einstellbewegung
entfällt. Die betroffene Pupille bleibt gegenüber ihrer
Sehachse unverändert ektopisch: 10° nach oben, unauffällig
5° nach innen und unmerklich 45° exzyklo-ektopisch. Das
Ergebnis ist somit ein Pseudostrabismus nach oben mit positivem
Bagolini-Test. "Ektopisch" ist fast der ganze Bulbus - nur die
Netzhaut steht da, wo sie zuvor stand. Die Muskel-Drehmomente
bewegen die Netzhaut, mit geringen Einschränkungen, wie zuvor.
Diese Perfektion gelingt der Windmühle, sobald sie zufällig
um die Papille dreht - oder dank starker peripherer Fusion. Häufiger
drehen die Windmühlen ideal zyklotorsional um den Hinterpol.
Dabei wandern die Makulae nur zur Hälfte herab, dafür
leicht nach außen. Dann erzwingt man die binokulare Einstellung
mit Pseudostrabismus durch Rücklagern des Rectus superior
am Gegenauge in gleicher Sitzung mit der Silikonöl-Entfernung
am netzhautrotierten Auge. Im Falle zusätzlicher Exotropie
nach Anopsie empfiehlt sich gleichzeitig eine Ext.-Rücklagerung.
Dies hat sich als so gut steuerbar erwiesen, daß wir die
Spaltung eines oder mehrerer der geraden Muskeln nun auch bei
strabologischen torsionalen Stellungsfehlern einsetzen: Steigerung
der torsionalen Kesten-baum-Operation. Bds. Troch-learis-parese
mit 25° Exzyklovergenz im Abblick. Zyklovergenz (Zy.) bei
Okulomotoriusparalyse mit Trochlearis-paralyse. Zy. nach Verpflanzung
des Obliquus superior mit Trochleasprengung. Zy. bei bds. Trochlea-dislokation
infolge Stirnhöhlen-Carcinom-Op.. Zy. nach Hummels-heim-Pfropfung.
Zy. nach exzessiver Horizontal- u. Vertikal-korrektur. Zy. nach
Cerclage-Aufnähung. Tors.Dosierung: 7,5° pro Rectus-Zügel.
Horiz. u. vert. Neben-wirkung: je 4° pro Zügel, null
Grad pro Antagonistenpaar. Wir arbeiten an asymmetrischen Zügelpaaren
gegen vertikale Unwucht, um auch die "ideal" drehenden Windmühlen
zu perfektionieren.
DYNAMISCHE STEREOPSIS BEI PATIENTEN MIT STRABISMUS
K-A. Mollenhauer, W. Haase
Universitätsaugenklinik Hamburg-Eppendorf
Bei 23 Patienten mit Esotropie und 23 Patienten mit Exotropie wurde
das dynamische Stereosehen untersucht. Patienten mit einem mittleren
Schielwinkel von 12,5° zeigten in der Peripherie zwischen
5° und 20° in 45,7% aller Fä1le dynamische Stereopsis,
bei 26,1% ohne nachweisbare statische Stereopsis.
STEREOGENAUIGKEIT, STEREOLATENZ UND TIEFE DES STEREORAUMES FÜR
RANDOM-DOT STEREO-GRAMME BEI PATIENTEN MIT BINOKULARSTÖRUNGEN
A. Neugebauer, H. Kühner, H. Nobis, U. Pink, W. Konen,
Universitäts-Augenklinik, 50924 Köln
Wir führten bei 18 Patienten mit Binokularstörungen (Heterophorie,
Strabismus divergens intermittens, akkommo-dativer Strabismus,
Strabismus surso- und deorsoadductorius, Mikrostrabismus, Anisometropie)
und bei 18 Normal-personen Untersuchungen mit selbstgenerierten
Random-Dot Bildschirmtests durch.
Die Bildtrennung erfolgte zur Minimierung der Dissoziation mittels
Liquid-Shutter Brille.
Bei Patienten mit Binokularstörungen fand sich für die
Stereogenauigkeit eine Unterschätzung der räumlichen
Tiefe besonders für hohe Disparationen (>= 72 Winkelminuten).
Ebenfalls für hohe Disparationen fanden sich bei Patienten
mit Binokularstörungen verlängerte Stereo-latenzen,
die sich bei kontinuierlicher und tachistoskopischer Darbietung
nachweisen ließen. Die Tiefe des Stereoraumes war zu hohen
Disparationen hin bei einigen der Patienten mit Binokularstörunen
eher begrenzt als bei Normalpersonen. Es zeigte sich kein konstanter
Zusammenhang zwischen Amblyopien und auffälligen Ergebnissen
in den Testanordnungen.
Es zeigte sich für das Auftreten von Anomalien ein deutlicher
Zusammenhang mit der Stimulusgröße.
Es wird versucht, die kinischen Individualbefunde (Visus, Reihenvisus,
Klinische Stereotests, Schielwinkel-größe, Ergebnisse
der Korrespondenzprüfung) mit dem Ausmaß der Anomalien
in den Tests zu korrelieren.
Die Befund werden im Hinblick auf neurophysiologische Modelle
und im Hinblick auf Theorien zum Panumschen Fusionsraum diskutiert.
NEUROPROTEKTION - THERAPIEKONZEPT MIT ZUKUNFT?
W. Lagrèze, Universitäts-Augenklinik, D-79106 Freiburg
Im extrazellulären Raum des zentralen Nervensystems steigt
bei Hypoxie die Konzentration des Neurotransmitters Glutamat.
Die dadurch bedingte übermäßige Aktivierung von
Glutamat-Rezeptoren, insbesondere des NMDA-Rezeprors, induziert
einen Anstieg der intrazellulären Kalziumkonzentration. Dies
kann zu einer irreversiblen Schädigung der Nervenzellen führen.
Auch bei Ischämie der Netzhaut und beim Glaukom kommt es
zu einem Anstieg von Glutamat. Es stellt sich die Frage, ob durch
Antagonisierung des Glutamats Ganglienzelluntergang in der Netzhaut
reduziert werden kann.
Bei Ratten wurde die Durchblutung der Netzhaut durch einstündige
Erhöhung des Augeninnnendruckes über den systolischen
Blutdruck unterbrochen und die Netzhäute 2 Wochen danach
histologisch untersucht. Zunächst wurde die Zeitabhängigkeit
der Gabe des NMDA-Rezeptorantagonisten Memantin (Akatinol Memantine®)
untersucht. Erhielten die Tiere kein Memantin, überlebten
33% der Zellen die Ischämie. Wurde Memantin vor der Ischämie
gegeben, überlebten 61% (p<0,001) der Zellen. Wurde Memantin
1 Stunde nach Ischämieende gegeben, überlebten 52% (p<0,05)
der Zellen. Wurde Memantin 4 Stunden nach Ischämieende gegeben,
überlebten 48% (p>0,05) der Zellen.
Als weitere, möglicherweise neuroprotektive Substanzen testeten
wir im Vergleich zu Memantin Cerestat (Aptiganel®), einen
NMDA-Rezeptor-Antagonisten, und Riluzol (Rilutek®), einen
Glutamat-freisetzungs-hemmer. Bei diesen Versuchen wurden die
Substanzen vor der Ischämie gegeben, da eine neuroprotektive
Wirkung am deutlichsten bei prophylaktischer Gabe zu erwarten
war. Bei den Tieren, die kein Medikament erhielten, überlebten
28% der Zellen die Ischämie. Unter Memantin überlebten
48% (p<0,05), unter Cerestat 61% (p<0,05) und unter Riluzol
44% (p<0,05) der Zellen.
Inwieweit lassen sich die dargestellten Untersuchungsergebnisse
auf Patienten übertragen? Nach einem Gefäßverschluß
käme die Wirkung der Glutamat-Antagonisten in den meisten
Fällen zu spät, da die Patienten meist erst nach Stunden
bis Tagen zur Behandlung kommen. Hingegen besteht beim Glaukom
eine Chance, Glutamat-Antagonisten erfolgreich einzusetzen, da
man bei dieser Krankheit u.a. eine chronische Ischämie vermutet,
die nur sehr langsam zu einem Ganglienzelluntergang führt.
STIMULUSDEPRIVATIONSMYOPIE BEI HUMANEN KONGENITALEN PTOSEN
G- Ch Gusek- Schneider 1, P Martus 2
1 Augenklinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg,
Erlangen. (Direktor Prof. Dr. GOH Naumann) Schwabachanlage 6,
D-91054 Erlangen
2 Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und
Epidemiologie. (Direktor: Prof. Dr. O. Gefeller) Waldstr. 6, D-91054
Erlangen
Ziel: Häufigkeit der Myopien (M), vermutlich Stimulusde-privationsmyopie
(SDM), bei humanen kongenitalen Ptosen (hkP).
Patienten und Methoden: Ausgewertet wurde der Refraktionsstatus
(sphärisches Äquivalent; 79% Zykloplegie) von Ptosis-
und Partneraugen von 100 Patienten mit hkP (72 unilateral: ulP,
28 bilateral: blP). Das Durchschnittsalter bei Untersuchung betrug
mindestens 1 Jahr, durchschnittlich 11,8 Jahre.
Results: Im Vergleich zu normalen Schulkindern fand sich insgesamt
eine höhere Rate von klinisch relevanteren M: < -1 dpt:
15,6 vs 1,4%: p<0,001.- Bei den ulP war beim Ptosisauge die
Rate aller (<0 dpt) M geringer als die der Hyperopien (H) (>0
dpt): 21/72 vs 49/72: p<0,001, jedoch im Vergleich zum Partnerauge
(8/72) signifikant höher: p<0,001. Bei den blP fanden
sich 11/56 M vs 45/56 H: p<0,001. Der Vergleich der Refraktionen
von ulP und blP zeigte keine signifikanten Unterschiede. Eine
bedeckte optisch Achse führte zu siginifikant mehr M bei
blP, aber weniger bei ulP.
Schlußfolgerung: Bei hkP ist das Bild komplexer als beim
gut definierbaren Tiermodell der SDM.
EINFLUß DER OKKLUSIONSTHERAPIE AUF DIE MONOKULARE LOKALISATIONSFÄHIGKEIT
VON KINDERN MIT SCHIELAMBLYOPIE
Maria Fronius1, Alina Zubcov2, Ruxandra Sireteanu1 und Angelika
Büttner1
1Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt/Main,
2Universitäts-Augenklinik Frankfurt/Main
Neben den bereits bekannten Funktionen wie Visus,
Binokularität und Fixation ist bei Schielamblyopen die Fähigkeit
zur korrekten Lokalisation visueller Reize (z.B. bei der vertikalen
relativen Lokalisation) gestört. Bei Lokalisations-aufgaben
haben amblyope Augen erhöhte Unsicherheit und teilweise auch
systematische Verzerrungen.
Wir haben untersucht, ob diese Lokalisationsstörungen
wie die klinischen Parameter durch Okklusions-therapie beeinflußbar
sind. Dazu haben wir in einer prospektiven Studie 16 Kinder zwischen
5 und 10 Jahren über mindestens 6 Monate während ihrer
Therapie verfolgt. Als Vergleichskollektiv wurden gleichaltrige
normalsichtige Kinder über den gleichen Zeitraum mit der
gleichen Methode untersucht. Die Kinder hatten die Aufgabe, auf
einem PC-Bildschirm jeweils monokular drei Reize entlang einer
Vertikalen anzuordnen.
Bei Einstellung mit dem amblyopen Auge nahm
die ursprünglich erhöhte Unsicherheit während des
Visusanstiegs ab. Unerwartet war die Entwicklung der systematischen
Fehler. Bei mehreren Kindern stellte sich nach Therapiebeginn
eine Verschiebung der Mittelwerte (meist nasalwärts) ein,
also eine Richtungs-umkehr bei ursprünglich temporaler Fehllokalisation
bzw. ein Fehleranstieg bei ursprünglich relativ korrekten
Mittelwerten.
Aus unseren Befunden ergibt sich die Frage,
ob es während der Therapie zu selektiver Änderung der
Raumwerte der amblyopen Augen in bestimmten Gesichtsfeldbereichen
kommt.
DYNAMISCHE VERROLLUNG BEI PATIENTEN MIT STRABISMUS SURSOADDUKTORIUS
UND TROCH-LEARISPARESE.
H. Steffen, D.C. Roberts und D.S. Zee
Die Studie hat zum Ziel, die Verrollung eines Auges während
Augenbewegungen bei Patienten mit zyklo-vertikalen Störungen
zu beschreiben.
Methodik: 17 Patienten (13 mit Strabismus sursoadduktorius, 4
mit Trochlearisparese) und 10 Normal-personen wurden rekrutiert.
Sakkaden wurden zwischen Licht emittierenden Dioden
in einem Abstand von 124cm ausgeführt. Augenbewegungen und
-position wurden mit der Search-Coil Methode gemessen. Für
jede Sakkade wurde zwischen zwei Fixationspunkten vor und nach
der Sakkade eine lineare Interpolation durchgeführt und von
der während der Sakkade gemessenen Gesamtverrollung subtrahiert.
Man erhält so einen Verrollungswert, der nicht Funktion der
jeweiligen horizontalen oder vertikalen Augenposition ist und
als intrasakkadische bzw. dynamische Verrollung definiert werden
kann.
Ergebnisse: Bei den Patienten mit Strabismus sursoadduktorius
und Trochlearisparese betrug die dynamische Verrollung bis zu
1,5° (MW 0,8°?0,4°) und unterschied sich damit signifikant
von den entprechenden Werten der Normalgruppe, die um 0° schwankten.
Auch auf dem nicht betroffenen Auge war die dynamische Verrollung
größer (MW 0,6°? 0,2°) als in der Normalgruppe.
Die dynamische Verrollung korrelierte nicht mit den als Schielwinkel
gemessenen Zyklodeviationen (=statischer Schielwinkel).
Schlussfolgerung: Die dynamische Verrollung kann als Abweichung
des Listing'schen Gesetzes während Augenbewegungen interpretiert
werden. D.h. daß Augen von Patienten mit Trochlearisparese
bzw. Strabismus surso-adduktorius um Achsen duzieren, die nicht
in der Listing'schen Ebene liegen. Der Nachweis dynamischer Verrollung
auf dem klinisch nicht betroffenen Auge bei vielen der o.g. Patienten
bedarf weiterer Klärung.
1 The Johns Hopkins Hospital, Depts. of Neurology and Ophthalmology,
600 N Wolfe Street, Baltimore, MD 21287, U.S.A.
2 Universitäts-Augenklinik Heidelberg, INF 400, D-69120 Heidelberg
unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (Ste
860/2-1)
DIE ROLLE DER KINETISCHEN PERIMETRIE IN DER NEUROOPHTHALMOLOGIE
G.H. Kolling, B. Wabbels, Univ.- Augenklinik Heidelberg, Im
Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg
Die computergestützte, statische Schwellenperimetrie wird
heutzutage als das beste Verfahren angesehen, zum Teil auch für
die Neuroophthalmologie. Demgegenüber wird die kinetische
Perimetrie nur bei Begutachtungsfälle im Versicherungswesen
und für den Straßenverkehr und bei nicht kooperativen
Patienten bevorzugt.
Ergebnisse: Es werden Patienten demonstriert, die bei der Rasterperimetrie
keine eindeutige Halbseiten-störung zeigten. Die entlang
des vertikalen Me-ri-dians verschobenen Isopteren belegten jedoch
eindeutig den hemian-open Charakter der Störung. Durch einen
4-Punkte-Test mit Farbvergleich in 4 Quadranten kann bei kooperativen
Patienten schon am Untersuchungsplatz die Diagnose einer relativen
Halbseiten-störung gestellt werden.
Bei der kinetischen Perimetrie ist der Untersucher eine wesentliche
Einflußgröße auf das Ergebnis. Er kann sowohl
nicht vorhandene Ausfälle hinein interpretieren als auch
ohne genaue Kenntnis der Erkrankung Ausfälle übersehen.
Hier kann die automatische kinetische Perimetrie am Twin-field-
Perimeter der Fa. Oculus unterstützend eingreifen, da der
Einfluß des Untersuchers ausgeschaltet ist. Bei Normalpersonen
ist die automatische kinetische Perimetrie schneller als die manuelle
Untersuchung und im Ergebnis ihr gleichwertig. Bei Halbseiten-
oder Quadrantenausfällen hingegen muß noch das Computerprogramm
so geändert werden, daß die typischen neurologischen
Ausfälle automatisch erkannt werden.
Schlußfolgerung: Die kinetische Perimetrie bleibt ein Kernstück
bei der Untersuchung neuroophthal-mologischer Patienten. Deshalb
muß in der Ausbildung der Assistenten und der Orthoptistinnen
weiterhin dafür gesorgt werden, daß gute theoretische
Kenntnisse und die richtige Handfertigkeit vermittelt werden.
Der automatischen kinetischen Perimetrie kann eine wichtige Rolle
in der Perimetrie von neuroophthal-mologischen Patienten zukommen.
KONGENITALE EINSEITIGE OKULOMOTORIUSPARESE UND OPTIKUSHYPOPLASIE
MIT HYPO-THALA-MISCHER FEHLBILDUNG
E. Schulz, Universitäts-Augenklinik Hamburg, H. Jung,
Universitäts-Kinderklinik Hamburg
PROBLEMSTELLUNG: Hypoplasien des Nervus opticus und der Papille
können assoziiert sein mit einer Reihe von systemischen Defekten,
Chromosomanomalien und terratogenen Einflüssen. Relativ häufig
ist das Vorkommen mit sogenannten Mittelliniendefekten, die unter
Umständen auch die Hypophysenregion betreffen können
und entsprechende hormonelle Störungen beinhalten. Vorkommen
bei Augenmotilitäts-störungen ist bisher nur für
das Retraktionssyndrom (Duane) berichtet.
FALLBERICHT: Ein neugeborener Junge zeigte nach unauffälligem
Schwangerschafts- und Geburtsverlauf eine pupillenbedeckende Ptosis
des rechten Auges und eine Divergenzstellung. Er wurde im Alter
von 1 Monat erstmalig beim Augenarzt und umgehend klinisch vorgestellt.
Es imponierte eine Okulomotorius-parese des rechten Auges. Kernspintomographische
Befunde und kinderärztliche Befunde waren unauffällig.
Aus amblyopietherapeutischen Gründen wurde im Alter von 6
½ Wochen eine Lateralis Rücklagerung und Vertikalversetzung
vorgenommen. Hierbei erschienen die Muskeln dünn und fibrotisch.
Bei unzureichendem Effekt und mit konservativen Maßnahmen
nicht freizuhaltenem Sehachsengebiet wurde 1 Monat später
eine weitere Externus Rücklagerung und Medialisfaltung sowie
eine Frontalissuspension vorgenommen. Intraoperativ erschien die
Papille altersentsprechend vital, relativ klein, die Makula leicht
ektopisch. Eine geringe Myopie mit leichtem Astigmatismus gegen
die Regel blieb unkorrigiert. Amblyopietherapie mit Okklusion
½ Wachzeit über 6 Wochen zeigte keinerlei Effekt für
eine Fixationsaufnahme des rechten Auges. Ophthalmoskopisch und
im Seitenvergleich wurde im Alter von ½ Jahr eine Papillenfarbarmut
R deutlich, so daß auf weitere Therapie verzichtet wurde.
Die Funktion des linken Auges war altersentsprechend,--die Morphologie
unauffällig.
Bei deutlichem Minderwuchs im Alter von 1 ½ Jahren wurde
die Empfehlung ausgesprochen kinderärztli-cherseits einen
Wachstumshormonmangel auszuschließen. Dem wurde erst im
Alter von 3 ½ Jahren nachgekommen. Kernspinn-tomographische
Aufnahmen zeigten unauffällige vordere Sehbahn-abschnitte
für Nervi optici, Chiasma opticum und Traktus opticus. Es
fehlen jedoch Hypophysenstiel und Neuro-hypophyse bei verkürztem
Rezessus infundibularis. Eine Wachstumshormonbehandlung wird vorgenommen.
Augenärztlicher Befund im Alter von 4 Jahren :R keine Lichtlokalisation,
L Visus 1,0 Landoltringe einzeln, 0,5 Landolt-ringe Reihe. R afferente
Pupillenstörung bei recht enger Pupille, R Divergenz und
-VD, R farbarme etwas inzyklorotierte Papille, VECP R keine Potentiale
nachweisbar, L P2 Latenz 126 msec., Gesichtsfeld L im Gegen-über-versuch:
freie Außengrenzen.
SCHLUSSFOLGERUNG: Eine opticochiasmatische Fehlbildung mit Betroffenheit
der Hypophyse zeigt hier als okuläre Symptomatik eine kongenitale
Okulomotoriusparese. Die assoziierte Optikushypoplasie ist im
frühen Kindesalter nur im Seitenvergleich der Größenverhältnisse
auffällig.
KLINISCHE ANWENDUNG EINER NYSTAGMOGRAPHISCHEN METHODE ZUR OBJEKTI-VEN
SCHÄTZ-UNG DER MINDESTSEHSCHÄRFE
M. Gräf. H. Kaufmann
Univ.-Augenklinik für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie
Gießen
Hintergrund Auf der 6. Tagung der Bielschowsky-Gesellschaft wurde
eine Methode zur objektiven Schätzung der Mindestsehschärfe
(OSM) durch Suppression des optokinetischen Nystagmus dargestellt.
Es wird nun über die klinische Anwendung der Methode berichtet.
Methode Bei 120 Personen, die entweder zu gutachterlichen Untersuchun-gen
oder zur Diagnostik bei unklaren Sehstörungen in die AKSN
Gießen überwiesen waren, erfolgte eine OSM. Das Ergebnis
wurde mit dem Resultat aller erforderlichen klinischen Untersuchungen
verglichen, nach denen die Glaubwürdigkeit der subjektiven
Angaben beurteilt wurde.
Ergebnisse Aufgrund der klinischen Untersuchungen waren die Visusanga-ben
von 62 Personen glaubhaft. Bei 7 Personen ließ sich anhand
der klini-schen Befunde eine psychogene Uberlagerung weder nachweisen
noch aus-schließen. Bei 51 Personen war das angegebene Sehvermögen
aufgrund der klinischen Befunde nicht glaubhaft. Die OSM deutete
bei einer der 62 Perso-nen mit glaubwürdigen Angaben auf
einen höheren Visus hin. Bei 3 der 7 klinisch nicht eindeutig
einzustufenden Personen ließ die OSM einen höheren
Visus vermuten. Bei 38 der 51 Personen mit unglaubwürdigen
Angaben ergab die OSM den Hinweis auf einen höheren Visus
oder bewies Falschangaben.
Schlußfolgerung Durch die OSM wurden 75% der Personen identifiziert,
deren Angaben unglaubhaft waren. Die Methode erlaubt eine Schätzung
des tatsächlich vorhandenen Mindestvisus und den Nachweis
falscher Angaben zur Kontrastwahrnehmung.
UNTERSUCHUNGEN AN KINDERN MIT LEA-SYMBOLEN
R. Becker, S. Hübsch, M. Gräf, H. Kaufmann
Ein wichtiges Ziel der Sehschärfebestimmung im Kindes- und
Kleinkindesalter besteht in der Erkennung und Verlaufskontrolle
von Amblyopien. Unter Verwendung des Symboltests nach Lea Hyvärinen
kann die Erkennungs-sehschärfe, zum Teil auch schon die Reihensehschärfe
bei Kleinkindern bestimmt werden.
Eigene Untersuchungen an 40 schielamblyopen Patienten (Alter 5-59
Jahre) sowie an 20 augengesunden Probanden (Alter 18-25 Jahre)
mit einzelstehenden Lea-Symbolen und mit dem entsprechenden Reihentest
sowie mit dem Landolt C-Test (einzelstehende Symbole, 17,2' und
2,6' Interoptotypenabstand) haben eine hohe Sensitivität
der Lea-Symbole für die Schielamblyopie gezeigt (Becker et
al. Ophthalmologe 1999-.96: suppl.l). Somit erscheint uns die
Erstellung von altersabhängigen Normwerten lohnenswert.
Es wurden bisher (04-06/1999) 80 Kinder (Alter 23 Monate -6 Jahre)
in die Studie einbezogen, die zur Vorsorgeuntersuchung in eine
Kinderarztpraxis kamen. Es konnten 40 der 80 Kinder monokular
an beiden Augen mit Lea-Symbolen untersucht werden. 20% der Kinder
wurden bis 06/1999 in der Universitäts-Augenklinik für
Schielbehandlung und Neuroophthalmologie in Gießen nachuntersucht.
Dabei soll neben der Erstellung von altersabhängigen Normwerten
für den Lea-Symbol-Test festgestellt werden, wie zuverlässig
behandlungsbedürftige Befunde in der Kinderarztpraxis erkannt
werden. Bis zur Tagung der Bielschowsky-Gesellschaft dürften
erste Aussagen auf der Basis eines größeren Stichprobenumfangs
möglich sein.
KUMULATIVE CHANCE AUF REOPERATION AUFGRUND DES POSTOPERATIVEN
SCHIELWINKELS BEI KONGENITALEM SCHIELSYNDROM: EINE RETROSPEKTIVE
STUDIE.
J.R. Polling, I. van Els, M.J.C. Eijkemans, J.R.M. Cruysberg,
G. Kommerell, E. Schulz, L.J.J.M. Wenniger-Prick, Anonymus, H.J.
Simonsz.
Augenärzte und Orthoptistinnen beurteilen den Erfolg einer
Schieloperation aufgrund des postoperativen Schielwinkels. Wichtig
für Patient und Versicherer ist aber auch die Chance auf
Reoperation. Bei dieser Studie wurde retrospektiv das Verhältnis
zwischen postoperativem latenten Schielwinkel drei Monaten postoperativ
und der Chance auf Reoperation 10 bis 20 Jahre nach der Operation
festgestellt.Die Daten wurden in sechs Kliniken erhoben. Das Operationsarchiv
wurde nachgezogen und wenn ein Patient vor 10 bis 20 Jahren operiert
war wegen einem kongenitalen, konvergenten Schielen, wurde den
Patienten per Telefon gefragt ob, wann und wieso er nochmals operiert
wurde. Aus der Akte wurde der präoperative, latente Schielwinkel
und der Schielwinkel drei Monaten postoperativ entnommen.
Von 181 Patienten waren 33 (18,2 %) nochmals operiert. 9 Patienten
(5 %) könnten telefonisch nicht mehr erreicht werden. Der
Anteil Patienten pro postoperativem Schielwinkel was folgenderweise:
1,7 % mit Schielwinkel < -5° / 7,5 % mit Schielwinkel -5°
bis -1° / 39,7 % mit Schielwinkel 0° bis 4° / 31,6
% mit Schielwinkel 5° bis 9° / 12,6 % mit Schielwinkel
10° bis 14° und 6,9 % mit Schielwinkel >14°.
Mittels logistischer Regression könnte für jede dieser
Kategorien eine Kumulative Chance auf Reoperation aufgrund des
postoperativen Schielwinkels geschätzt werden: 24,4 % für
< -5° / 8 % für -5° bis -1° /
8,8 % für 0° bis 4° / 15,4 % für 5° bis
9° / 35,5 % für 10° bis 14° und 83 % für
>14°.
Auffällig war die geringe Chance auf Reoperation bei kleinem
divergenten Schielwinkel. Möglicherweise werden noch einige
dieser Patienten nach den 30. Jahr operiert. Bei kleinem Restwinkel
ist die Chance auf Reoperation geringer als allgemein angenommen
wird, vermutlich durch einen observer-bias: Die zufriedene Patienten
kehren nicht zurück, man merkt sich aber die Rezidiv-Schieler.
J.R. Polling, Orthoptist, Afdeling Oogheelkunde, Academisch Ziekenhuis
Rotterdam, Dr Molewaterplein 40, NL 3015 GD Rotterdam. Fax 003110-4635105
5. Sitzung: Heterophorie I + II
WINKELFEHLSICHTIGKEIT MIT FIXATIONSDISPARATION
R. Helmut Goersch, Westhofener Weg 30, 14129 Berlin
In diesem Vortrag werden folgende Punkte besprochen:
1 Die Unterscheidung von Begriffen
- Heterophorie und Winkelfehlsichtigkeit
- Fixationsdisparation und Mikrostrabismus
- Die Grundlagen der Meß- und Korrektions-methodik nach
H.-J. Haase (MKH)
- Anpassungsstadien des visuellen Systems bei Winkelfehlsichtigkeit
- Klassifizierung von Fusionsreizen
- Die drei notwendigen Testarten zur vollständigen Bestimmung
von Winkelfehlsichtigkeit
- Verträglichkeit von Unterkorrektionen
- Vermeidung statischer Fixationsdisparation durch binokulare
Vollkorrektion
HETEROPHORIE UND FIXATIONSDISPARATION
Guntram Kommerell, Jürgen Gerling, Miriam Ball, Hector de
Paz, Michael Bach
Univ.-Augenklinik Freiburg
Der Zwang, eine von der Orthostellung abweichende Vergenzstellung
fusional zu überwinden, führt bei manchen Personen zu
Asthenopie. In diesen Fällen ist eine Prismenbrille oder
eine Augenmuskeloperation die angemessene Therapie. Als Dosierungshilfe
werden 2 Strategien diskutiert: 1. Bestimmung der Heterophorie
durch vollständige Trennung des Binokularsehens, 2. Bestimmung
des Prismas, welches eine Fixationsdisparation zum Verschwinden
bringt. Die Fixationsdisparation wird dabei als Indikator dafür
angesehen, daß es den Betroffenen Mühe macht, eine
von der Orthostellung abweichende Vergenzstellung ganz zu überwinden.
Die Heterophorie-Methode hat den Nachteil, daß sie von einer
künstlichen Sehsituation ausgeht. Bei der Fixationsdisparations-Methode
ist die Sehsituation zwar natürlicher, es ergeben sich jedoch
ebenfalls Abweichungen vom natürlichen Sehen, wenn mit subjektiven
Methoden nach einer Fixations-disparation gefahndet wird. Wie
objektive Messungen der Augenstellung gezeigt haben, können
diese Abweichungen vom natürlichen Sehen eine Fixationsdisparation
vortäuschen. Die Indikation und Stärke einer Prismenbrille
sollte einerseits vom Beschwerdebild, andererseits von Prismen-Trageversuchen
abhängig gemacht werden, die im Vergleich zu Placebos bewertet
werden müssen.
PRISMATISCHE KORREKTIONEN AUF DER GRUNDLAGE VON MKH-MEßWERTEN
Ralph Krüger, Berlin
In diesem Referat wird die Internationale Vereinigung für
Binokulare Vollkorrektion (IVBV) vorgestellt, und es wird auf
folgende Fragen eingegangen:
· Welche Voraussetzungen sind vor Anwendung der MKH zu
erfüllen?
· Fordert die MKH stets binokulare Vollkorrektion?
· Ergibt sich ein Circulus vitiosus bei MKH-bestimmten
Prismen, der zu unnötigen Augenoperationen führt?
· Sind Prismenbrillen in jedem Fall von Lese- und Rechtschreibschwäche
erforderlich?
PRISMENBEHANDLUNG BEI HETEROPHORIEN
Gesine Schwerdtfeger (Orthoptistin), Augenklinik für Schielbehandlung
und Neuroophthalmologie, Leiter: Prof. Dr. med. H. Kaufmann, Friedrichstr.
18 ,35385 Gießen
Unsere, d. h. die ophthalmologische und orthoptische Untersuchung
bei asthenopischen Beschwerden unterscheidet sich in ganz wesentlichen
Punkten von der Untersuchung mit der MKH-Methode. Letztere stützt
sich lediglich auf subjektive Angaben in Primärposition am
Polatestgerät. Unsere Palette an Unter-suchungsmethoden beginnt
bei der Visusprüfung mit Einzel- und Reihenoptotypen, Untersuchung
zur Qualität des Binokularsehens, einseitiger und alternierender
Abdeck-Test, Lokalisationsaufgaben unter Fusionsbedingungen sowie
unter Lösen der Fusion, Untersuchung auf Motilitätsstörungen,
Untersuchung von Korrespondenz und Fixationdisparation. Anschließend
oder besser gleich zu Beginn wird je nach Organisation einer Praxis
subjektiv und objektiv ohne und in Zykloplegie die Refraktion
bestimmt, denn nicht selten werden asthenopische Beschwerden akkommodativ
oder durch fehlerhafte oder fehlende Brillen ausgelöst. Es
werden ophthalmologische und neurologische Ursachen ausgeschlossen
und als letztes Mittel, die asthenopischen Beschwerden insofern
abzuklären, als sie überhaupt durch Störungen des
beidäugigen Sehens ausgelöst werden, steht uns die diagnostische
Okklusion (der Marlow-Verband) zur Verfügung und die Wiederholung
vieler oben genannter Untersuchungen unter Aufhebung der Fusion.
Erst am Ende dieser Untersuchungen steht die Prismenvorgabe, soweit
sie uns sinnvoll erscheint, diese wird dann u.U. mit Hilfe der
Fixationsdisparität feinkorrigiert.
PRISMENBRILLE MIT POLA-TEST ODER MIT KONVENTIONELL ORTHOPTISCHER
UNTERSUCHUNG: EINE MULTIZENTRISCHE, RANDOMISIERTE, CROSS-OVER-,
DOPPELBLIND-STUDIE
H.J. Simonsz & J. van Els im Namen der Studiengruppe 'Prismenbrille
mit Pola-Test oder mit konventionell orthopti-scher Untersuchung
?'
Einleitung: Augenärzte, Orthoptistinnen, Optometristen und
Optiker werden regelmäßig mit Patienten mit asthenopischen
Beschwerden konfrontiert. Der Augenarzt schließt organische
Abweichungen, welche die Beschwerden verursachen könnten,
aus. Die Orthoptistin untersucht, ob Phorien, Motilitätsstörungen,
Konvergenz-Insuffizienz, Fusionsschwäche oder unzureichend
auskorrigierte Hyperopie die Beschwerden verursachen. Patienten,
bei denen der Augenarzt oder die Orthoptistin keine Abweichungen
finden können, konsultieren oft den Optiker oder Optometristen.
Eine Anzahl davon untersucht den Patienten mit dem Pola-Test (Zeiss)
nach der Mess- und Korrektionsmethode nach H.-J. Haase (MKH).
Haase meinte, daß (1) Asthenopie entstehen kann bei Fixationsdisparität
(FD), verursacht durch eine daran zugrundelegende Heterophorie
in der Jugendzeit, daß (3) die Phorie inzwischen wieder
verschwunden sein kann und daß (4) mit einer Prismenbrille
die sensorische Anpassung reversibel ist, auch im Erwachsenenalter.
FD kann u.a. gemessen werden mit dem Pola-Test oder mit dem Gerät
von Crone oder Ogle. Hierbei schaut der Patient mit beiden Augen
auf einen ein Leuchtfenster (etwa 2° x 2°) und nimmt im
Fenster zwei Striche war, einen mit jedem Auge. Im peripheren
Makulaareal wird der Rand des Leuchtfensters einfach gesehen,
hiermit wird fusioniert, während die Foveolae auf das Zentrum
des Schirms gerichtet sind. Die präzise Projektion beider
Foveolae auf den Schirm (relativ zu einander) wird bestimmt mit
zwei Strichen (beim Pola-Test zu einem Kreuz geformt, beim Gerät
von Ogle zwei Striche übereinander). Werden die beiden verschoben
eingestellt, so besteht FD. Bei Normalen (1) tritt FD auf, wenn,
durch das Vorsetzen eines Prismas vor ein Auge, Divergenz oder
große Konvergenz vom Patienten verlangt wird: Der Rand des
Schirms wird dann nicht mehr perfekt motorisch fusioniert, jedoch
fusioniert der Patient sensorisch ein paar Bogenminuten, innerhalb
des Panumareals (FD erster Art). Einige Patienten aber (2) stellen
die Striche spontan verschoben ein (horizontal, manchmal auch
vertikal). Diese pathologische, obligate FD (zweiter Art), eigentlich
eine bitemporale oder binasale Verschiebung beider Foveolae relativ
zum peripheren Makula-areal, kann Beschwerden verursachen, darüber
sind sich die meisten einig. Umstritten ist aber, ob die Kompensation
der pathologischen (2), durch Prismen induzierten FD (1), zur
Linderung der Beschwerden führt.
Methode: In zwei Jahren wurden etwa 100 Patienten von 8 Optometristen-Orthoptistinnen-Paaren
(OOP) rekrutiert, verteilt über die Niederlande. Jeder Patient,
der bei einer der zwei als erster eine asthenopische Beschwerde
äußerte, füllte einen Fragebogen mit Fragen zur
Bewertung der Asthenopie aus. Bei ausreichender Punktzahl war
der Patient eligible. Einschlußkriterien: 18 bis 40 Jahre,
zuvor keine Multi- oder Bifokalbrille, keine Presbyopie, latenter
Schielwinkel < 4° horizontal und < 1,7° vertikal
in Ferne und Nähe mit optimaler Korrektur, Visus ? 0.8 (max.
1 Zeile R/L Unterschied), sphärisches Äquivalent +2,5
bis -3,5 (max. 1 Dioptrie Unterschied), Zylinder ? 1,5 Dioptrie,
keine schräge Achse, Stereosehschärfe <120", keine
falsche Brille zuvor, keine Augenerkrankungen, keine Medikamente
oder Drogen, keine neurologische oder psychiatrische Erkrankung.
Der erste Untersucher des OOP faxte sein Rezept der (Prismen)-Brille
zu Essilor und schickte den Patienten zum zweiten Untersucher
des OOP, der auch sein Rezept zu Essilor faxte. Ein unabhängiger
Studien-Optometrist, dem die Herkunft des Rezeptes unbekannt war,
montierte das erste Gläserpaar in ein Gestell und schickte
dieses dem Patienten zu. In den Wochen 0, 3 und 6 füllte
der Patient je einen Bewertungs-bogen aus, den er an den unabhängigen
Studien-Optometrist sandte, den letzten Bogen zusammen mit der
Brille. Darauf montierte dieser das 2. Gläserpaar und schickte
die Brille wieder an den Patienten. Dieser füllte in den
Wochen 8, 11 und 14 wieder je einen Bogen aus. Jeglicher Kontakt
zwischen Patient und OOP war untersagt. Probleme mit der Brille
wurden vom Studien-Optometristen gelöst.
Bewertet wurden (1) Ausmaß (nicht - leicht - mäßig
- stark) und (2) Anzahl Tage pro Woche Kopfschmerzen, (3) Lichtüberempfindlichkeit,
(4) Focuswechsel von Ferne zu Nähe, (5) Probleme bei der
Naharbeit, (6) Ausmaß und (7) Anzahl Tage pro Woche ermüdete
Augen, (8) Ausmaß und (9) Anzahl Tage pro Woche Probleme
beim Abstand-schätzen und (10) brennende Augen. Als klinisch
relevanter Unterschied war festgelegt: 1 Tag weniger Kopfschmerzen
pro Woche oder der halbe Abstand von mäßig bis starke
Kopfschmerzen; genauso für die anderen Beschwerden.
Ergebnisse: 72 Patienten erfüllten letztendlich die strengen
Einschlußkriterien und hatten fast alle Bogen ausgefüllt.
Dreiviertel war von Optometristen rekrutiert. Die meisten waren
Frauen. Nur 17 der Orthoptisten-Brillen hatten eine Prismenkorrektur,
nie mehr als 4 Prismendioptrien (Mittelwert aller Brillen horizontal
0,26 PD, vertikal 0,02 PD). Nur 1 Optometristen-Brille hatte kein
Prisma, die Hälfte hatte auch ein Vertikalprisma (Mittelwert
aller Brillen horizontal 1,40 PD, vertikal 0,37 PD).
(1) Das Ausgangsniveau der Beschwerden in den ersten 6 Wochen
war hoch: beide Brillen besserten alle Beschwerden enorm. (2)
Das Ausgangsniveau war in den zweiten 6 Wochen etwas niedriger,
und die Besserung war weniger ausgesprochen. (3) Für einige
Beschwerden bestand ein geringer, aber statistisch signifikanter
Vorteil zu Gunsten der Pola-Test-Brille, der aber in allen Fällen
geringer war als das, was vorher als klinisch signifikant definiert
war. (4) Die sphärischen und zylindrischen Werte beider Brillen
eines Patienten waren in den meisten Fällen unterschiedlich:
Die Studie verglich zwei Behandlungsmodalitäten, sowie sie
jetzt in den Niederlanden gängig sind, eine andere Ausführung
der Studie war nicht möglich.
Schlußfolgerung: In der Studie wurde für einige Parameter
ein signifikanter Unterschied zwischen beiden Brillen nachgewiesen,
der aber in allen Fällen geringer war als das, was vorher
als klinisch relevant festgelegt war.
H.J. Simonsz, Afdeling Oogheelkunde, Academisch Ziekenhuis Rotterdam,
Dr Molewaterplein 40, NL 3015 GD Rotterdam, Fax 003110-4635105
Juul van Els, Van Els Optiek, Van Coevenhovenstraat 4, NL 1961
NX Heemskerk, Fax 0031251-242954
UNTERSUCHUNG DER FIXATIONSDISPARITÄT BEI PATIENTEN MIT
FUSIONSPROBLEMEN
R.W. Berger, Ch. Berger, W. Haase (Hamburg)
Die Untersuchung der Fixationsdisparität nach Ogle und Crone
ist in der augenärztlichen Praxis keine Routine-unter-suchung,
sondern wird lediglich an einigen Zentren der Strabismologie /
Neuroophthalmologie durchgeführt. Ziel der vorliegenden Arbeit
ist es, die Methode darzustellen und an Beispielen den zusätzlichen
diagnostischen Gewinn aufzuzeigen, den die Kenntnis der motorischen
und sensorischen Fusionsfähigkeit dem Untersucher bietet.
Fallbeispiele: Pat. T.L., *1966: 1996 Schädeltrauma, Commotio
cerebri, HWS-Distorsion. Seitdem Diplopie bei Exophorie (Ferne:
-1°; Nähe: -5°). Fusionsbreite im freien Raum (Ferne)
-4 pdpt. bis +8 pdpt., wobei längere Zeit zur Fusion benötigt
wird. Fixationsdisparitäts-Prüfung: Motorische Fusionsbreite
extrem eingeengt auf 0 bis -1 pdpt., sensorische Fusionsbreite
6 min. bis 27 min. Esodisparität, keine Exodisparität.
Empfehlung der Diplopievermeidung durch einseitige Okklusion.
Pat. H.D., *1940: Seit 1991 Prismenbrille (9 pdpt. B.a.) wegen
Esophorie mit Prismenverstärkung ca. alle 2 Jahre.
Beschwerden: Ceph-algien und Unscharfsehen. Fusionsbreite im freien
Raum -2 bis +16 pdpt. Bagolini-Test mit Prismenbrille pos., Titmus
Ringe 1-8 pos. Die Fixationsdisparitäts-Kurve zeigt im Gegen-satz
zum Befund im freien Raum eine hochgradig verminderte motorische
und sensorische Fusionsbreite. Nach Augenmuskel-OP gegen gesamt
17 pdpt. Esophorie Beschwerde- und Diplopiefreiheit.
Schlußfolgerung: Eine hochgradig verminderte motorische
und sensorische Fusionsbreite bei der Fixationsdisparitäts-Prüfung
steht nicht im Widerspruch zu besseren Befunden bei der Messung
mit Prismen im freien Raum, da eine scheinbare Fusionsbreite in
Esorichtung allein mit dem Konvergenzmechanismus erreicht werden
kann. Dies ist bei der Fixationsdisparität nicht möglich.
Die Methode ist von großem Wert bei der Diagnostik von Patienten
mit Fusionsproblemen, etwa nach Schädeltraumen oder HWS-Distorsion
und liefert speziell für gutachterliche Beurteilungen unschätzbare
Hinweise.
HÄUFIGKEIT PATHOPHORIE-BEDINGTER LESESTÖRUNGEN BEI
NEUN- ZEHNJÄHRIGEN SCHÜLERN EINER HESSISCHEN KLEINSTADT
S. Motsch, H. Mühlendyck, W. Happe, Abt. Strabologie und
Neuroophthalmo-logie der Univ.-Augenklinik, Robert-Koch-Str. 40,
37075 Göttingen
In einer hessischen Kleinstadt wurden 98 von 127 Schülern
der dritten Klasse eines Jahrgangs eingehend augenärztlich
und strabologisch untersucht und die Lesefähigkeit mit und
ohne ggf. benötigter Korrektur überprüft. Darüber
hinaus wurde eine umfassende Anamnese erhoben und auch das soziale
Umfeld hinterfragt.
Hierbei zeigte sich, daß bis auf zwei - später eingeschulte
Ausländerkinder - alle relevanten augenärztlichen Erkrankungen
schon erkannt und adäquat behandelt worden waren. Lesestörungen
wurden bei 15 von 98 Kindern angegeben. Bei 10 von diesen war
eine Legasthenie diagnostiziert worden. Bei einem Teil der Kinder
war die geklagte Lesestörung auf mangelnde Lesepraxis zurück-zuführen.
Unter denen als Legasthenie diagnostizierten Kindern waren nur
bei zwei Kindern keine ophthalmologische Störung nachzuweisen.
Meistens handelte es sich um eine Hypo-akkommodation. In einigen
Fällen lag eine Exophorie, bei nur einem Kind eine Esophorie
vor. Darüber hinaus wurden die mittels Refraktometer und
Skiaskopie ermittelten Werte miteinander verglichen und es wurde
kontrolliert in wie weit ggf. sprachliche Probleme (20% Ausländeranteil)
sich auf die Lesefähigkeit auswirkten. Der Untersuchungsablauf
und die im einzelnen erzielten Ergebnisse sollen detailliert dargestellt
werden.
PRISMATISCHE KORREKTION BEI LEGASTHENIE - EINE RICHTIGSTELLUNG
David Pestalozzi, Olten
Dem Autor wurde verschiedentlich vorgeworfen, er habe zuerst behauptet,
mit nach MKH bestimmten Prismenkorrektionen Legasthenie heilen
zu können, und dies dann widerrufen. In dem Referat werden
die inkriminierten Textstellen aufgezeigt und die gegenwärtige
Ansicht des Autors zu diesem Thema, die mit derjenigen der IVBV
identisch ist, verdeutlicht.
FIXATIONSVERHALTEN UND LESESTRATEGIEN BEI LEGASTHENISCHEN KINDERN
- ERFAßT MIT DEM SCANNING LASER OPHTHALMOSKOP
Susanne Trauzettel-Klosinsi1, Jens Reinhard1, Manfred Mackeben2
und Gunther Klosinski3
1 Abt. Pathophysiologie des Sehens und Neuroophthalmologie, Universitäts-Augenklinik
Tübingen
2 Smith Kettlewell Eye Research Institute, San Francisco, USA
3 Abt. Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität
Tübingen
Einleitung: Fixationsverhalten und Lesestrategien bei legasthenischen
Kindern sollten in einer Pilotstudie unter direkter Funduskontrolle
untersucht werden. Dabei war von besonderem Interesse, ob der
Legasthenie primär eine Störung der Augenbewegungen
oder der Textverarbeitung zugrunde liegt.
Methode: Mit Hilfe eines Scanning Laser Ophthalmoskops (SLO) wurden
gleichzeitig ein Bild der Netzhaut erzeugt sowie Stimuli (Fixationsmarken,
Einzelwörter verschiedener Länge, Texte und Piktograrnme)
direkt auf die Netzhaut gescannt. Retinaler Fixationsort, Stimuli
und Augenbewegungen wurden simultan registriert und auf Videoband
aufgezeichnet. Texte und Piktogramme wurden leise und laut gelesen.
Zusätzlich wurden die Augenbewegungen mittels eines Infrarot-Reflexionssystems
gemessen. Zehn legasthenische Kinder (Alter: 13,1 ± 1,6
Jahre) und 12 Kontrollkinder (13,2 ± 1,5 Jahre) wurden
testpsychologisch und ophthalmologisch voruntersucht. Um eine
homogene Gruppe von ''reinen" Legasthenikern auszuwählen,
waren Einschlußvoraussetzungen: ein normaler ophthalmologischer
Befund, normale Intelligenz und das Fehlen zusätzlicher Störungen.
Ergebnisse: Legasthenische Kinder und Kontrollkinder unterschieden
sich nicht im Fixationsverhalten eines Einzelkreuzes und der Fixationsstabilität
nach 5° Sakkaden. Beim Lesen von Einzelwörtern machten
Legastheniker signifikant mehr Sakkaden (101 ± 34 vs. 51
± 11) und Regressionen (47 ± 27 vs. 28 ±
7) in Abhängigkeit von der Wortlänge. Die Lesegeschwindigkeit
beim Textlesen war herabgesetzt ( 77 ± 22 Wörter/Minute
vs. 168 ± 22 Wörter/Minute beim lauten Lesen), dagegen
war die Lesegeschwindigkeit für Piktogramme in beiden Gruppen
gleich. Schlußfolgerungen: Das SLO hat sich als ein wertvolles
Instrument zur Analyse von Lesestrategien bei der Legasthenie
erwiesen. Das normale Fixationsverhalten und die normale Lesegeschwindigkeit
beim Lesen von Piktogrammen sprechen dafür, daß das
Problem der hier vorgestellten Gruppe von Kindern mit `'reiner"
Legasthenie auf eine gestörte Textverarbeitung und nicht
auf ein okulomotorisches Defizit zurückzuführen ist.
Unterstützt von Fortüne 294 (Forschungsprogramm der Universität
Tübingen)
ENTWICKLUNG DER BLICKSTEUERUNG UND LEGASTHENIE
Burkhart Fischer und Klaus Hartnegg
AG Hirnforschung Universität Freiburg, e-mail: bfischer@uni-freiburg
Die neurobiologischen Grundlagen der Blicksteuerung durch Sakkaden
bestehen aus 3 Komponenten: die Fixation (parietal), die Reflexe
(tektal) und die willentliche Steuerung (frontal). Aus den Registrierungen
von Prosakkaden in einer Overlap- und von Antisakkaden in einer
Gap-Bedingung wurde der Status der Blicksteuerung von über
300 Normalpersonen im Alter von 7-70 Jahren und von über
400 legasthenischen Kindern (7-17 Jahre) okulografisch ermittelt.
Danach ist die Fixation und die Kontrolle der Reflexe bis zum
10 Lebensjahr voll entwickelt, die willentliche Steuerung dauert
dagegen noch weitere 10 Jahre. Bei Legasthenie ist vor allem die
willentlichen Komponente betroffen: bis zu 50% der Kinder zeigten
deutliche Entwicklungsrückstände. Unnötige Sakkaden
sowie Drifts der Augen gegeneinander störten gehäuft
die Blickstabilität während der Fixation. Auch die Prüfung
des dynamischen Sehens (magnozelluläres System) fällt
unterdurchschnittlich aus. Gezieltes tägliches Training mit
speziellen Wahrnehmungs-aufgaben (3-6 Wochen, 10 Minuten täglich)
verbessert diese Wahrnehmung und die Blicksteuerung spezifisch
und deutlich in etwa 80% der 85 bisher nachuntersuchten Fälle.
Etwa ein Drittel dieser Kinder zeigten dabei erste Forschritte
beim Lesen, obwohl das Blicktraining kein Lesetraining ist, sondern
lediglich bessere Voraussetzungen für komplexe optomotorische
Aufgaben, wie etwa für den Leseprozess, schafft. Davon unabhängig
bietet die Analyse der Sakkadensteuerung eine Erweiterung der
neuroophthalmologischen Diagnosemöglichkeiten.
PATHOPHORIE MIT KOMPENSATION ÜBER DIE AKKOMMODATIVE KONVERGENZ
H. Mühlendyck. Leit. der Abt. Strabologie und Neuroophthalmologie
der
Univ.-Augenklinik, Robert-Koch-Str. 4O, 37075 Göttingen
Bei der Pathophorie handelt es sich um ein latentes Schielen, dessen
Kompensation mit größeren Beschwerden verbunden ist.
Geschieht dies über die akkommodative Konvergenz, ist die
Diagnose häufig sehr schwierig, da über dissoziierende
Maßnahmen, wie z.B. dem Covertest oder Pola-Test, die zugrunde-liegende
Abweichung nicht herausgefunden werden kann. Aus diesem Grunde
läßt sich auch bei einer diagnostischen Okklusion (Marlow-Verband)
nur auf eine binokularbedingte Störung schließen, es
kann jedoch keine Aussage über das Ausmaß der zugrunde-liegenden
Abweichung gemacht werden.
Ein wichtiger Hinweis auf das Vorliegen dieses Krankheitsbildes
ist ein binokular schlechterer Visus als monokular, was durch
eine akkommodative Myopie bedingt ist. Im Falle einer Exophorie
hat sich der 4-Prismen-Basis-Innen-Test bewährt. Uber die
Unter-schiede der klinische Befunde und therapeutischen Maßnahmen
bei Exophorie- und EsophoriePatienten wird eingehend eingegangen.
VERURSACHEN MULTIFOKALLINSEN BINOKULAREN STRESS ?
E. Ch. Schwarz, E. Waffenschmidt und Chr. Hartmann
Universitäts-Augenklinik Charité, Campus Virchow-Klinikum
Humboldt Universität zu Berlin
Hintergrund: Über das Binokularsehen, insbesondere das Stereosehen
in Ferne und Nähe mit ein- oder beidseitiger intraokularer
Multifokallinse (MIOL) liegen bisher nicht allzuviele Untersuchungen
vor. Uns interes-sierte die Frage, ob die differenten Brechungsprinzipien
der refraktiven und diffraktiven MIOL die Konturenstereopsis anders
beeinflussen als die Random dot-Stereopsis.
Patienten und Methoden: Wir untersuchten 4 Gruppen mit vergleichbarer
Alters- (35 - 83 Jahre) und Visusstruktur (0,4 - 1,2), I - 33
phake Vpn, II - 34 Pat. bds. diffrakt. MIOL, III - 17 Pat. bds.
refrakt. MIOL, IV - 20 Pat. eins. diffr./refr. MIOL, am Polatest
in Ferne und Nähe mit denselben Verfahren (differenzierter
Stereotest und Random-dot Stufentest) und verglichen diese Ergebnisse
für die Nähe mit dem Lang und Titmus-Test sowie einem
realen Stereotest (Stereoeidometer nach Monjé). Ausge-schlossen
waren Vpn und Pat. mit Strabismusanamnese bzw. ohne Binokularsehen.
Es erfolgte bei jedem vorher eine orthoptische Untersuchung sowie
die Messung des monokularen und binokularen Fern- und Nahvisus.
Ergebnisse: Die Konturenteste konnten von allen Probanden und
Pati-enten in Ferne (94 - 100%) und Nähe (95 - 100%) richtig
erkannt werden. Bei der Random dot-Stereopsis hatten mehr Pat.
mit diffrakt. MIOL posi-tive Ergebnisse (53 - 65%) als die mit
refrakt. MIOL (53%), aber insge-samt weniger als die Vpn (84%).
Die Pat. mit den eins. MIOL (58 - 63%) unterschieden sich nicht
wesentlich von den Pat. mit bds. MIOL. Über Stereopsis bis
20'' am Stereoeidometer verfügten 80 - 94% der Vpn und Pat.
aller Gruppen. Die Differenzen sind nicht signifikant.
Schlußfolgerungen: Im vorliegenden Patientengut ließen
sich keine Anzeichen für binokularen Stress, verursacht von
der gleichzeitigen scharfen Abbildung nah und fern gelegener Objekte
auf der Netzhaut erkennen. Der kortikale Rechenaufwand zur Trennung
derselben und die Verarbeitung der Pixel beim Random dot-Test
funktionieren ohne Beschwerden.
DIE STELLUNG ALFRED KARL GRAEFES (1833 - 1899) ZUM LATENTEN
SCHIELEN
R. Weidlich (Halle/Saale)
Biografie und Werk A. Graefes, des Gründers und ersten Direktors
der halleschen Universitäts-Augenklinik von 1873 bis 1892
zeigen, daß er gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches
strabologisches Wirken hatte. So konnte der 28-jährige Assistenzarzt
bereits 1858 nach dreijähriger Arbeit bei seinem Lehrer und
Vetter Albrecht von Graefe eine größere Monografie:
"Klinische Analyse der Motilitätsstörungen der Augen"
publizieren. A. Graefe hebt hier hervor, daß für stabiles
Binokularsehen optische Deutlichkeit der Seheindrücke sowie
eine gewisse Größe und Gleichheit der Netzhautbilder
notwendig sind. Zur Diagnostik von latenten Schielformen empfiehlt
er "die deckende Hand" oder Prismen. Therapeutisch rät Graefe
zur Prismenordinierung oder zur operativen Korrektur. Roborierende
Maßnahmen wie Strychnininjektionen oder gymnastische Augenübungen
lehnt er ab. Interessant ist, daß er geringe, beschwerdefreie,
latente Abweichungen als Normvariante und daher als nichtbehandlungsbedürftig
einstuft. Eine operative Korrektur nimmt Graefe nur dann vor,
wenn die asthenopischen Beschwerden mit "friedlichen Mitteln"
nicht gebessert werden können, oder das Dekompensieren des
latenten Schielens mit Zerfall der Binokularfunktionen droht.
Er kennt bereits die Bedeutung vertikaler Abweichungen für
horizontal latente Deviationen und versucht durch Modifikationen
der Tenotomie der horizontalen Mm. recti Höhenabweichungen
zu korrigieren.
Poster:
MESSUNG DER TORSIONALEN AUGAPFELSTELLUNG BEI EXPERIMENTELLER
TRANSPOSITION ALLER 6 MUSKELN UM 90°
Alhusen,R., Conrad, H.-G. (Bremen)
Mündliche Tradition berichtet von der netzhautchirurgischen
Abtrennung aller 4 Mm. recti eines Auges und von dem Effekt der
versehentlichen Wiederannähung auf dem Ansatz des jeweiligen
Nachbarmuskels, also gleichsinnig um 90° versetzt. Es sei
eine Zykloduktion von ca. 20° eingetreten. Für die Weiterentwicklung
der zyklotorsionalen Windmühlen-Operation haben wir dies
überprüft, die Größenordnung bestätigt
und die Torsion erhöht.
Methode und Ergebnisse:
Vor Bulbus-Enukleation und Einsetzen einer 6-Löcher-Plombe
wurden die angeschlungenen Muskeln flüchtig an die benachbarten
Ansatzstümpfe geheftet: Gleichsinniges Umsetzen der 4 Recti
ohne Ablösen der Obliqui um einen Quadranten bzw. 90°
bewirkte eine Zykloduktion von 30°. In Kombination mit Ablösen
der Obliqui erreichte die Zykloduktion 70°. Mit Rück-/Vorlagerung
der Obliqui um 90° (18 mm) betrug die Zykloduktion 95°.
(Die langen Ziliararterien dürfen klinisch natürlich
nicht allesamt geopfert werden).
ZYKLOPLEGIE - TROPFERFAHRUNGEN IN DEUTSCHSPRACHIGEN ZENTREN
FUR KINDER-OPHTHAL-MOLOGIE UND STRABOLOGIE - UMFRAGEERGEBNISSE
1999
Barry JC, Loewen N
Sektion für Motilitätsstörungen, Augenklinik Abt.
II, Schleichstr. 12-16, 72076
Tübingen (email: jc.barry@med.uni-tuebingen.de)
Hintergrund: Cyclopentolat hat wegen der Anwendungsvorteile, trotz
der zentralnervösen Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen
bei Säuglingen und Kleinkindern, einen großen Anteil
an den Zykloplegien gegenüber dem Goldstandard-Zykloplegikum
Atropin. Ziel war es, ein aktuelles Bild der Tropfgewohnheiten
zu gewinnen und Anhaltszahlen schwerer Komplikationen zu eruieren.
Methode: Ein Fragebogen mit geschlossenen und offenen Fragen wurde
an 107 deutschsprachige Zentren (Abteilungen von Krankenhäusern
und Praxen) mit hoher mutmaßlicher Zykloplegiefrequenz verschickt.
Ergebnisse: 57 Zentren antworteten, wodurch 1102 kumulierte Zykloplegieerfahrungsjahre
vorlagen. Die Zyklopie-frequenz lag zwischen 2 und 1 80/Woche/Einrichtung,
Median 25/Woche/Einrichtung. Aus den Angaben wurde eine kumulierte
Zahl von 1,7 Mio. Zykloplegien geschätzt. Die extrapolierte
durchschnittliche Zykloplegieerfahrung lag bei ca. 43.500 Zykloplegien/30J.
Die am häufigsten genannten Zykloplegika waren Atropin und
Tropicamid bei Säuglingen und bei Kleinkindern und Cyclopentolat
in den höheren Alters-gruppen. Cyclopentolat wird jedoch
auch regelhaft bei Kleinkindern und Säuglingen eingesetzt,
ohne häufigere Nennung besonderer Komplikationen. Unter den
Atropin-zykloplegien hielt die Kurzatropin-applikation 52% der
Nennungen. Uberwiegend wurden wässrige Augentropfen eingesetzt,
spezielle Applikationsformen wie Salbe, Öl, Spray oder Dosierhilfen
spielten eine geringe Rolle. Kompli-kationen, welche z.B. Anlaß
für mehrstündige ärztliche Überwachung (schwere
K.) oder kinderärztliche stationäre Beobachtung (schwerste
K.) gaben, waren mit 45 bzw. 2 Nennungen vertreten.
Schlußfolgerungen: Insgesamt kann man in 30 Jahren einer
Zykloplegiekarriere bei durchschnittlich 33 Zykloplegien/Woche
mit 1-2 schweren bis schwersten Komplikationen rechnen. Bei sachgemäßer
Anwendung ist das Risiko für Patienten äußerst
gering. Ärzte und Eltern sollten darüber und über
die häufigen harmlosen Nebenwirkungen informiert sein, um
die Akzeptanz der Zykloplegie zu gewährleisten.
Mit Unterstützung von Ursapharm, Saarbrücken.
EINFLUSS DER AKKOMMODATION AUF DIE REFRAKTIONSENTWICKLUNG BEI
HYPEROPEN PATIENTEN MIT STRABISMUS CONVERGENS. KANN DES AUSSCHALTEN
DER AKKOMMODATION DIE MYOPISIERUNG VERMINDERN ?
A. Eckstein, M. Fischer, J. Esser
Universitätsaugenklinik, 45122 Essen
Hintergrund. Eine der zentralen Einfluss-Variablen, die im Zusammenhang
mit der Myopieentwicklung diskutiert werden, ist die Akkommodation.
Jedoch konnte bisher in klinischen Langzeituntersuchungen kein
eindeutiger Zusammenhang zwischen der Aufhebung der Akkomodation
und der Verlangsamung der Myopisierung nachgewiesen werden. 1998
wurde deshalb vom NIH eine prospektive Langzeitstudie der Anwendung
von Bifokalgläsern bei Myopen zur Verlangsamung der Myopieprogression
initiiert. Mit unserer Studie soll nun die Frage geklärt
werden, ob diese Theorie auch bei Hyperopen gültig ist, zumal
bekannt ist, daß Hyperope sich im Akkommodationsverhalten
von Myopen unterscheiden. Patienten und Methoden: Es wurde die
Refraktionsentwicklung von 104 Kindern mit Mikrostrabismus/Strabismus
convergens und Hyperopie und von 89 Kindern, die zusätzlich
noch einen akkommodativen Konvergenzexzess aufwiesen, ausgewertet.
Die Kinder mit Konvergenzexzess trugen Bifokalbrillen mit hoch
sitzendem Nahteil zur Ausschaltung der Akkommodation. Alle Patienten
hatten eine normale Akkommodationsbreite.
Ergebnisse:
mit Bifokalbrille Ohne Bifokalbrille
Alter bei 1. Refraktion (Jahre) 5,6 ?1,8 5,3?1,4
Erste Refraktion (dpt) (R1) +2,87?1,6 +3,55?2,1
Alter bei letzter Refraktion (J.) 11,7?2,6 11,3?2,7
Beobachtungszeit (Jahre) 6,1?2,6 6,2?1,9
Letzte Refraktion (dpt) (R2) +2,64?1,8 +2,8?2,42
Differenz (R1-R2) -0,23 -0,75
p<0,00023 (t-Test)
Die Kinder, die mit Bifokalbrille in der Nähe weniger akkommodieren
mussten, myopisierten signifikant geringer. Bei 11 zusätzlich
untersuchten Patienten gleichen Alters mit unkorrigierter Hyperopie
und ohne Strabismus zeigte sich im entsprechenden Beobachtungszeitraum
von 4,53 J. eine Myopisierung von 1,71 dpt. Schlussfolgerung:
Auch bei Hyperopen ist der Einfluß der Akkommodation auf
die Myopisierung (hier: Rückgang der Hyperopie) sichtbar.
Insgesamt ist die Abnahme der Hyperopie geringer als die in der
Literatur beschiebene Myopieprogression in dieser Altersgruppe.
Die Ursache könnte im unterschiedlichen Akkommodationsverhalten
Hyperoper im Vergleich zu Myopen liegen ("nearwork aftereffect").
HINTERRANDFALTUNG DES M. OBLIQUUS SUPERIOR BEI TROCHLEARISPARESE
OHNE EXZYKLO-TROPIE ZU SELEKTIVEN BEEINFLUSSUNG DER VERTIKALVERGENZSTELLUNG.
J. Esser, A. Eckstein
Universitätsaugenklinik, Hufelandstr. 55, 45122 Essen
Erworbene, langjährig bestehende Trochlearisparesen mit deutlicher
Vertikalvergenzstellung und ohne Exzyklotropie stellen eine operative
Herausforderung dar, da durch eine Faltung der gesamten Muskelsehne
Vertikal- und Zykloabweichung beeinflusst werden. Ziel der Falldarstellung
ist es deshalb, eine Operations-technik zur Besserung der Vertikalabweichung
vorzustellen, mit der eine störende Zykloabweichung vermieden
werden kann.
Kasuistik: Ein 28-jähriger Patient mit seit 8 Jahren bestehender
Kopffehlhaltung (20° Rechtsneigung) auf Grund einer Trochlearisparese
zeigte im präoperativen Harmswandbefund (Rechtsfixation)
eine untypische Inzyklorotation. Stereopsis in Kopffehlhaltung
140´´ (Titmus).
-2°-VD5° -7°-VD15° -7°-VD17°
0° Zyklo 8° Inzyklo 10° Inzyklo
Bielschowsky-KNT
-4°-VD7° -12°-VD18° -9°-VD20° li.Neigung
re.Neigung
0° Zyklo 6° Inzyklo 10° Inzyklo -8°-VD21°
-2°-VD2°
-5°-VD10° -10°-VD15° -8°-VD18° 1°
Exzyklo 1° Exzyklo
5° Exzyklo 0° Zyklo 7° Inzyklo
Wegen der Inzyklorotation wurde folgende Vorgehensweise gewählt:
am linken Auge wurde die Sehne des M. obliquus superior in Verlaufrichtung
(beginnend beim Ansatz) aufgespalten und der hintere Anteil wurde
um 8 mm gefaltet. Gleichzeitig wurde eine Rücklagerung des
M. obliquus inferior um 10 mm durchgeführt. Postoperativer
Harms-wand-befund:
- / - -1°-VD1,5° +1°-VD1,5°
6° Inzyklo 9° Inzyklo 9° Inzyklo
Bielschowsky-KNT
- / - - / - +1°-VD2° li.Neigung re.Neigung
3° Inzyklo 3° Inzyklo 5° Inzyklo +1°-VD5°
+1°-VD0°
- / - +1°-VD1,5° +0,5°-VD3° 2° Inzyklo
2° Inzyklo
1° Inzyklo 2° Inzyklo 2° Inzyklo
Ein postoperatives Brown-Syndrom wurde nicht beobachtet; es bestand
keine Kopffehlhaltung mehr; Stereopsis: 50´´ (Titmus).
Schlussfolgerungen: Eine selektive Beeinflussung der in Adduktion
zunehmenden Senkerfunktion des M. obliquus superior erscheint
in Analogie zur selektiven Beinflussung der Exzyklorotation durch
die Verlagerung des vorderen Sehnenanteils (nach Harada-Ito) möglich
zu sein. Eine Verstärkung der Inzyklorotation wurde hierbei
nicht beobachtet.
ERGEBNISSE DER KOMBINIERTEN DIVERGENZOPERATION BEI INTERMITTIERENDER
EXOTROPIE IM KINDESALTER
M. Gräf, H. Kaufmann
Univ.-Augenklinik für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie
Gießen
Hintergrund Die intermittierende Exotropie ist die häufigste
Indikation zur chirurgischen Behandlung des Außenschielens
im Kindesalter. Operative Übereffekte mit protrahierter oder
persistierender konsekutiver Esotropie können das Binokularsehen
dieser Kinder beeinträchtigen. Diesem potentiellen Risiko
wurde in einer retrospektiven Studie nachgegangen.
Methode In den Jahren 1991 bis 1999 wurden in unserer Klinik bei
Kindern im Alter unter 10 Jahren 120 kombinierte Divergenzoperationen
(<2% aller Eingriffe) zur Korrektur einer intermittierenden
Exotropie durchgeführt. Die in Zykloplegie gemessene Refraktion
war präoperativ abzüglich 0,5 D sph korrigiert. Zur
präoperativen Ermittlung der fusionsfreien Ruhelage erfolgte
eine dreitägige diagnostische Okklusion. Die Eingriffe wurden
nach den eigenen Tabellen dosiert, denen Operationseffekte nach
einer Woche zugrunde-liegen. Die Aktenauswertung umfaßt
bislang (6/99) 87 Kinder, die zu postoperativen Spätkontrollen
erschienen. Es wurden die prä- und postoperativ (1 Woche
und 23 Monate) im alternierenden Prismen-abdecktest gemessenen
Schielwinkel bei Fern- und Nahfixation und die im Bagolini-, Titmus-,
Randot- TNO- oder Lang-Test festgestellten Binokularfunktionen
erfaßt.
Ergebnisse Schielwinkel (jeweils Median) in Primärposition:
präoperativ: Ferne (5 m) -15°. Nähe (0,3 m) -16°;
postoperativ (23 Monate): Ferne -4°, (?0° in 90%), Nähe
-3° (?0° in 77%). Operationseffekte: Ferne: 1,2°/mm.
Nähe 1,3°/mm. Korrekturbedürftige konsekutive Esotropie:
1 Kind. Zweitoperationen wegen erneuter Exotropie im Beobachtungszeitraum:
3 Kinder. Binokularfunktionen: Prä- und postoperativ gleichwertige
Aufzeichnungen 70%, "Verbesserung" 4%, "Verschlechterung" 3%,
kooperationsbedingt fehlende Angaben 11%, noch ausstehende Angaben
12%. Die Abnahme des Operationseffektes war in der untersuchten
Gruppe stärker ausgeprägt als in der Gesamtgruppe der
Divergenzoperationen.
Fazit Bei Anwendung der eigenen Dosierungstabellen und Operationstechnik
sind divergente Restschiel-winkel nach kombinierter Divergenzoperation
im Kindesalter die Regel. Eine konsekutive Esotropie oder eine
nachhaltige Beeinträchtigung der Binokularfunktionen sind
nicht zu befürchten. Eine Differenzierung der Operationsdosierung
ist zu erwägen.
LASER-TYNDALLOMETRIE UND HORNHAUT-ENDOTHELZELLZAHL NACH MULTIPLEN
AUGEN-MUSKEL-OPERATIONEN
G-Ch Gusek-Schneider, N X Nguyen, B Seitz, M Küchle
Augenklinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg;
Erlangen (Direktor: Prof. Dr. GOH Naumann)
Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen
Hintergrund: Analyse des Langzeiteinflusses von multiplen Augenmuskeloperationen.
Patienten und Methoden: Wir untersuchten 7 Patienten nach Augenmuskeloperationen
mit Beteiligung von 4 und mehr Ziliararterien. Die Laser-Tyndallometrie
wurde mit dem Laser Flare -Cell Meter FC-1000 (Kowa), die Quantifizierung
der kornealen Endothelzellzahl mit dem Spekularmikroskop EM-1000
(Tomey) durch-geführt. Das Durchschnittsalter bei Untersuchung
betrug 29,1+ 19,3 Jahre, die durchschnittliche Verlaufs-beobachtungzeit
13,4+ 6,2 Monate nach der letzten Operation.
Ergebnisse: Es fand sich kein Unterschied der Laser - Tyndallometriewerte
zwischen operierten und nicht operierten Augen (3,8 ? 2,43 gegenüber
3,57 ? 1,77 Photon Counts/ms) sowie der Hornhaut-Endothel-zellzahl:
2760 ? 400,94 gegenüber 2741 ? 449,99 Zellen/mm2; jeweils:
p=0,8.
Schlußfolgerungen: Die beschriebenen Methoden stellen weitere
nichtinvasive methodische Möglichkeiten dar, die Konsequenzen
multipler Augenmuskelchirurgie abzuschätzen.
NUKLEÄRE ABDUZENSPARESE - KLINISCHE DIFFERENZIERUNG VON
LÄSIONEN DER PARAMEDI-ANEN PONTINEN FORMATIO RETICULARIS
Kathi Hartmann1, Hermann Mühlendyck2
1Universitäts-Augenklinik Aachen, Pauwelsstr. 30, 52057 Aachen
2Universitäts-Augenklinik 37075 Göttingen, Robert Koch
Str. 40
Ziel dieser Studie war es Merkmale zu finden, mit deren Hilfe sich
eine nukleäre Abduzensparese (NAP) von einer Läsion
der paramedianen pontinen Formatio reticularis (PPFR) differenzieren
läßt. Die NAP wird in der heutigen Literatur als unilaterale
ipsilaterale horizontale Blickparese beschrieben, die sich nur
durch die gleichzeitig vorliegende ipsilaterale periphere Fazialisparese
von einer Läsion der PPFR unterscheidet.
1890 beschrieben Bennett und Savill eine Kasuistik mit einer nur
auf den Abduzenskern begrenzten Läsion. Sie fanden eine "asymmetrische
ipsilaterale horizontale Blickparese" mit stärker eingeschränkter
ipsilateraler Abduktion. Experimentelle Daten bei Rhesusaffen
bestätigen diese Beobachtung.
Von 1995 bis 1997 untersuchten wir fünf Patienten mit NAP.
Alle Patienten zeigten die folgenden klinischen Merkmale: 1) "asymmetrische
ipsilaterale horizontale Blickparese" mit stärker eingeschränkter
ipsilateraler Abduktion und normaler Konvergenz; 2) Diplopie und
Esotropie, die sich mit Hilfe des Covertestes nicht evaluieren
läßt; 3) kein Unterschied zwischen primärem und
sekundärem Schielwinkel; 4) versuchter Blick in die betroffene
Richtung löste manchmal paradoxe Konvergenzbewegungen mit
Pupillenverengung, Visusreduktion und Konvergenznystagmus aus.
Zusätzlich sahen wir bei drei Patienten einen Upbeat-Nystagmus
und eine ipsilaterale Hypotropie.
Diese Beobachtungen legen nahe, daß eine NAP klinisch von
einer Läsion der PPFR differenziert werden kann.
PROPORTIONALE BEZIEHUNG ZWISCHEN FORMDIFFERENZ DER BILDER UND
TIEFE DER SUPPRES-SION
S. Kilwinger, H.J. Simonsz
Suppression des schielenden Auges tritt bei Schielern auf zur Vermeidung
von Doppelbilder. Seit Längerem ist bekannt daß Suppression
nur auftritt, wenn die Bilder für das rechte und linke Auge
mehr oder weniger identisch sind. Wir haben diesen klinischen
Befund quantifiziert indem wir den Unterschied zwischen den Bildern
für das rechte und das linke Auge stufenweise vergrößert
haben.
Einige Patienten mit Mikrostrabismus sahen mit beiden Augen mittels
Oberflächespiegel zwei identische, kontrastreiche Poster
als Hintergrund (43° x 32°, 1 m Entfernung, 6 cd/m²).
In der Mitte war ein rundes Loch (Durch-messer 2°) mit einem
Milchglas-Fenster, von hinten mittels 2 Halogenlampen beleuchtet,
worauf für das fixierende Auge einen Kreis und für das
schielende Auge einen Rechteck sichtbar war. Der Strom war 0.3
s eingeschaltet. Die maximale Luminanz war 200 cd/m², welche
erst nach 0.15 s erreicht wurde. Nach Abschalten der Strom nahm
die Luminanz über 0.1 s ab.
Stufenweise wurde der Form des Rechtecks in einem Kreis geändert
und bei jeder Kombination der disparaten Bilder wurde das Bild
des nichtschielenden Auges verdunkelt mittels Graufilter bis das
Bild des schielenden Auges wahrgenommen wurde.
Bei einigen Patienten zeigte sich eine proportionale Beziehung
zwischen Formdifferenz der Bilder und Tiefe der Suppression.
Afdeling Oogheelkunde,Academisch Ziekenhuis Rotterdam, Dr Molewaterplein
40, NL 3015 GD Rotterdam, Fax 003110-4635105
ZUR HÖHE VON PRISMATISCHER KORREKTION BEI WINKELFEHLSICHTIGKEIT
UND DOPPELSEHEN
Helmut Knoche
Anschrift: Dr.Ing. Helmut Knoche, Immermannstraße 21, 39108
Magdeburg , FAX: 0391/7316021
Bei Winkelfehlsichtigkeit und Anstrengungsbeschwerden soll nach
Haase prismatisch voll korrigiert werden. Welche der beiden Faktoren
motorische Abweichung oder Fixations-disparation dabei schwerpunktmäßig
vorliegen, bleibt unberücksichtigt. Die Bedeutung dieser
Faktoren ist nach unserer Auffassung unterschied-lich und beeinflußt
eine Entscheidung über die Höhe der prismatischen Korrektion.
Die Anamnese zeigt uns, ob unklare asthenopische Beschwerden oder
eine Neigung zu Doppelsehen vorliegen. Im ersten Fall hat sich
die Winkel-fehlsichtigkeit von motorischer Abweichung stärker
in den sensorischen Bereich verlagert. Es bestehen erhebliche
Suppressionen teilweise auch intermittierend. Im zweiten Fall
spielen Fixations-disparation und Suppression eine untergeordnete
Rolle.
Die prismatische Vollkorrektion kann dazu beitragen, Suppressionen
zu lockern. Wir setzen sie mit aller Konsequenz ein, wenn
wir uns eine Verbesserung des Zustandes versprechen und die betroffenen
Personen Übergangs-schwierig-keiten in Kauf nehmen wollen.
Der prismatische Wert wird z.B. erhöht, wenn sich dadurch
Verbesserungen in der Stereowendeprobe oder der Prävalenz
zeigen. Das Ziel ist eine Verbesserung in der Zusammenarbeit zwischen
beiden Augen. Eine Unterkorrektion kann kontraindiziert sein.
In die Gruppe der vollzukorrigierenden Winkelfehlsichtigkeiten
zählen auch Exophorien mit Konvergenz-insuffizienz. Mit Prisma
B.i. entsteht nicht selten auf Anhieb Beschwerde-freiheit.
Die Vollkorrektion hat aber mehrere Nachteile: 1. Die Prismenwerte
werden oft sehr hoch. Die Gläser werden dick und schwer.
2. Durch den chromatischen Fehler kann es optisch zu einer Verschlechterung
kommen. Darüber hinaus scheinen noch andere aus der Sensorik
herrührende Nachteile möglich zu sein. Bei vielen Winkelfehlsichtigen
steht die Problematik der Fixations-disparation und insbesondere
der Suppression nicht im Vordergrund. Das betrifft in unserer
Klientel zahlreiche Fehlsichtige, die angeben, zeitweise oder
ständig doppelt zu sehen oder meinen, vielleicht zu schielen.
In welcher Höhe ist dabei zu korrigieren? Nach unserer Meinung
besteht meist die Möglichkeit einer Unterkorrektion, z.B.
4,75 dpt hyperop, Meßwert 10 prdpt B.a. seit 5 Jahren mit
6 prdpt zufrieden. Im Vortrag wird über gute Erfahrungen
mit Unterkor-rektion sowie über eine Selbstbeobachtung
berichtet.
Das Polatestverfahren kann auch im medizinischen Bereich beim
intermittierenden Strabismus eine Hilfe sein. Man findet einen
der Winkelfehlsichtigkeit zuzurechnenden Phoriewert und einen
in der Größe wechselnden Strabismus. Wir haben die
Winkelfehlsichtigkeit korrigiert und ein Sehtraining empfohlen.
Die Messung im freien Raum setzen wir auch beim Doppelsehen infolge
eines Strabismus paralyticus oder durch Orbitaveränderungen
ein. Bei nicht zu großem Winkel, etwa bis 10 prdpt wird
die prismatische Korrektion angenommen. Das zuvor bestehen-de
Doppelsehen ist in Blickrichtung geradeaus aufgehoben.
Der Erfolg bei der Prismenverordnung ist nicht vorprogrammiert.
In der Praxis gibt es immer mal den Fall, daß die Prismen
wieder entfernt werden müssen oder sich die Werte verändern..
Bei Heterophorie-operationen sind die Werte meist von Anfang an
sehr hoch. Im Vortrag werden etwa 70 positiv verlaufene und nachuntersuchte
Fälle von prismatischer Korrektion dargestellt.
UNTERSUCHUNGEN ZUM REFRAKTIONSVERHALTEN NACH AUGENMUSKELOPERATIONEN
S. Kretschmar, E. Sommer (Dresden)
Postoperative Refraktionsänderungen - vorwiegend des Astigmatismus
- nach Strabismuschirurgie werden in der Literatur mit 2 bis 75
% angegeben. Veränderte Traktions- und Torsionskräfte
der Augenmuskeln mit Einfluß auf die Hornhaut werden dafür
verantwortlich gemacht. Da diese im Kindesalter ein Amblyopierisiko
sein können, wird in einer prospektiven Untersuchung der
Frage nach Häufigkeit, Art und Ausmaß möglicher
Refraktionsänderungen nach Augenmuskeloperationen nachgegangen.
Patienten: Es wurden 27 Augen von 23 Kindern im Alter von
4 bis 15 Jahren hinsichtlich des Refraktions-verhaltens nach verschiedenen
Arten von Augenmuskeloperationen drei Monate postoperativ untersucht
und die Ergebnisse mit den präoperativ erhobenen verglichen.
Skiaskopie, Autorefraktometrie und Horn-hauttopographie kamen
dabei zur Anwendung.
Ergebnisse: Bei allen Patienten - bis auf eine Ausnahme
- lag eine Hyperopie von +0,25 bis +6,5 dpt vor; das gleiche war
in Bezug auf den Astigmatismus der Fall, wobei die Werte 0,25
bis 2,25 dpt betrugen. Die sphärischen Werte von Skiaskopie
und Autorefraktometrie sowie die astigmatischen von Autorefraktometrie
und Hornhauttopographie korrelieren relativ gut. Drei Monate postoperativ
waren bei 62 % der Patienten geringfügige Änderungen
zum Ausgangswert nachweisbar, die bei allen drei Untersuchungsmethoden
im sphärischen und astigmatischen Wert 1,0 dpt nie überschritten.
Die Änderungen der Astigmatismusachse in der Hornhauttopographie
betrugen 5 bis 30°.
Schlußfolgerungen: Drei Monate nach Augenmuskeloperationen
sollte möglichst eine Refraktionskontrolle erfolgen, um Änderungen
der Refraktion und Astigmatismusachse zu erfassen, auch wenn beide
Werte, wie in der Untersuchung nachgewiesen, sich nur geringfügig
ändern.
ZUM WANDEL DES STRABOLOGISCHEN PATIENTENGUTES AN DER AUGENKLINIK
DER MARTIN-LUTHER-UNIVERSITÄT HALLE
Mascher,D.: V.Bau,; R.Weidlich
Im strabologischen Patientengut der Universitäts-Augenklinik
Halle hat sich in den letzten 10 Jahren hinsichtlich der Altersstruktur
ein deutlicher Wandel vollzogen.Es lassen sich zunehmend mehr
jugendliche und erwachsene Patienten wegen eines Begleitschielens
operieren.
Während noch 1989 bei insgesamt 138 operierten Patienten
127 Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr den Hauptanteil
der Patienten darstellten, bildeten 11 Erwachsene gerade acht
Prozent des Patientengutes. Dagegen wurden im Jahr 1998 nur 68
Kinder, aber 122 Erwachsene wegen eines Begleitschielens operiert,
so daß nun der Hauptanteil der Patienten im Jugend- oder
Erwachsenenalter liegt.
Im Rahmen einer retrospektiven schriftlichen Befragung wurden
die erwachsenen Patienten gebeten, in anonymer Form ihren Entschluß
zur Operation zu begründen und ihre anschließende Zufriedenheit
zu bewerten. Einschlußkriterien bildeten alle Formen des
Begleitschielens.Das Lähmungsschielen und sekundäre
Formen wurden nicht erfaßt.
Es liegen Antworten von über 60 Patienten vor, die einen
deutlichen Einblick in den Informationsstand, die Erwartungen
und die z.T. belastende Lebenssituation von schielenden Jugendlichen
und Erwachsenen ermöglichen. So wurde als Hauptgrund für
die nicht früher erfolgte Operation von jedem zweiten
Patienten die ungenügende Aufklärung durch den Augenarzt
angegeben. Die wichtigste Motivation bleibt der eigene Wille zur
ästhetischen Verbesserung. Mit dem Operationserfolg sind
82 % der Patienten zufrieden und äußern eine Verbesserung
der Selbstsicherheit und der gesellschaftlichen Akzeptanz. Dieses
Ergebnis und die Tatsache, daß sich 89% der Befragten wieder
operieren lassen würden, zeigt, wie lohnend eine operative
Schielbehandlung beim Erwachsenen sein kann.
KLINISCHE BEDEUTUNG DES ZENTRALVENENABFLUßDRUCKES
Rolf Meyer-Schwickerath, Thomas Kleinwächter
Praxisklinik Bocholt, Königstraße 32, 46397 Bocholt
Einleitung: Ist der Venenkollaps zur Messung des intravasalen Venendruckes
geeignet?
Methode: Es wird ein Modellversuch vorgestellt mit dem die Bedingungen
für den Kollaps der V. centralis retinae analysiert werden
können. Die Untersuchungen wurden in Hinblick auf den intraokularen
Druck, auf den Druck im Venenabfluß der Zentalvene und auf
die Gesamtperfusion der "Retina" durchgeführt. Die klinischen
Messungen wurden nach Bestimmung von Augeninnendruck und Blutdruck
durch dynamo-metrische Untersuchungen bei ophthalmoskopischer
Betrachtung des Venenkollapses und einer Messung oder Abschätzung
der Druckerhöhung bis zum Auslösen des Venenkollapses
vorgenommen.
Ergebnisse: Im Experiment sind die mit Hilfe der Dynamometrie
der Zentralvene gemessenen Druckwerte des Venenabflusses (Venenabflußdruck
/ Venous outflow pressure / VOP) identisch mit den Werten der
direkten intravasalen Duckmessung. Die in vivo VOP-Messung ermöglicht
die exakte Bestimmung des Venenabflußdruckes aus dem Auge.
So können Widerstände im Venenabfluß meßbar
gemacht werden. Die Größe des Meßwertes ist abhängig
vom Widerstand im Venenabfluß, vom intracraniellen Druck
und der Höhe der retinalen Perfusion. Jede Störung dieser
3 Parameter wird prinzipiell meßbar, wenn die beiden anderen
Meßgrößen bekannt sind oder die Meßreihe
nur von einer Größe abhängig ist.
Zusammenfassung: Das Venenkollapsphänomen bietet die Möglichkeit,
den intravasalen Druck der V. centralis retinae zu quantifizieren.
Es lassen sich verschiedene klinische Anwendungsmöglichkeiten
aufzeigen.
KANN DER HIRNDRUCK ZUVERLÄSSIG AUF NICHT-INVASIVEM WEGE
BESTIMMT WERDEN?
M.Motschmann*, M.Schütze**, C.Müller*, W.Behrens-Baumann*,
R.Firsching**
Otto-von-Guericke-Universität, Leipziger Str. 44, 39120 Magdeburg
*Klinik für Augenheilkunde, **Klinik für Neurochirurgie
Hintergrund: Der Zentralvenendruck ist abhängig vom intrakraniellen
Druck, da der Nervus opticus innerhalb der Nervenscheide von Liquorflüssigkeit
umgeben ist. Beim Kollabieren oder Pulsieren der Zentralvene übersteigt
der Hirndruck den Zentralvenendruck. Baurmann beschrieb 1925 als
erster diesen Zusammenhang. Er empfahl die Messung des Zentralvenendruckes,
um die Höhe des intrakraniellen Druckes zu bestimmen. Bislang
ist diese Überlegung aber noch nicht verifiziert worden.
Wir haben den Zentralvenendruck nicht-invasiv mittels Ophthalmodynamometrie
(ODM) bestimmt und die Befunde mit den Ergebnissen der konventionellen
Hirndruckmessung verglichen.
Patienten und Methodik: 55 Patienten mit Verdacht auf Hydrozephalus,
Schädel-Hirnverletzungen oder anderen mit Erhöhung des
intrakraniellen Druckes einhergehenden Erkrankungen wurden in
die Studie aufgenommen. Bei allen Patienten wurde der intrakranielle
Druck wenigstens 24 Stunden über einen intraventrikulären
Katheter oder eine epidurale Sonde bestimmt. Während dieser
Zeit erfolgte zusätzlich eine Bestimmung des Zentralvenendruckes
mittels Ophthalmodynamometrie.
Ergebnisse: Der Zentralvenendruck korreliert eng mit dem intrakraniellen
Druck (r>0,9)
Schlußfolgerung: Die Messung des Zentralvenendruckes mittels
ODM ist nach den Ergebnissen unserer Studie ein zuverlässiges
Verfahren, auf nicht-invasivem Wege den intrakraniellen Druck
zu bestimmen. Die Durchführung einer ODM erfordert bei wachen
Patienten ein gewisses Maß an Mitarbeit. Bei komatösen
Patienten kann sie hiervon unabhängig erfolgen, sofern eine
Öffnung der Lidspalte möglich ist. Gewöhnlich ist
jedoch eine medikamentöse Mydriasis erforderlich, die bei
komatösen Patienten eigentlich unerwünscht ist. Zu den
Kontraindikationen gehören eine hohe Myopie und vorausgegangene
intraokulare Eingriffe.
Die ODM ermöglicht nur eine augenblickliche Erfassung des
intrakraniellen Druckes und ist daher für eine dauerhafte
Ableitung nicht geeignet. Sie kann jedoch als Screening-Verfahren
eingesetzt werden, wenn der Verdacht auf eine Erhöhung des
intrakraniellen Druckes besteht.
WIE VERMEIDET DAS DOPPELAUGE STÖRENDE KONTURÜBERSCHNEIDUNGEN?
ANTWORTEN AUS DER LITERATUR ZWISCHEN 1859 UND 1971
Hans-Felix Piper, Lübeck
Aulhorn beschrieb 1967 das interokulare "Löschphänomen"
und baute ihre am Phasendifferenz-Haploskop gewonnenen Erkenntnisse
zur Untersuchungsmethode aus. Eine zwischen den beiden Augen eingespielte
Reizauswahl soll störende "Trugbilder" ausschalten, ein Vorgang,
über den seit Mitte des vorigen Jahrhunderts geforscht wird.
Dem natürlichen Sehen angenäherte Trennung der Einzelaugen-Eindrücke
und zwischenäugige Unverträglichkeiten wurden nachgestellt:
1. freiäugig: Volkmann 1859, Feilchenfeld 1905, Best 1906,
Hamburger 1943
2. dichoptisch: Dunlop 1912/1921, Remky 1950
3. am Projektionskoordimeter von Zeiss: Piper 1952
4. am Phasendifferenzhaploskop: Aulhorn 1967
5. am gegenäugig verteilten Röhren-Flächengesichtsfeld:
Mackensen 1971.
Die Zweckmäßigkeit dieser Hemmungsvorgänge ist
unbestritten, ihr Einbau in die sinnesphysiologischen Steuerungs-vorgänge
vieldeutig.
ANALGOSEDIERUNG MIT REMIFENTANIL BEI KOMPLIZIERTEN AUGENMUSKELOPERATIONEN
B. Rübsam1, W. D. Schäfer2, B. Schulte2 N.Roewer1
1Klinik für Anästhesiologie und 2Sehschule der Augenklinik
der Universität Würzburg
Josef-Schneider-Str. 2 u. 11, 97080 Würzburg
Problem: Bei seltenen Fällen komplizierter Motilitätsstörungen
der Augen besteht der Wunsch, die Auswirkungen operativer Veränderungen
an den Augenmuskeln durch den möglichst unbeeinflussten Patienten
sofort intraoperativ überprüfen zu lassen und die Augenstellung
selbst zu testen. Unter Allgemein- oder Lokalanästhesie wären
mehrere Eingriffe an verschiedenen Tagen erforderlich, die den
Patienten jeweils erneut dem Operations- und Anästhesierisiko
aussetzen würden. Eine Analgosedierung mit einem kurz wirksamen
Opioid wäre vorteilhaft.
Remifentanil ist ein solches kurz wirksames Opioid, das sich leicht
intravenös steuern lässt. Es ist analgetisch sehr gut
wirksam und hat zusätzlich eine gering sedierende Komponente.
Methodik: Die Patienten erhielten präoperativ zur antiemetischen
Prophylaxe Dimenhydrinat. Die Bindehaut wurde mit Tetracain anästhesiert.
RR, EKG, Pulsoximetrie und Kapnographie wurden intraoperativ über-wacht.
Remifentanil wurde kontinuierlich intravenös mit einer Dosierung
von 0,05 mg/kg/min. gestartet. Die Dosierung wurde dem individuellen
Schmerzempfinden des Patienten und dem Operationsverlauf angepasst
und bis zu 0,3 mg/kg/min. gesteigert. Zur Kontrolle der Augenstellung
wurde die Remifentanilgabe unter-brochen. Um eine weitere operative
Korrektur durchzuführen, wurde Remifentanil erneut in der
vorherigen Dosierung gestartet. Dieses Vorgehen wurde so lange
wiederholt, bis eine optimale Augenstellung erreicht war.
Ergebnisse: Die Patienten waren intraoperativ leicht sediert und
jederzeit ansprechbar. Mit Hilfe der Kapnographie konnte eine
Apnoe frühzeitig erkannt werden, so dass es zu keinem Sättigungsabfall
kam. 2 - 3 Minuten nach Beendigung der Remifentanilgabe waren
die Patienten wach und gut kooperativ, um die Augenstellung zu
überprüfen.
Im Falle einer Veränderung am Musculus rectus internus nach
früherer Tumorexzision hatten zwei Voroperationen statt Reduktion
eine Zunahme der Höhenabweichung ergeben. Während der
Operation konnte diese Höhenabweichung befriedigend korrigiert
werden, sowohl durch die gute Mitarbeit der Patientin (Angaben
zur Diplopie) als auch durch Kontrollen mit Abdecktest und Prismenabdecktest.
Bei zwei weiteren Fällen (Revisionsoperation am Musculus
obliquus inferior, Internus-Rücklagerung nach beidseits Hummels-heim-OP)
wurde das neue Anästhesieverfahren ebenfalls erfolgreich
durchgeführt.
Resümée: Alle Patienten waren mit dem Anästhesie-
und Operationsverlauf sehr zufrieden. Die Analgo-sedierung mit
Remifentanil ist ein geeignetes Anästhesieverfahren, um bei
komplizierten Motilitätsstörungen das Operationsergebnis
mehrmals intraoperativ zu überprüfen und zu korrigieren.
Während des operativen Eingriffes besteht eine ausreichende
Analgesie und zur Kontrolle der Augenstellung besteht eine gute
Mitarbeit der Patienten. Die Analgosedierung mit Remifentanil
setzt eine enge Zusammenarbeit von Operateur, Anästhesist
und Patient voraus.
OPTIKUSKOMPRESSION BEI ENDOKRINER ORBITOPATHIE UNTER ANDROGENTHERAPIE
Burkhard Schloßmacher, Tatjana von Fischern, Kathi Hartmann
Universitäts-Augenklinik Aachen, Pauwelsstr. 30, 52057 Aachen
Hintergrund: Die Abhängigkeit einer endokrinen Orbitopathie
(e.O.) von hormonellen Schwankungen, beispielsweise in der Schwangerschaft,
ist bekannt. Die Auswirkungen einer Hormon-therapie auf die Aktivität
einer e.O. sind bisher nicht untersucht worden.
Kasuistik: Eine 32 Jahre alte Patientin stellte sich 5/98 mit
einer seit 2 Monaten bestehenden e.O. vor. Ein M. Basedow war
seit 1995 bekannt. Bei floridem Befund erfolgten eine Steroidstoß-therapie
mit Erhaltdosis und eine Retrobulbär-bestrahlung. Es trat
eine allmähliche Befundverbesserung ein.
Im Rahmen einer geplanten Geschlechtsumwandlung wurde 12/98 mit
einer Testosterontherapie begonnen. Bei einer Kontrolle 2/99 zeigte
sich eine deutliche Befundverschlechterung mit subjektiver Visusminderung
und pathologischer Erhöhung des orbitalen Venenabflußdruckes.
Am hinteren Pol befanden sich Aderhaut-falten. Im orbitalen MRT
waren alle Augenmuskeln massiv verdickt und die Optikusscheiden
aufgetrieben. Nach sofortiger Megadosis-Steroidbehandlung und
beidseitiger Orbitadekompressions-Operation bildeten sich die
Stauungs-zeichen schnell zurück. Die zwischenzeitlich ausgesetzte
Testosteronbehandlung konnte fortgesetzt werden. Der Befund ist
seitdem stabil.
Diskussion: Der Androgeneinfluß auf die Schilddrüsenregulation
(PIT1) ist mehrfach beschrieben. Die Auswirkung auf damit zusammenhängende
Autoimmunprozesse ist noch nicht geklärt.
Schlußfolgerung: Wir vermuten eine Exazerbation der e.O.
durch die Hormonumstellung zu Beginn der Testosterontherapie.
EIGENSCHAFTEN DER BINOKULAREN DREIDIMENSIONALEN VIDEOOKULOGRAPHIE
(B3D-VOG) MIT DEMONSTRATIONSVERSUCH
K.H. Wassill, H. Kaufmann
Auf der Suche nach einem objektiven Verfahren zur Bestimmung der
Bulbusposition wurde eine Methode weiterentwickelt, welche ursprünglich
für die Raumfahrt entwickelt wurde.
An einer Art Tauchermaske sind hinter zwei halbdurchlässigen
Spiegeln Kameras installiert. Die digitale Aufbereitung beider
Irisbilder ermöglicht:
1. eine dreidimensionale Positionsbestimmung beider Bulbi mit
25 Hertz
2. eine Differenzbildung zwischen den Stellungen beider Augen
bei freien Blickbewegungen
3. die Messung der Einflüsse des Innenohres auf die Augenstellung
bei freier Beweglichkeit des Kopfes
4. damit online die Messung der okulären Gegenrollung
5. die Integration bisheriger Messmethoden (Tangententafel nach
Harms) zum Methodenvergleich
6. eine Vergleichsmöglichkeit subjektiver und objektiver
Verfahren
Das Projekt wird gefördert von der DFG, Nr. Ka 1366/1-1 030/98.
Demonstriert wird die Durchführung der Videookulographie
sowie die Messung von Prismen unbekannter Stärke.
Augenklinik für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie
der Justus-Liebig-Univ. Giessen, Friedrichstr. 18 D - 35385
Giessen
EINSEITIGE APLASIE EINES MUSCULUS RECTUS LATERALIS - EIN FALLBERICHT
C.C. Zöller, K. Scharwey, M. Gräf, H. Kaufmann
Univ.-Augenklinik für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie
Gießen
Es wird der Fall einer Musculus-rectus-lateralis-Aplasie vorgestellt.
Der Junge wurde erstmals im Alter von 7 Jahren in unserer Klinik
untersucht. Die Familienanamnese war unauffällig. Die Sprachentwicklung
des Jungen war verzögert. Es bestand seit dem ersten Lebensmonat
eine Esotropie des rechten Auges. Die erste Brille war im Alter
von 6 Wochen angepasst worden. Außerdem war eine Teilzeitokklusion
durchgeführt worden.
Der Visus betrug unter Korrektion des myopen Astigmatismus beidseits
0,8. Die Motilität beider Augen war eingeschränkt. Das
rechte Auge konnte nicht über die Mittellinie, das linke
Auge nur 35° abduziert werden. Aus der Primärposition
konnte das rechte Auge 20°, das linke Auge 15° gehoben
werden. Im Abdecktest bestand eine relativ konkomitante Esotropie
von 24° bei Rechts- und Linksfixation (RF/LF), die im Auf-
und Abblick gleich blieb. im Rechtsblick auf 28° zu- und im
Linksblick auf 22° abnahm (LF). Außerdem bestand eine
+VD von 14° (LF) ohne dissoziierte Komponente, die im Linksblick
auf 21° zu- und im Rechtsblick auf 0° abnahm. Funduskopisch
fiel beidseits eine Exzyklostellung von 5-10° auf. Eine Retraktion
bei horizontaler Blickwendung war nicht vorhanden. Die axiale
Bulbuslänge betrug rechts 25,2 mm, links 24,6 mm. Kern-spintomografisch
wurde eine Aplasie des rechten Musculus rectus lateralis nachgewiesen.
Der linke Musculus rectus lateralis erschien hypoplastisch.
Intraoperativ war der rechte Musculus rectus lateralis nicht auffindbar.
Die benachbarten Muskeln inserierten regelrecht. Es wurde eine
Transposition nach Hummelsheim durchgeführt.
Acht Monate postoperativ war die horizontale Motilität des
rechten Auges auf 10° Abduktion bis 15° Adduktion eingeschränkt.
Es bestand Orthotropie in Ferne und Nähe. Der alternierende
Abdecktest ergab in Primärposition einen Restschielwinkel
von +2° (RF/LF) +VD 2°, im Rechtsblick +13°, +VD 1°,
im Linksblick -9°, +VD 17° und ein V-Symptom von 8°.
Eine Aplasie gerader Augenmuskeln kommt sehr selten vor. Sie wurde
bislang erst in wenigen Fällen eindeutig gesichert. Im Verdachtsfall
ist eine präoperative bildgebende Diagnostik (CT/MRT) sinnvoll.
|